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Willkommen auf boostrapping.me

Ich freue mich über jeden Leser. Worum geht es? Nun seit gut 4 Jahren schreibe ich über meine Erfahrungen als Venture Capital Investor, Gründer, Business Angel, Chef und Mensch.

Und falls du kostenloses Feedback für deine Idee haben möchtest? Dann schreibe mir.

Venture Capital Summer Analyst 2016 – Praktikum in Berlin

Praktikum Venture Capital Berlin

Ich sage gerne, dass der geilste Angestelltenjob den ich hatte, die Zeit als Venture Capital Associate bei Point Nine Capital war. Ich habe ungemein viel gelernt, eine Menge Spaß gehabt, tolles Team, super Chefs und viele Freiheiten.

Wenn dich eine Karriere oder Zwischenstation im Venture Capital ebenso interessiert, habe ich ein paar Tipps zusammengeschrieben (So schaffst du den Einstieg in Venture Capital). Ansonsten kann ich dir als Leser meines Blogs natürlich auch unsere neuste Ausschreibung ans Herz legen: Venture Capital Summer Analyst (zum Stellenprofil).

Wir suchen also einen Super-Praktikanten. Wieso? Nun zum einem habe ich selber so angefangen. Während meines Studiums hatte ich die wunderbare Möglichkeit bei Team Europe zusammen mit Lukasz Gadowski, Steffen, Kolja und Pawel ein Praktikum zu machen. Es fühlte sich nie so an. Die Lernkurve war steil. Die Aufgaben spannend und es war der Anfang von Allem. Seitdem war ich in über 30 jungen Firmen als Gründer oder Investor beteiligt gewesen. Ich bin mir sicher, dass hätte ich dieses Praktikum nicht gemacht, dass ich heute vielleicht noch an einer Promotion schreiben würde oder in einer Strategieberatung festsitzen würde.

Venture Capital Summer Analyst 2016 Berlin

Nun aber zur Stelle. Was bieten wir? Nun zum einem tiefe Einblicke in die Dynamik von Venture Capital. Wann steigt man ein (Finanzierungsphasen), wie schreibt man Term Sheets (Term Sheet Basics), worauf achtet man bei Wandeldarlehen (Convertible Loans) oder wie man ein Startup bewertet (Bewertung für Startups).

Ebenso den rechtlichen Aufbau einer Venture Capital Firma (Bafin Teil 1 und Bafin Teil 2), die wirtschaftlichen Hebel, das interne Fundraising, Investorenmanagement, Portfoliomanagement, Due Dilligences, Screening, Businesspläne, Pitchdecks und so vieles mehr.

Wer auch immer die Stelle bekommt, der kann sein persönliches Netzwerk ausbauen zu anderen Investoren und Startups, versteht Märkte und Geschäftsmodelle besser und sammelt wertvolle Erfahrungen.

Wonach suche ich also? Mir ist Alter, Gender, Ethnie egal. Hauptsache die Person ist smart, kühn, analytisch und zugleich etwas kreativ. Jemand der Probleme lösen kann, Konzepte versteht und sich sehr schnell in neue Situationen denken kann. Es ist ungemein schwer die Person in Worte zu fassen, dass es keine Eierlegendewollmichsau unter Menschen gibt. Daher bin ich neugierig und gespannt darauf, was auf uns zukommt.

Wie läuft der Prozess ab? Jeder Bewerber bekommt von mir 3 Fragen (plus eine Bonusfrage). Die Antworten beinhalten analytische, strategische, kreative und philosophische Elemente. Die besten 10 Bewerber werden zu einem Interview vor Ort oder Skype/Facetime/Hangout eingeladen. Danach wird entschieden.

Die Basics sind: 3 Monate, Startzeitpunkt flexibel, bezahlt, kein festes Büro. Da ich 50 % meiner Zeit unterwegs bin bei Startups, sitze ich selten am gleichen Ort.

Was kann der Bewerber (oder Bewerberin) mitbringen? Idealerweise Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz und Startups. Doch das ist nice-to-have.

Praktikum Venture Capital Berlin

Das war: Rise of AI 2016 – Videos & Zusammenfassung

Rise of AI

Am 25.02.2016 war ich erstmalig Gastgeber zu Rise of AI – the Singularity might be closer than you think (die Einladung für meine Leser). Es war ein toller Abend. Bis auf den letzten Sitz war der Raum voll. 100 Gäste sind gekommen, eine bunte Mischung von Investoren, Gründern, Denkern, Journalisten oder Konzernleuten.

Es hat mich ungemein gefreut alte Gesichter zu sehen und neue kennen zu lernen. Für alle die nicht dabei sein konnten, habe ich extra eine Kamera aufstellen lassen.

Video 1 – Einführung von Fabian Westerheide

Was bedeutet für dich die Singularität?
Wieso erschaffen wir Maschinen, die uns ersetzen?
Was machen wir, wenn es keine Arbeit mehr gibt?

Video 2 – Ronnie Vuine – Intelligence Automation

Über die Singularität zu reden ist schwer, besonders wenn man diese nicht sehen kann.
Seit 300 Jahren sind wir auf einer exponentiellen Kurve des Technokapitals. Intelligenzen sind notwendigen um Systeme zu steuern. Daher braucht das Technokapital die perfekte Intelligenzautomation.

Video 3 – Prof. Dr. Danko Nikolic – AI-Kindergarten

Danko ist Hirnforscher. Er versucht das Problem der ersten allgemeinen künstlichen Intelligenz über die Biologie zu lösen. Er sagt, dass wir Menschen es nicht schaffen werden, eine Menschen-vergleichbare intelligente Maschinen zu erschaffen. Dafür fehlen uns die 9 Milliarden Jahre Erfahrungen der Evolution.

Video 4 – Ehssan Dariani

Ehssan, welcher 1986 als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland kam, spricht über den sozialen und wirtschaftlichen Einfluss von künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft. Er rät zur Geduld, um den Wandel zu sehen. In 20 Jahren werden die meisten Menschen den Lebensstandard haben, den heute sich nur die oberen 1 % leisten können. Dafür empfiehlt er eine höhere Besteuerung von Milliardären, das bedingungslose Grundeinkommen und die Legalisierung von berauschenden Substanzen.

Video 5 – Jan Klauck

Jan gibt eine Zusammenfassung wie man künstliche Intelligenzen in unsere Gesellschaften integrieren kann.

Video 6 – die Diskussion um künstliche Intelligenzen

Alle Redner, der Moderator Samim Winiger und das Publikum diskutieren folgende Fragen:
Müssen wir die Evolution von Intelligenz verstehen und eine allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) zu erschaffen?
Wie wird die Welt in 50 Jahren aussehen?
Wie beeinflusst Technologie die Politik der Gegenwart?
Was sind die wichtigsten neusten Technologien?
Welche Auswirkungen hat eine Verlangsamung von Moore’s Law?
Wie wird sich die Automatisierung von Intelligenz auf menschliche Arbeit auswirken?

Ich freue mich auf die nächste Veranstaltung dieser Art. Wenn du dabei sein willst, dann schicke mir eine email an f@bootstrapping.me und ich lade dich das nächste Mal direkt mit ein.

Wenn der Staat Excel benutzt – BaFin Meldepflichten für AIF-Verwaltungsgesellschaften

XML Datei für AIFM Meldung

Die BaFin-Meldepflicht für Venture-Capital-Firmen ist ein unschönes Beispiel für Technologiebürokratie. Ich erkläre Dir, wie Du in 4 Schritten deine AIF-Meldung einreichst und gebe frustrierte Hilfestellung.

Seit 2014 unterliegt europäisches Venture-Capital der Aufsicht der jeweils nationalen Bundesanstalt für Finanzaufsicht, kurz BaFin.

Um der BaFin nach § 44 KAGB

eine effektive Überwachung der Systemrisiken zu ermöglichen

müssen deutsche Kapitalgeber (VC = KVG + AIF, wie Du eine Venture-Capital-Firma gründest) regelmäßig ein Reporting einreichen.

Theoretisch gesehen möchte die BaFin wissen, mit welchen Vermögenswerten man handelt, wie das Risikoprofil der Firma ist und wie es um die Liquidität steht.

In 4 Schritten kommst Du Deiner Meldepflicht für AIF-Verwaltungsgesellschaften nach.

1. Registriere Dich auf dem BaFin MVP-Portal.

 Anmeldung BaFin MVP Portal

2. Reiche eine Meldung ein.

 Meldung einreichen

3. Lade die AIFM-Berichtswesen-Meldedatei (XML im .gz-Dateiformat) hoch.

 Datei hochladen

4. Prüfe in den Protokollen, ob die Meldung akzeptiert wurde.

Protokoll prüfen

Nun kommen wir zu der eigentlichen Geschichte des Bürokratieterrors. Ich halte den ganzen Reportingprozess für ein unschönes Beispiel für deutsche Technologiebürokratie. Für mich als User ist es von der Usability und User-Experience absolut ätzend. Die Conversion ist nur positiv (siehe Fehlermeldungen weiter unten), weil ich vom Gesetz her verpflichtet bin. Leider gibt es kein Gesetz, das vorschreibt, welche Mindeststandards von CSS, HTML und User-Interfaces es für staatliche Software geben sollte. ELSTER ist dagegen ein Kinderspielzeug.

Ich halte die Idee von einer Digitalisierung von Zahlungs-, Währungs- und Vermögensströmen für richtig. Die Aufgabe der BaFin ist es, genau dies in Echtzeit zu beobachten, zu bewerten und Systemrisiken rechtzeitig erkennen zu können. Doch die Execution ist mies: Technisch veraltet, keine APIs, total ineffizienter Prozess, zeitlich mit einer Verzögerung von Jahren statt Sekunden. Sorry BaFin, dass müsst Ihr deutlich besser machen. Ich helfe Euch da gerne aus. Meine E-mail-Adresse habt Ihr.

Fangen wir damit an, dass man alle Informationen nur über ein Merkblatt (Merkblatt zu den Meldepflichten von AIF-Verwaltungsgesellschaften mit Geschäftszeichen WA 41-Wp 2137-2013/0035) bekommt.

Kannst Du gerne lesen, wenn Du wissen möchtest, wie ein Finanzbeamter versucht, die nationale Finanzwirtschaft in einer Excel-Tabelle nachzubauen.

Als nächstes brauchst Du die Beispiel-XML-Dateien. Die XML kannst Du mit einem Texteditor öffnen.

So sieht die Datei aus:

XML Datei für AIFM Meldung

Dies ist nun Deine Vorlage für ein Reporting.

Du musst nun die XML-Datei an den richtigen Stellen ausfüllen. Dafür gibt es diese kommentierte XML-Datei einer AIFM-Meldung als PDF.

Nun geht es um das Fehlersuchen. Erst, wenn die XML-Datei in ein .gz-Format gewandelt wurde (ich verwende dafür Keka), kannst Du diese auf dem MVP-Portal hochladen.

Vermutlich bekommst Du nun solche Fehlermeldungen oder andere:

BaFin Fehlermeldungen

Erst nach dem Hochladen erfährst Du also, ob Du die XML technisch korrekt ausgefüllt hast. Die Fehlermeldungen sind nicht selbsterklärend, daher kannst Du nun nach den AIFM-Fehlercodes suchen.

Nach nun einigen Schleifen von Fehlern – Suche – neue Meldung einreichen – neues Hochladen – Prüfung– bekommst du hoffentlich diese Meldung:

Hochladen erfolgreich

Nun bist Du noch nicht fertig. Als nächstes schaust Du Dir Deine Protokolle an und siehst womöglich erneut Fehlermeldungen:

Fehlermeldungen MVP

Das gleiche Spiel von vorne, bis Du auch hier eine grüne Meldung hast.

Aus meiner Sicht ist dies ein super umständlicher Prozess, ein Reporting abzufragen für Menschen, die eigentlich in der Finanzbranche arbeiten. Auf Rückfragen verweist die BaFin übrigens auf externe Dienstleister. Diese gibt es ab 2.800 € pro Berichtsjahr – auch eine Art von IT-Support.

Wenn Du es bis hierhin geschafft hast, bist Du vermutlich genauso genervt von der BaFin-Meldepflicht wie ich oder Du freust Dich, dass Du zum Glück keine Reportings einreichen musst.

Wenn du eine Vorlage für dein Reporting brauchst, dann schreibe mir eine Email an f@bootstrapping.me.

Es kommen harte Zeiten für Start-ups – haltet Euer Geld zusammen

schwere Zeiten für Startups

In den letzten Monaten konnte ich zahlreiche Start-ups beobachten, die mit ihrer Pre-Seed- und Seed-Runde kämpfen, weil sie nicht genug Traction für eine Series-A haben. Ich sage, dass harte Zeiten für alle High-Burn-Start-ups kommen. Es wird immer schwerer, jemandem Geld aus der Tasche zu locken. Dahe: Achtet auf Eure Kosten und setzt Eure Firmenbewertungen moderater an.

Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an

Tech-IPOs in 2015 waren unterdurchschnittlich und liegen -30 % unter den Ausgabekursen (A second look at the 2015 tech market).

Bei den Unicorns gab es einige prominente Down-Rounds in letzter Zeit (The end of big Venture Formula).

In Silicon Valley spricht man bereits davon, dass Business Angels ihr Geld zurückhalten (As Angel Investors pull pack, valuations take a hit).

78 % von Tech-CEOs sagen, dass es in 2015 schwerer geworden ist, Geld einzusammeln.

Gleichzeitig haben wir eine Blase in Immobilien-, Aktien-, Staats- und Unternehmensanleihen – nicht auf ewig.

Die Weltwirtschaft wächst weniger (6 factors that point to global recession in 2016). Die Bestellungen im deutschen Anlagebau sind um 80 % zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr. Kein guter Indikator.

Kurzum: Es war nie einfach und wird noch schwieriger werden, Geld für Dein Start-up zu bekommen.

Wir hatten 7 gute Jahre. Was kommt nun?

Die guten Nachrichten

Es gibt 3 Milliarden potentielle Kunden, verbunden mit dem Internet. In den kommenden 10 Jahren wird sich diese Zahl verdoppeln. Gleichzeitig werden 50 Milliarden Maschinen online gehen.

Es ist einfach, günstig und sicher, ein Start-up zu gründen. Es gibt zahlreiche Programme, Fördermittel, Kapitalgeber und freies Wissen.

Es gibt eine Menge Technologien in der Pipeline: Virtual Reality, Artificial Intelligence, Autonome bewegliche Objekte, Internet of Everything, DNA-Medizin (5 Märkte der Zukunft).

Wer ein starkes Produkt, zahlende Kunden und Wachstum hat, der bekommt immer Geld (Summit Partners investiert 31 Millionen Euro in das Berliner Signavio).

Fahre nicht mit Uber in Euer Penthouse-Loft-Büro

Doch von der Idee zum Start-up ist es nur ein kleiner Schritt. Ich kann jungen Firmen nur empfehlen, dass diese auf ihre Kosten von Anfang an achten. Es muss nicht sein, dass Gründer mit Uber ins Büro fahren und sich Penthouse-Lofts leisten während die Firma 600.000 € im Jahr verbrennt und noch keinen einzigen Euro Umsatz gemacht hat.

Ich habe in letzter Zeit Bewertungen erlebt, die ich für ungesund halte.

Für ein Konzept und keine unternehmerischen Erfahrungen werden 3.000.000 € pre-money aufgerufen.

Für eine Firma mit einem Prototypen und Kickstarter-Schulden werden 12.000.000 € als Firmenwert erwartet.

Eine Firma mit einem Monat Umsatz möchte, dass man diese mit 20.000.000 € bewertet.

Ein Start-up hat sich von 180 (Halbtags-)Business-Angels über 2 Millionen € für eine Friends & Family-Runde geholt.

Das ist übrigens nicht Silicon Valley, sondern Berlin.

Start-ups sollten schlank sein und bleiben

Es sind die Extreme, die mich nachdenklich machen. Darunter gibt es eine enorme Bandbreite. Nein, nicht jedes Start-up da draußen ist überbewertet. Es gibt faire und nachvollziehbare Preise. Doch mein Gefühl sagt mir, dass 80 % der Gründer eine zu hohe Bewertung erwarten, insbesondere Erstgründer.

Nur so als Referenz: Company Builder nehmen 99 % der Firmenanteile für sich. 1 % für Dich. Sie tragen auch das komplette Risiko.

Acceleratoren geben Dir für 10 % 25.000 €. Deine Firma ist damit 250.000 € wert. Sie investieren, wenn es noch kein Produkt gibt.

Die meisten Vollzeit-Business-Angels investieren selten, wenn eine Firma mehr als 1 Million € an Pre-Sales-Bewertung hat.

Die Konsequenzen von zu hohen Anfangsbewertungen habe ich beobachtet. Viele Start-ups kämpfen mit ihren Pre-Seed- und Seed-Runden. Sie haben ein super Team und überzeugende Technologie, jedoch noch keine Umsätze. Manchmal gibt es ein paar Testkunden, doch diese kann man (noch) nicht skalieren.

Zahlreiche Start-ups schaffen es nicht, eine Series-A zu raisen, obwohl ihr monatlicher Geldbedarf es nötig hat. Einfach aus dem Grund, weil die Zahlen nicht stimmen und man zu lange an der Technologie entwickelt hat.

Die nächsten 7 Jahre werden keine leichten sein

Daher meine Empfehlungen für jetzt:

Bleibt sparsam.

Bleibt bodenständig mit Euren Bewertungen.

Seid visionär mit Euren Zielen.

Die nächsten 7 Jahre werden harte sein.

So schaffst Du den Einstieg in die Venture-Capital-Industrie

VC Bewerbung

Die klassischen Stufen: Praktikum, Analyst, Associate, Manager und dann Partner. Gleich von Anfang an wirst Du sehr spannende Sachen machen. Am Ende winkt vermutlich das große Geld. Meine Tipps für Dich, wenn Du für eine Venture-Capital-Firma arbeiten möchtest:

Erfahrungen im Venture-Capital sind super wertvoll

Ich werde öfters gefragt, wie man eine Stelle bei einem VC (Venture-Capital-Firma) bekommt. Jeder hat andere Gründe. Einige wollen später ein eigenes Start-up haben und vorher bei einem VC lernen. Andere wollen Karriere als Wagniskapitalgeber machen. So oder so, es lohnt sich immer. Man sieht viele Start-ups, lernt über Trends, versteht Geschäftsmodelle, analysiert Märkte, investiert Kapital, betreut Portfoliofirmen und begleitet vielleicht einen Exit.

Praktikum ist der einfachste Einstieg

Im Groben gibt es drei Stufen bei einem VC: Praktikant, Angestellter und Partner.

Wenn Du ein Praktikum machen willst, solltest Du proaktiv, analytisch und smart sein. Halte am besten nach Ausschreibungen Ausschau oder bewerbe Dich initiativ. Erfahrungen in Start-ups oder im M&A-Geschäft sind vorteilhaft. VCs haben einen konstanten Bedarf an Praktikanten. Ich habe damals selber als Praktikant (bei Team Europe) angefangen und super viel gelernt. Für mich war es der Anfang von Allem.

Die Bezahlung liegt zwischen 600 € und 1.800 € monatlich, je nach Größe der Firma.

Arbeiten als Analyst und Associate

Die nächste Stufe wäre dann Analyst und Associate. Hier kümmerst Du Dich eigentlich um alles (Deals finden, bewerten, Firmen betreuen), jedoch bist Du nicht im Lead bei den Deals. Den Lead übernimmt meistens ein (erfahrener) Partner oder dessen Manager/Principal (in etwa wie ein Junior Partner).

Die Einstiegsgehälter fangen bei 40.000 € an und gehen bis zu 120.000 € für Associates mit 2–3 Jahren Berufserfahrung.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Associates nach 2 Jahren dann selber gründen.

Karriere als Investment Manager

Wenn Du nach 2 Jahren den VC nicht verlässt, dann wirst Du hoffentlich befördert. Mein alter Chef meinte zu mir vor einigen Jahren: „Fabian, es gibt Partner und es gibt die Nicht-Partner“.

Gerade größere VCs (wie Earlybird) haben eine Zwischenstufe zwischen den Analysten und den Partnern. Dort sind dann die Investment Manager und Principals zu treffen. Ich nenne sie Karriere-VCs. Oft Personen, die schon länger in der VC-Industrie aktiv sind und nicht auf die Unternehmerseite wechselten. Auch hier ist die Bezahlung recht stattlich (bis zu 200.000 € im Jahr) und in einigen Fällen gibt es einen Anteil am Carry (Gewinnbeteiligung am Fonds). Jedoch ist man noch kein Partner.

Der Partner als Unternehmer

Partner wirst Du auf zwei Wegen: Entweder Du gründest Deine eigene Venture-Capital-Firma oder Du steigst bei einer bestehenden VC-Firma ein. Wenn Du quer einsteigst, dann wird erwartet, dass Du Dein Netzwerk (für Deals) und auch Kapitalgeber (LPs = Limited Partners) mitbringst. Eine der wesentlichen Aufgaben des Partners ist, dass er die Kapitalgeber für den VC gewinnt. Dafür teilen sich die Partner dann auch den Carry (eine Gewinnbeteiligung oft in Höhe von 20 % der Gewinne an dem Exit von Start-ups).

Die richtige Venture-Capital-Firma auswählen

Nehmen wir jetzt an, Du möchtest als Praktikant oder Analyst bei einem VC anfangen, so stehen Dir zahlreiche Möglichkeiten offen. Hauptunterschiede zwischen VCs sind der Sitz, die Phase und der Fokus.

Ebenso ist es wichtig, zu wissen, dass es wenige große Marken gibt. Einige VC-Firmen sind zwar bekannt (z. B. Index Ventures, Accel Partners, Union Square Ventures, AZ16), doch ansonsten ist der Markt stark fragmentiert und es gibt Hunderte von mittleren und kleinen VC-Gesellschaften.

Geld folgt der Idee

Kapitalgeber sind dort, wo die Start-ups sind: Silicon Valley, London, Berlin, New York, Stockholm, Paris, Tel Aviv. Je mehr Start-ups an einem Ort, desto mehr VCs gibt es auch. Das Geld folgt den Start-ups.

Der zweite Unterschied zwischen VCs ist die Investitionsphase. Sogenannte Micro-VCs (verwalten bis zu 60 Millionen € pro Fonds) sind sehr dicht an der Basis der Start-ups dran. Ein Micro-VC wie z. B. Point Nine Capital oder Paua Ventures sieht über 1.000 Start-ups im Jahr. Davon werden dann zwischen 10 und 20 Investments gemacht mit Summen ab 50.000 € bis zu 1 Million €.

Die Micro-VCs gibt es überall, sie sind sehr hands-on, aktiv in der Portfoliounterstützung und haben kleine Teams.

Große VC-Fonds haben mehr Management Fee

Das Venture-Capital-Geschäft besteht oft aus Fonds. Bedeutet, ein Fonds hat die Summe von z. B. 100 Millionen €. Das Management (die Partner) haben nun 8 bis 10 Jahre Zeit, das Geld zu investieren, zu vermehren und zurückzuzahlen. Dies ist wichtig zu verstehen, denn VCs erhalten eine Managementgebühr auf den Fonds von 2 % pro Jahr. Wer also 100 Millionen € verwaltet, kann sich jedes Jahr 2 Millionen € an Overhead (Mitarbeiter, Büro, Spesen, Anwälte) leisten.

Kleinere Fonds sehen Start-ups zwar früher, bekommen jedoch auch weniger Managementgebühr. Das limitiert die Gehälter und die Anzahl der Stellen.

Große VC-Firmen investieren auch mal über 500 Millionen € pro Fonds. Da entstehen viele Managementgebühren, jedoch auch weniger Deals. Allgemein kann man sagen, dass je mehr man pro Firma investiert (500 Millionen € auf 10 Firmen verteilt), desto länger wird ein Deal analysiert und man sieht allgemein weniger Start-ups im Laufe eines Jahres.

Generalisten vs. Spezialisten

Wenn Du nun weißt, in welcher Stadt Du arbeiten willst und ob Dir ein kleiner VC oder ein großer VC zusagt, dann ist noch die Strategie des VCs zu beurteilen.

Insbesondere die großen VC-Firmen sind meistens Generalisten und haben ein Portfolio wie ein Gemischtwarenladen. Der Vorteil für Dich ist, dass Du so jede Branche kennenlernst.

Micro-VCs sind dagegen oft spezialisiert. Point Nine Capital investiert in SaaS und Marktplätze. Asgard investiert in Internet of Things und Artificial Intelligence. Wer seine Vorlieben bereits kennt, der sollte sich daher bereits bei einem fokussierten VC bewerben.

VCs suchen Kandidaten über ihr Netzwerk

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr wenige freie Stellen für Associates (oder darüber) gibt. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Partner bevorzugt Leute aus dem Netzwerk anwerben oder Headhunter verwenden. Die guten Stellen werden also unter der Hand vergeben.

Daher ist ein Netzwerk wichtig und hiermit kommen wir schon zu den Alternativen, falls der Einstieg bei einem VC nicht sofort klappt.

Hier ein paar Vorschläge, wo Du ähnliche Erfahrungen sammeln kannst:

Bei Acceleratoren wie Techstars, Y Combinator, hub:raum oder Start-up-Bootcamp siehst Du Tausende von Teams mit Ideen. Auch wenn wenig Geld investiert wird (unter 100.000 € pro Deal) bist Du zugleich bei vielen Start-ups beteiligt.

Company Builder wie Rocket Internet und HitFox sind ebenso ein valider Einstieg. Perfekt zum Lernen von Geschäftsmodellen, Ausbau von Netzwerk und Aufbau von Firmen.

Viele Konzerne investieren auch in Start-ups. Die meisten Konzerne haben inzwischen einen Investmentarm und Beteiligungsgesellschaften. Schau Dir dazu ruhig Pro7, Axel Springer, Cisco, Google, Bosch oder Bertelsmann näher an.

Auch bietet der Staat mit seinen halbstaatlichen Investitionsvehikeln einen Einstieg an, z. B. bei den Landesbanken oder dem HTGF.

Und zu guter Letzt kannst Du auch ein Start-up gründen, das Venture-Capital erhält. Wenn Du der CEO bist, dann stehst Du ziemlich oft in Kontakt mit unterschiedlichsten Investoren. Es kommt regelmäßig vor, dass ehemalige Gründer dann bei einem VC als (Venture-) Partner nach ihrem Exit einsteigen.

Nun noch ein paar Erfahrungen von mir:

  • Venture-Capital-Teams sind meistens sehr klein und daher wird stark auf die Persönlichkeit des Bewerbers geachtet.
  • Praktika bei einem VC sind cooler als die bei Beratungen, Investmentbanken oder M&A. Ich spreche da aus Erfahrung.
  • 50 % Deiner Zeit bist du in Cafés oder auf Konferenzen und baust Dein Netzwerk aus.
  • Die anderen 50 % sitzt Du am Schreibtisch und analysierst Firmen.
  • Gerade in Berlin sind 2015 viele neue Fonds entstanden. Ideal zum bewerben.

Wie gesagt, es gibt keinen goldenen Weg ins VC-Business. Entweder Du kennst bereits einen Partner durch Dein Netzwerk oder Du erwischst das richtige Timing. Auswahl gibt es jedoch genügend.

Schreibe mir eine Nachricht, wenn ich Dir dann bei Deiner Bewerbung weiterhelfen kann.