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Bootstrapping

Bootstrapping meint eine Finanzierungsform der Unternehmensgründung, bei der auf eine externe Finanzierung verzichtet wird.

Gruenderszene.de

Wir finanzieren uns selber, dass hatte ich in dem ein oder anderen Artikel erwähnt. Zum einem, weil wir nach der Devise gegründet haben “erst beweisen, dann Geld einsammeln” und zum anderen, weil wir die Kontrolle über unsere eigene Firma behalten wollen.

Geld ist Mangel

Die Konsequenz ist, dass man sehr stark auf das Geld achten muss. Während wir immer wieder lesen, dass Startups wie 6Wunderkinder Millionen von Euro in einem Jahr in den Sand setzen können, sieht die Realität oft anders aus. Geld ist ein Mangel und zwar extrem. Jeder Euro ist wichtig. Wir sagen uns immer, dass wir jeden Euro nur ausgeben, wenn er uns wieder einen Return bringt. Dies beinhaltet Marketing, Vertrieb und Technik. Kosten, die keinen Umsatz generieren können, die versuchen wir zu vermeiden (Anwälte, Büro, Möbel, PCs, Berater).

Heute wollte ich euch daher einmal zusammentragen, wie man Geld sparen kann. Und natürlich würde es mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen hier teilen würdet.

Eigenes Geld auszugeben tut weh

Investorengeld auszugeben für ein Produkt, für das keiner kauft – das ist nicht schwer. Eigenes Geld auszugeben, das tut richtig weh. Und dabei ist Gründen nicht mehr so teuer wie es früher war. Dave McClude (500 Startups) schreibt: “Find a Niche and win” sowie “it’s REALLY EASY to bootstrap most internet and mobile businesses to at least the operational stage on a very small amount of cash

Fred Wilson (Union Square Ventures) schrieb ebenso: “At least half of the most recent twenty investments we have made were bootstrapped for well more than a year.

Es ist so günstig wie nie, ein Webprodukt zu bauen. Nun einige Möglichkeiten, wie man Kosten sparen könnte.

Du brauchst einen technischen Mitgründer

Ohne technischen Mitgründern ist es schwer. Aber hey, Internet  = Webprodukt. Carl Benz hat sein Auto auch selber gebaut. Otto hat seinen ersten Motor entwickelt, genau wie Porsche. Wer ein Technologieunternehmen bauen will und hat kein know-how im Team, der könnte etwas falsch machen. Solange also die Webseite ein Wertschöpfungstreiber ist, sollte ein CTO oder Entwickler schon sehr früh an Board sein.

Jedoch kann keiner dieser Techis alles. Einige versprechen es, doch das wäre eine Lüge. Entweder die können Design, oder Entwicklung etc, aber so oder so, die haben alle ihre Schwerpunkte und Schwächen.

Design: selber machen. Mockups kann jeder selber bauen, genau wie das Konzept der Webseite erstellen.

Grafiker: Auch hier Bekannte fragen, ob diese es können. Ansonsten einen Grafiker bitten ein Corporate Design aufzusetzen. Gibt es unter 2.000 €.

Der Mitgründer sollte dann alles selber programmieren. Datenbanken, PHP, Server, Frameworks. Das dauert zwar (weil er nicht alles selber kann), doch sparst du viel Geld. Freelancer würde ich dann für Sonderthemen reinholen, bei uns HTML und CSS Arbeiten, genauso für komplexere Java Sachen und WordPress Themen.

Kosten: 1.500 € für Freelancer im Monat und Verlust an Geschwindigkeit

Gespart: Einen vollen CTO (> 5.000 €) im Monat

Steuern, Buchhaltung, Controlling – das kann jeder BWLer

Für die Finanzen, dass kann jeder auch selber machen. Buchhaltung noch mal einlesen und dann selber buchen. Genauso wie einen Jahresabschluss erstellen. Vorlagen gibt es Tausende, denn immerhin muss jedes Unternehmen einen Jahresabschluss veröffentlichen.

Die Steuern kannst du ebenso selber einreichen. Einfach Formular ausfüllen und abschicken. Natürlich ist anfangs nicht alles richtig und du musst nachtelefonieren. Das Finanzamt hilft einem immer weiter, wenn auch unfreundlich.

Rechnung selber zahlen, wer braucht einen Buchhalter? Nur für die Lohne würde ich einen Dienstleister empfehlen, dass kann richtig kompliziert werden.

Kosten: 15 € für einen Lohnbuchhalter + Software

Gespart: Den Steuerberater, den Buchhalter (ca 500 € im Monat)

Ein BWLer, der nicht selber die Umsatzsteuererklärung macht, die Buchhaltung führt, Controlling aufsetzt und Steuererklärungen schreibt – der ist wohl kein Betriebswirt.

Verträge einfach selber schreiben

Verträge kann man auch selber schreiben oder sich Vorlagen aus dem Netz ziehen. AGBs, Datenschutzerklärungen – alles selber geschrieben. Genauso wie unsere Arbeitsverträge. Einfach Vorlagen suchen (gibt es zahlreiche) und inhaltlich anpassen. Ebenso gibt es Term Sheets als Vorlage. Und die ganzen Gründungsunterlagen gibt es als Standard (für die UG oder GmbH). Ich sehe es nicht ein, einem Anwalt Geld zu geben, für etwas, was ich selber kann. Natürlich ist mir bewusst, dass ich rechtliche Risiken eingehe. Ja. Risiken gehe ich als Unternehmer jeden Tag ein.

Kosten: einmalig den Notar (unter 600 €)

Gespart: Anwälte (> 5.000 €)

Von daheim arbeiten und bloß keine Möbel kaufen

Für die ‘Operations’ ist einfach Sparsamkeit gefragt. Das Büro kann euer Wohnzimmer sein. Wer braucht einen Sitz in bester Lage, wenn es noch keine Mitarbeiter gibt? Unsere ersten drei Mitarbeiter haben halt von daheim gearbeitet, weil wir kein Büro hatten. Oder du beziehst bei einem anderem Startup Untermiete. Wir haben anfangs für 4 Leute ca. 200 € gezahlt. Und einen größeren Raum gibt es schon ab 500 €. Dies deckt meistens alle Fixkosten: Internet, Möbel, Miete.

Dann benutze doch einfach deinen eigenen Drucker daheim. Genau wie ich Stifte und Papiere ebenso von daheim mitbrachte. Wieso alles neu kaufen? Achte darauf, dass alles möbliert ist. Ein Jahr nach unserer Gründung habe ich bisher noch kein Geld für Möbel ausgeben. Die bringen mir keinen Umsatz, muss ich beim Umsatz mitschleppen und verlieren eh nur an Wert.

Gründer können ihre eigenen Rechner benutzten, Bildschirme von daheim mitbringen. Ansonsten gebrauchte Rechner kaufen für die Mitarbeiter. Wir konnten aus einem anderem Startup 6 alte Rechner + Bildschirme erwerben.

Gespart: Büromöbel, Hardware, teure Miete (1.000 € im Monat)

Mehr Leute lesen über meine Brautkleider-Artikel als diesen Blog

Marketing kann man auch selber machen. Für unseren Blog habe ich Monate lang über Frauenmode geschrieben. Dort hatte ich irgendwann mehr Leser als auf diesem Blog. Keine Ahnung von dem Thema? Egal! Reinarbeiten, lesen, Expertise entwickeln.

SEO ruhig selber machen. Niemanden dafür einstellen. Bei Bedarf Experten fragen, aber operativ selber umsetzen.

SEM kostet Budget, doch hier kann man mit sehr geringen Mitteln viel testen. Unser CPC ist unter 0,09 € – das nur durch Optimierung.

Facebook ebenso selber machen. Dafür braucht man kein Personal. Ebenso wie Twitter.

Kosten: 500 € im Monat für Adwords und ggf. ein paar Shares für Advisor.

Gespart: mehr als 3.000 € für eine SEO Agentur und Berater, > 1.500 € für eine Social Media Vollzeitkraft

Motivation > Erfahrung

Für Personalsuche ist Ebay Kleinanzeigen recht gut. Wir haben dort über 20 Bewerber an einem Tag bekommen. Dazu empfehle ich, lieber Mitarbeiter zu nehmen die stark motiviert sind. Eher Jemanden mehr Junior nehmen, der bereit ist zu lernen und wenig Erfahrung hat. Leute mit Erfahrung sind sehr teuer, bringen vielleicht Mehrwert doch sind für ein MVP-Startup zuviel.

Kosten: Werkstunden, Mini-Jobber, max. 1.000 € im Monat

Gespart: über 3.000 €

Natürlich muss es jeder für sich wissen. Wir haben halt versucht die Kosten immer so gering wie möglich zu halten. Das kostet in erster Linie Geschwindigkeit. Wer seinen Proof of Concept hat, der sollte ruhig investieren und anfangen zu wachsen. Doch solange man nicht weiß, wie man am besten Geld verdient, würde ich die Kosten so gering wie möglich halten. Das fängt bei den Gründern an. Selber kein Gehalt kassieren, im gleichen Raum sitzen wie das Team, den eigenen Laptop verwenden und sich keine neuen Möbel gönnen.

Interessant?