Bootstrapping.me

Willkommen auf boostrapping.me

Ich freue mich über jeden Leser. Worum geht es? Nun seit gut 4 Jahren schreibe ich über meine Erfahrungen als Venture Capital Investor, Gründer, Business Angel, Chef und Mensch.

Und falls du kostenloses Feedback für deine Idee haben möchtest? Dann schreibe mir.

Es kommen harte Zeiten für Start-ups – haltet Euer Geld zusammen

schwere Zeiten für Startups

In den letzten Monaten konnte ich zahlreiche Start-ups beobachten, die mit ihrer Pre-Seed- und Seed-Runde kämpfen, weil sie nicht genug Traction für eine Series-A haben. Ich sage, dass harte Zeiten für alle High-Burn-Start-ups kommen. Es wird immer schwerer, jemandem Geld aus der Tasche zu locken. Dahe: Achtet auf Eure Kosten und setzt Eure Firmenbewertungen moderater an.

Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an

Tech-IPOs in 2015 waren unterdurchschnittlich und liegen -30 % unter den Ausgabekursen (A second look at the 2015 tech market).

Bei den Unicorns gab es einige prominente Down-Rounds in letzter Zeit (The end of big Venture Formula).

In Silicon Valley spricht man bereits davon, dass Business Angels ihr Geld zurückhalten (As Angel Investors pull pack, valuations take a hit).

78 % von Tech-CEOs sagen, dass es in 2015 schwerer geworden ist, Geld einzusammeln.

Gleichzeitig haben wir eine Blase in Immobilien-, Aktien-, Staats- und Unternehmensanleihen – nicht auf ewig.

Die Weltwirtschaft wächst weniger (6 factors that point to global recession in 2016). Die Bestellungen im deutschen Anlagebau sind um 80 % zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr. Kein guter Indikator.

Kurzum: Es war nie einfach und wird noch schwieriger werden, Geld für Dein Start-up zu bekommen.

Wir hatten 7 gute Jahre. Was kommt nun?

Die guten Nachrichten

Es gibt 3 Milliarden potentielle Kunden, verbunden mit dem Internet. In den kommenden 10 Jahren wird sich diese Zahl verdoppeln. Gleichzeitig werden 50 Milliarden Maschinen online gehen.

Es ist einfach, günstig und sicher, ein Start-up zu gründen. Es gibt zahlreiche Programme, Fördermittel, Kapitalgeber und freies Wissen.

Es gibt eine Menge Technologien in der Pipeline: Virtual Reality, Artificial Intelligence, Autonome bewegliche Objekte, Internet of Everything, DNA-Medizin (5 Märkte der Zukunft).

Wer ein starkes Produkt, zahlende Kunden und Wachstum hat, der bekommt immer Geld (Summit Partners investiert 31 Millionen Euro in das Berliner Signavio).

Fahre nicht mit Uber in Euer Penthouse-Loft-Büro

Doch von der Idee zum Start-up ist es nur ein kleiner Schritt. Ich kann jungen Firmen nur empfehlen, dass diese auf ihre Kosten von Anfang an achten. Es muss nicht sein, dass Gründer mit Uber ins Büro fahren und sich Penthouse-Lofts leisten während die Firma 600.000 € im Jahr verbrennt und noch keinen einzigen Euro Umsatz gemacht hat.

Ich habe in letzter Zeit Bewertungen erlebt, die ich für ungesund halte.

Für ein Konzept und keine unternehmerischen Erfahrungen werden 3.000.000 € pre-money aufgerufen.

Für eine Firma mit einem Prototypen und Kickstarter-Schulden werden 12.000.000 € als Firmenwert erwartet.

Eine Firma mit einem Monat Umsatz möchte, dass man diese mit 20.000.000 € bewertet.

Ein Start-up hat sich von 180 (Halbtags-)Business-Angels über 2 Millionen € für eine Friends & Family-Runde geholt.

Das ist übrigens nicht Silicon Valley, sondern Berlin.

Start-ups sollten schlank sein und bleiben

Es sind die Extreme, die mich nachdenklich machen. Darunter gibt es eine enorme Bandbreite. Nein, nicht jedes Start-up da draußen ist überbewertet. Es gibt faire und nachvollziehbare Preise. Doch mein Gefühl sagt mir, dass 80 % der Gründer eine zu hohe Bewertung erwarten, insbesondere Erstgründer.

Nur so als Referenz: Company Builder nehmen 99 % der Firmenanteile für sich. 1 % für Dich. Sie tragen auch das komplette Risiko.

Acceleratoren geben Dir für 10 % 25.000 €. Deine Firma ist damit 250.000 € wert. Sie investieren, wenn es noch kein Produkt gibt.

Die meisten Vollzeit-Business-Angels investieren selten, wenn eine Firma mehr als 1 Million € an Pre-Sales-Bewertung hat.

Die Konsequenzen von zu hohen Anfangsbewertungen habe ich beobachtet. Viele Start-ups kämpfen mit ihren Pre-Seed- und Seed-Runden. Sie haben ein super Team und überzeugende Technologie, jedoch noch keine Umsätze. Manchmal gibt es ein paar Testkunden, doch diese kann man (noch) nicht skalieren.

Zahlreiche Start-ups schaffen es nicht, eine Series-A zu raisen, obwohl ihr monatlicher Geldbedarf es nötig hat. Einfach aus dem Grund, weil die Zahlen nicht stimmen und man zu lange an der Technologie entwickelt hat.

Die nächsten 7 Jahre werden keine leichten sein

Daher meine Empfehlungen für jetzt:

Bleibt sparsam.

Bleibt bodenständig mit Euren Bewertungen.

Seid visionär mit Euren Zielen.

Die nächsten 7 Jahre werden harte sein.

So schaffst Du den Einstieg in die Venture-Capital-Industrie

VC Bewerbung

Die klassischen Stufen: Praktikum, Analyst, Associate, Manager und dann Partner. Gleich von Anfang an wirst Du sehr spannende Sachen machen. Am Ende winkt vermutlich das große Geld. Meine Tipps für Dich, wenn Du für eine Venture-Capital-Firma arbeiten möchtest:

Erfahrungen im Venture-Capital sind super wertvoll

Ich werde öfters gefragt, wie man eine Stelle bei einem VC (Venture-Capital-Firma) bekommt. Jeder hat andere Gründe. Einige wollen später ein eigenes Start-up haben und vorher bei einem VC lernen. Andere wollen Karriere als Wagniskapitalgeber machen. So oder so, es lohnt sich immer. Man sieht viele Start-ups, lernt über Trends, versteht Geschäftsmodelle, analysiert Märkte, investiert Kapital, betreut Portfoliofirmen und begleitet vielleicht einen Exit.

Praktikum ist der einfachste Einstieg

Im Groben gibt es drei Stufen bei einem VC: Praktikant, Angestellter und Partner.

Wenn Du ein Praktikum machen willst, solltest Du proaktiv, analytisch und smart sein. Halte am besten nach Ausschreibungen Ausschau oder bewerbe Dich initiativ. Erfahrungen in Start-ups oder im M&A-Geschäft sind vorteilhaft. VCs haben einen konstanten Bedarf an Praktikanten. Ich habe damals selber als Praktikant (bei Team Europe) angefangen und super viel gelernt. Für mich war es der Anfang von Allem.

Die Bezahlung liegt zwischen 600 € und 1.800 € monatlich, je nach Größe der Firma.

Arbeiten als Analyst und Associate

Die nächste Stufe wäre dann Analyst und Associate. Hier kümmerst Du Dich eigentlich um alles (Deals finden, bewerten, Firmen betreuen), jedoch bist Du nicht im Lead bei den Deals. Den Lead übernimmt meistens ein (erfahrener) Partner oder dessen Manager/Principal (in etwa wie ein Junior Partner).

Die Einstiegsgehälter fangen bei 40.000 € an und gehen bis zu 120.000 € für Associates mit 2–3 Jahren Berufserfahrung.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Associates nach 2 Jahren dann selber gründen.

Karriere als Investment Manager

Wenn Du nach 2 Jahren den VC nicht verlässt, dann wirst Du hoffentlich befördert. Mein alter Chef meinte zu mir vor einigen Jahren: „Fabian, es gibt Partner und es gibt die Nicht-Partner“.

Gerade größere VCs (wie Earlybird) haben eine Zwischenstufe zwischen den Analysten und den Partnern. Dort sind dann die Investment Manager und Principals zu treffen. Ich nenne sie Karriere-VCs. Oft Personen, die schon länger in der VC-Industrie aktiv sind und nicht auf die Unternehmerseite wechselten. Auch hier ist die Bezahlung recht stattlich (bis zu 200.000 € im Jahr) und in einigen Fällen gibt es einen Anteil am Carry (Gewinnbeteiligung am Fonds). Jedoch ist man noch kein Partner.

Der Partner als Unternehmer

Partner wirst Du auf zwei Wegen: Entweder Du gründest Deine eigene Venture-Capital-Firma oder Du steigst bei einer bestehenden VC-Firma ein. Wenn Du quer einsteigst, dann wird erwartet, dass Du Dein Netzwerk (für Deals) und auch Kapitalgeber (LPs = Limited Partners) mitbringst. Eine der wesentlichen Aufgaben des Partners ist, dass er die Kapitalgeber für den VC gewinnt. Dafür teilen sich die Partner dann auch den Carry (eine Gewinnbeteiligung oft in Höhe von 20 % der Gewinne an dem Exit von Start-ups).

Die richtige Venture-Capital-Firma auswählen

Nehmen wir jetzt an, Du möchtest als Praktikant oder Analyst bei einem VC anfangen, so stehen Dir zahlreiche Möglichkeiten offen. Hauptunterschiede zwischen VCs sind der Sitz, die Phase und der Fokus.

Ebenso ist es wichtig, zu wissen, dass es wenige große Marken gibt. Einige VC-Firmen sind zwar bekannt (z. B. Index Ventures, Accel Partners, Union Square Ventures, AZ16), doch ansonsten ist der Markt stark fragmentiert und es gibt Hunderte von mittleren und kleinen VC-Gesellschaften.

Geld folgt der Idee

Kapitalgeber sind dort, wo die Start-ups sind: Silicon Valley, London, Berlin, New York, Stockholm, Paris, Tel Aviv. Je mehr Start-ups an einem Ort, desto mehr VCs gibt es auch. Das Geld folgt den Start-ups.

Der zweite Unterschied zwischen VCs ist die Investitionsphase. Sogenannte Micro-VCs (verwalten bis zu 60 Millionen € pro Fonds) sind sehr dicht an der Basis der Start-ups dran. Ein Micro-VC wie z. B. Point Nine Capital oder Paua Ventures sieht über 1.000 Start-ups im Jahr. Davon werden dann zwischen 10 und 20 Investments gemacht mit Summen ab 50.000 € bis zu 1 Million €.

Die Micro-VCs gibt es überall, sie sind sehr hands-on, aktiv in der Portfoliounterstützung und haben kleine Teams.

Große VC-Fonds haben mehr Management Fee

Das Venture-Capital-Geschäft besteht oft aus Fonds. Bedeutet, ein Fonds hat die Summe von z. B. 100 Millionen €. Das Management (die Partner) haben nun 8 bis 10 Jahre Zeit, das Geld zu investieren, zu vermehren und zurückzuzahlen. Dies ist wichtig zu verstehen, denn VCs erhalten eine Managementgebühr auf den Fonds von 2 % pro Jahr. Wer also 100 Millionen € verwaltet, kann sich jedes Jahr 2 Millionen € an Overhead (Mitarbeiter, Büro, Spesen, Anwälte) leisten.

Kleinere Fonds sehen Start-ups zwar früher, bekommen jedoch auch weniger Managementgebühr. Das limitiert die Gehälter und die Anzahl der Stellen.

Große VC-Firmen investieren auch mal über 500 Millionen € pro Fonds. Da entstehen viele Managementgebühren, jedoch auch weniger Deals. Allgemein kann man sagen, dass je mehr man pro Firma investiert (500 Millionen € auf 10 Firmen verteilt), desto länger wird ein Deal analysiert und man sieht allgemein weniger Start-ups im Laufe eines Jahres.

Generalisten vs. Spezialisten

Wenn Du nun weißt, in welcher Stadt Du arbeiten willst und ob Dir ein kleiner VC oder ein großer VC zusagt, dann ist noch die Strategie des VCs zu beurteilen.

Insbesondere die großen VC-Firmen sind meistens Generalisten und haben ein Portfolio wie ein Gemischtwarenladen. Der Vorteil für Dich ist, dass Du so jede Branche kennenlernst.

Micro-VCs sind dagegen oft spezialisiert. Point Nine Capital investiert in SaaS und Marktplätze. Asgard investiert in Internet of Things und Artificial Intelligence. Wer seine Vorlieben bereits kennt, der sollte sich daher bereits bei einem fokussierten VC bewerben.

VCs suchen Kandidaten über ihr Netzwerk

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr wenige freie Stellen für Associates (oder darüber) gibt. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Partner bevorzugt Leute aus dem Netzwerk anwerben oder Headhunter verwenden. Die guten Stellen werden also unter der Hand vergeben.

Daher ist ein Netzwerk wichtig und hiermit kommen wir schon zu den Alternativen, falls der Einstieg bei einem VC nicht sofort klappt.

Hier ein paar Vorschläge, wo Du ähnliche Erfahrungen sammeln kannst:

Bei Acceleratoren wie Techstars, Y Combinator, hub:raum oder Start-up-Bootcamp siehst Du Tausende von Teams mit Ideen. Auch wenn wenig Geld investiert wird (unter 100.000 € pro Deal) bist Du zugleich bei vielen Start-ups beteiligt.

Company Builder wie Rocket Internet und HitFox sind ebenso ein valider Einstieg. Perfekt zum Lernen von Geschäftsmodellen, Ausbau von Netzwerk und Aufbau von Firmen.

Viele Konzerne investieren auch in Start-ups. Die meisten Konzerne haben inzwischen einen Investmentarm und Beteiligungsgesellschaften. Schau Dir dazu ruhig Pro7, Axel Springer, Cisco, Google, Bosch oder Bertelsmann näher an.

Auch bietet der Staat mit seinen halbstaatlichen Investitionsvehikeln einen Einstieg an, z. B. bei den Landesbanken oder dem HTGF.

Und zu guter Letzt kannst Du auch ein Start-up gründen, das Venture-Capital erhält. Wenn Du der CEO bist, dann stehst Du ziemlich oft in Kontakt mit unterschiedlichsten Investoren. Es kommt regelmäßig vor, dass ehemalige Gründer dann bei einem VC als (Venture-) Partner nach ihrem Exit einsteigen.

Nun noch ein paar Erfahrungen von mir:

  • Venture-Capital-Teams sind meistens sehr klein und daher wird stark auf die Persönlichkeit des Bewerbers geachtet.
  • Praktika bei einem VC sind cooler als die bei Beratungen, Investmentbanken oder M&A. Ich spreche da aus Erfahrung.
  • 50 % Deiner Zeit bist du in Cafés oder auf Konferenzen und baust Dein Netzwerk aus.
  • Die anderen 50 % sitzt Du am Schreibtisch und analysierst Firmen.
  • Gerade in Berlin sind 2015 viele neue Fonds entstanden. Ideal zum bewerben.

Wie gesagt, es gibt keinen goldenen Weg ins VC-Business. Entweder Du kennst bereits einen Partner durch Dein Netzwerk oder Du erwischst das richtige Timing. Auswahl gibt es jedoch genügend.

Schreibe mir eine Nachricht, wenn ich Dir dann bei Deiner Bewerbung weiterhelfen kann.

Rise of the AI 2016 – 25.2 Berlin – The Singularity might be closer than you think

The Rise of AI 2016 in Berlin

Am 25.2.2016 lade ich ein zu Rise of AI 2016 – The Singularity might be closer than you think nach Berlin ein. Ein Abend rund um das Thema künstliche Intelligenz mit Rednern, die derzeit selber Maschinen intelligent machen.

Seit Mitte 2014 beschäftige ich mich intensiver mit meiner jüngsten Firma ASGARD – smart Venture Capital for Internet of Things and Artificial Intelligence. Letztes Jahr bekam ich die BaFin Registrierung (Wie du eine Venture Capital Firma gründest) und es gab auch erste Investments (Soundbrenner Music Startup erhält $ 500k). Ende 2015 konnte ich dann mein Baby Wunsch-Brautkleid.de in neue Hände geben.

Letztes Jahr hatte ich die Gruppe der Berliner Futuristen zum Leben erweckt. Eine Ansammlung von Menschen, die meine Neugierde für die Zukunft und Technologien teilen.

Ebenso habe ich Blogartikel über die nächste Stufe der Maschinenintelligenz verfasst.

Daraus entstand in mir das Bedürfnis dem Thema künstliche Intelligenz eine größeren Rahmen zu bieten:

The Rise of AI 2016 in Berlin

The Rise of AI 2016 – The Singularity might be closer than you think

Am 25.02.2016 bei Hub:raum Berlin

Ich konnte 4 super Redner aus dem Freundeskreis gewinnen. Darunter ist Prof. Dr. Danko Nikolic. Ein Forscher am Max Planck Institute, TEDx Redner und Gründer von AI-Kindergarten. Er entwickelt eine Lösung, mit der lernende Systeme (narrow AI) lernen zu Lernen, und dadurch zu AGI (artificial general intelligence) werden können.

Ebenso wird Ronnie Vuine von Micropsi Industries zu uns sprechen. Er und sein Team arbeiten an einer kognitiven Maschine. Eine Software, welche sich konstant optimiert zur Maximierung von Bedürfnissen. Ein System, was eine Motivation bei der Erfüllung seiner Aufgaben hat.

Nach den kurzen Vorträgen gibt es noch ein Panel. Dann haben alle Gäste die Möglichkeit ordentlich kritische Fragen zu stellen. Vielleicht habe ich noch ein paar Überraschungsteilnehmer fürs Panel.

Mein Ziel ist es, dass alle Teilnehmer erfahren, wie der aktuelle Status von künstlicher Intelligenz im Jahr 2016 ist. Was das Potential von künstlicher Intelligenz sein wird und deren Auswirkungen. Ebenso möchte ich diskutieren, ob es eine Singularität geben wird, sie bereits passierte – oder nicht geben wird (bootstrapping.Me bis 2045). Die Veranstaltung wird ein Impuls sein und zum Nachdenken anregen.

Bisher ist die Teilnehmerliste bunt gemischt: ein halbes Dutzend VCs, einige Journalisten, zahlreiche Entwickler, Mathematiker und Physiker; Vertreter von Konzernen, Agenturen, Unternehmern und Interessierte.

Letzte Woche habe ich die Veranstaltung bekannt gegeben und nach 3 Tagen war alles ausgebucht. Mit diesem erfreulichen Ansturm habe ich nicht gerechnet. Beim nächsten Mal suche ich eine größere Location, damit alle Platz bekommen.

Für meine Leser habe ich ein kleines Kontingent reserviert. Wenn du noch einen der letzten FREE SINGULARITY PASS haben möchtet, schreibe mir eine Email an f@asgard.vc und sage mir, wieso du gerne meinen Blog liest ;-) .

6 Kosten – die ein Unternehmer persönlich trägt

life of an entrepreneur

Die eigene Firma, Selbstständigkeit oder ein Start-up gründen – die Kosten sind klar: Fokus, Zeit, Geld, Risiko, Verantwortung und weniger vom Leben.

Anerkennung. Freiheit. Einfluss. Wohlstand. Unabhängigkeit. Es gibt zahlreiche Gründe, wieso Frauen und Männer sich für den Weg des Unternehmers entscheiden. Unternehmertum fängt dort an, wo jemand für langfristige Vorteile, kurz- und mittelfristige Einschränkungen in Kauf nimmt und zugleich das Risiko selber trägt.

Das führt dazu, dass das Unternehmersein auch Kosten hat. Wer später gewinnen will, muss erst geben. Hier sind sechs Kosten, die Du als Unternehmer persönlich trägst:

Fokus – Die Firma kommt zuerst

Company First

Der erste Gedanke gilt der Firma. Die Firma ist immer präsent. Ich träume von meinen Firmen. Ich denke an meine Firmen beim Frühstück, Mittag und Abendessen. Wenn ich am Schreibtisch sitze, fliege, fahre oder einen Spielfilm sehe. Irgendwie ist die Firma immer online im Hinterkopf.

Bei uns in der Familie drehen sich die Gespräche oft um die Firmen. Meine Frau hat zwei. Ich habe mehrere. Mein Vater hat einige. Meine Mutter hatte eine. Und auch meine Schwester versucht sich.

Viele Freunde von mir sind Unternehmer. Dann geht es auch um unsere Firmen. Wir sprechen weniger über die Projekte selber, sondern über das Leben als Unternehmer mit den dazugehörigen Opportunitätskosten.

Wieso ist das nachteilig? Nun, man räumt sich mental wenige Kapazitäten frei für andere Bereiche des Lebens. Ja, das Leben besteht für uns alle aus mehr als nur „Arbeit“ (wobei ich als Unternehmer meine Tätigkeiten nie als „Arbeit“ angesehen habe). Es geht auch um die eigene Gesundheit, Familie, Sozialleben, Absicherung, Freiheit, usw. Und diese Teilbereiche des Lebens müssen sich hinter die Firma stellen.

Zeit – Du bist immer für Deine Firma da

Gerade in den Anfangsphasen oder Krisensituationen nimmt eine Firma eine Menge Zeit in Anspruch. Dann können es auch gut 18-Stunden-Tage sein, die in 48-Stunden-Sprints enden.

Doch gibt es viele Tätigkeiten, die ebenso zeitintensiv sind: Ärzte in Krankenhäusern, Unternehmensberater oder im Management eines Konzerns.

Das Schwierige ist die Unplanbarkeit. Da ist mal eine Datenbank down, ein Schlüsselkunde kündigt, ein Investor zahlt sein Geld nicht ein. Als Unternehmer springt man innerhalb der eigenen Firma von Brandherd zu Brandherd. Diese kommen auch zu Unzeiten wie Weihnachten, Geburtstagen oder kurz vor einer Hochzeit. Eine Firma ist 24/7 da. Man kann diese nicht abschalten, wenn es einem gerade nicht passt.

Ich schätze, dass mein Tagespensum zwischen 10 und 14 Stunden am Tag liegt. Je nachdem, wie man Produktivität misst und was man als Arbeit definiert. Doch gleichzeitig beschäftige ich mich auch am Wochenende und während der Feiertage mit meinen Firmen.

Geld – Dein monatliches Einkommen ist gering

Wer sich anstellen lässt, der hat eine soziale Absicherung und jeden Monat ein planbares Gehalt. Wer ein Unternehmen gründet, hat keine Absicherung, bekommt anfangs kein Gehalt und steckt sogar noch Geld in die Firma. Der Cashflow des Unternehmers ist zu Beginn negativ. Die Firma kostet ihn mehr Geld, als er raus bekommt. Und dieser Zeitpunkt hängt vom Erfolg der Firma ab. Ich habe Firmen gegründet, die mich mehr Geld gekostet haben, als ich erhalten habe. Und wiederum gibt es Firmen, die dem Eigentümer irgendwann auch eine positive Rendite auszahlen.

So oder so: Wer kurzfristig Geld braucht, um seine Miete zu bezahlen und schön essen zu gehen, der sollte nicht gründen.

Viele meiner Freunde bei Venture-Capital-Firmen, Unternehmensberatungen, Konzernen oder auch Banken verdienen ordentlich. Zwar haben diese keine finanzielle Upside (= Beteiligung am Erfolg des Arbeitgebers), doch es lässt sich wirklich gut leben. Ein Studienkollege hat eine Excel, mit der er wunderbar ausrechnet, dass das Rendite-Risiko-Verhältnis innerhalb der Beratung deutlich besser ist, als im Start-up. Recht hat er.

Sicherlich könnte man als Unternehmer auch nebenbei Geld verdienen, doch es fehlen dafür die Zeit und der Fokus. Man kann eine Firma nur mit 150 % antreiben. Wer nebenbei Beratungsprojekte macht und als Freelancer aktiv ist, der ist nicht fokussiert. Ich steckte selber öfters im Dilemma zwischen Geld verdienen oder Firma weiterentwickeln.

Vermögen – Du kannst alles verlieren

Irgendwo habe ich gelesen, dass ein Millionär im Schnitt dreimal pleite ist während seines Lebens. Ich bin noch jung, doch habe ich auch schon Totalverluste erfahren und ziemlich oft die Insolvenz für einzelne Firmen geprüft.

Mir ist klar, dass man viel gewinnen und verlieren kann.

Man verliert Zeit. Wenn ein Start-up scheitert, dann ist auch die Zeit weg, die man investiert hat. Während Freunde in Konzernen ihre Karriere ausbauen, Gehalt kassieren und die erste Immobilie kaufen, kann der Gründer nach einigen Jahren wieder dort stehen, wo er angefangen hat.

Man verliert Geld. Wer an seine eigene Firma glaubt (sonst sollte er nicht gründen), neigt dazu, alles in die Firma zu stecken. Wenn es also nicht so gut läuft, wie man es sich im Businessplan ausgemalt hat, dann ist auch das Geld weg. Dies kann eingezahltes Eigenkapital sein sowie der Unternehmerlohn (Differenz zwischen dem, was man sich an Gehalt auszahlt und dem, was man auf dem freien Markt sonst verdienen würde).

Man verliert an Ansehen. Mein soziales Netzwerk ist sehr unternehmerisch und dort wird offen diskutiert, wenn es nicht rund läuft. Als Unternehmer wissen wir, dass Rückschläge Teil des Kampfes sind. Doch dieses Verständnis wird nicht in der breiten Bevölkerung geteilt.

Verantwortung – Der Druck auf Deinen Schultern

Als Unternehmer trägst Du die komplette Verantwortung. Erfolg und Verlust betreffen Dein Leben, Dein Einkommen, Dein Vermögen und Deine Gesundheit. Du kannst nicht einfach Freitagabend den Stift fallen lassen und hoffen, dass jemand anderes Deine Probleme löst. Wenn Mitarbeiter Entscheidungen treffen, dann riskieren sie nur ihren Job. Wenn Du als Unternehmer Entscheidungen triffst, riskierst Du die Jobs Deiner Mitarbeiter, das Geld Deiner Investoren und das Vertrauen Deiner Kunden, Lieferanten und Partner.

Die Verantwortung ist immer da und man kann diese nicht delegieren. Ich empfinde es so, dass die Verantwortung auch jeden Tag zunimmt, doch dass man gleichzeitig den Druck weniger spürt. Über die Jahre entwickelt man vermutlich breitere Schultern. Ich habe eine Menge Respekt vor Unternehmern, die sich seit Jahrzehnten den Widrigkeiten stellen.

Das Leben – vieles kommt zu kurz

Ansonsten kommt vermutlich alles zu kurz neben der Firma. Es ist eine Mischung aus Fokus, Zeit und Geld.

Mein letzter klassischer Urlaub, der nicht irgendwie mit Business verbunden war, ist 5 Jahre her. Wenn ich Freizeit haben möchte, dann erstelle ich mir dafür einen Termin. Freunde und Familie sieht man selten und es braucht einige Planung dafür. Hobbys, Vereine, Sport, Einladungen – alles ist schwer unter einen Hut zu bringen, weil die Uhrzeiten oft unternehmerunfreundlich sind.

Ich bevorzuge ganz klar Aktivitäten, bei denen ich den Zeitpunkt selber steuern kann. Fixe Termine, die vor 20.00 Uhr liegen, sind oft schwer regelmäßig einzuhalten, wenn diese nichts mit der Firma zu tun haben.

Wir Unternehmer vernachlässigen einiges: die eigene Gesundheit, die engsten Freunde, die Familie, den Haushalt, den Partner. Wir tun dies jedoch nicht, weil wir nicht wollen. Es ist unsere Leidenschaft für die Firma, die uns antreibt und alles andere vergessen lässt. Wer brennt, dem fällt es schwer sich für Kaffee & Kuchen bei einer entfernten Tante zu treffen.

Kleine Hinweise zum Abschluss

Meine Tipps für alle angehenden Unternehmer sind daher folgende:

  1. Habe Freunde & Partner, die selber Unternehmer sind. Sie verstehen dich am besten.
  2. Kommuniziere klar mit deiner restlichen Umwelt. Die meisten Menschen können es sonst nicht nachvollziehen.
  3. Finde heraus, wie du dich regenerieren kannst. Halte dein Energielevel hoch.
  4. Stay focused.

Lesehinweise & Kommentare

Wie immer, schreibe mir wenn Du Fragen, Anmerkungen oder Anregungen hast an f (a) bootstrapping.me.

Weitere Lesehinweise
Aus dem Alltag eines Gründers – Verantwortung tragen
Aus dem Alltag eines Gründers – über den eigenen Schatten springen
Die Höhepunkte eines Gründerjahres
Gleichgewicht bewahren
Start-up gründen – sich fallen lassen
Die dunkle und helle Seite des Unternehmerlebens
Die Blogparade von Sage: „Welche Opfer bringen Sie für Ihren Unternehmenserfolg?

Neuste Beiträge per Email erhalten

Ich weiß, dass man nicht ständig dazu kommt auf einem Blog zu prüfen, ob neue Beiträge erschienen sind. Wenn du deine Emailadresse einträgst, dann schicke ich dir meine Artikel per Email. Dann kannst du diese lesen, wenn es dir zeitlich passt und du verpasst keine neuen Beiträge.

Wie du eine Venture Capital Firma gründest – Teil 1 – die rechtliche Struktur

Legal Setup VC

Der Venture-Capital-Markt ist seit 2014 reguliert und unterliegt dem Kapitalanlagegesetzbuch und der BaFin. Um eine Venture-Capital-Firma zu gründen, solltest du dich mit den verschiedenen Investorenklassen, KVGs, AIFs und Reportingpflichten auseinandersetzen.

Vorab: Eine eigene Venture-Capital-Firma zu gründen geht teuer oder unternehmerisch günstig. Alles Weitere dazu in diesem Blogbeitrag.

Es gibt nicht genug Venture-Capital für Start-ups

Wir leben in der großartigen Zeit, in der es immer günstiger wird, Technologieunternehmen zu gründen. Die Technologiewellen rollen in immer kürzeren Abständen über uns. Immer mehr Gründer bekommen eine Chance, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen.

Bis 2025 werden weitere 2 Milliarden Menschen sich dem Internet anschließen. Cisco rechnet damit, dass in den kommenden 15 Jahren zusätzliche 30 Milliarden vernetzte Geräte mit uns verbunden sein werden. Das Netz wird allgegenwärtig sein.

Wir brauchen Geld im Markt, um die besten Unternehmer zu unterstützen. Die Teams, die das Internet der Dinge, Virtual Reality, Lebensverlängerung oder Maschinenintelligenz wahr werden lassen (5 Märkte der Zukunft).

Venture-Capital-Firmen sind das Rückgrat des neuen europäischen Mittelstandes. Wir nennen es Seed, Series-A, Gründerzuschuss, Wagniskapital, oder Early-Stage-Funding. All diese Begriffe beschreiben das Gleiche: Investoren geben Geld in die Hände von ehrgeizigen Menschen, die damit eine Firma bauen. Viele Unternehmen haben klein angefangen: Siemens, Daimler, Microsoft, Adidas, Facebook oder Apple.

Wie man einen VC gründet

2011 hatte ich das enorme Vergnügen, Berlins erste Venture-Capital-Firma – Point Nine Capital – mit aufzubauen. Vorher noch ein Teil von Team Europe Ventures, taten sich Pawel Chudzinski und Christoph Janz zusammen und erschufen mit der Hilfe von Lukasz Gadowski und Kolja Hebenstreit PNC.

2014 war ich nun dabei, meine eigene Venture-Capital-Firma Asgard Capital zu gründen. Als Unternehmer wollte ich die Struktur natürlich so lean wie möglich halten.

Der erste Schritt war Google. Ich suchte und suchte und kam nach Tagen zu zwei Erkenntnissen:

Erkenntnis 1 – Google kann mir nicht helfen

Weder auf Englisch noch auf Deutsch gab es sinnvolle Hinweise, wie man einen VC gründet. Google hat mich selten so enttäuscht. Es hatte wirklich keiner bisher darüber geschrieben.

Also blieb mir nichts anderes über, als ein paar Kollegen zu fragen und Anwälte anzurufen. Recht schnell kam die Ernüchterung. Zwischen 75.000 € und 1.500.000 € wollten die Kanzleien für das Aufsetzen einer Venture-Capital-Firma haben. Dies war mir eindeutig zu teuer.

Erkenntnis 2 – Venture-Capital ist ein regulierter Markt

Eigentlich kannst du in Deutschland unternehmerisch machen was du willst. Ich habe in der Vergangenheit mehr als 15 GmbHs gegründet und hatte nie große Komplikationen. Doch willst du eine Venture-Capital-Firma gründen, musst du seit 2014 auf das Kapitalanlagegesetz achten. Kurz KAGB.

Dies sagt Folgendes: Wenn du das Geld Dritter (also nicht dein eigenes) nimmst und es investieren willst, dann muss der Staat es dir erlauben. Dadurch greift der Staat aktiv in den Markt ein und reguliert diesen. Der Staat (vertreten durch die BaFin) überwacht und genehmigt jede Transaktion, jeden Geldfluss und jede Beteiligung.

Das Problem dabei ist, dass regulierte Märkte immer hemmend sind und eine hohe Barriere für Neueinsteiger bedeuten. Ich gehe soweit und sage, dass Regulierungen sogar Leben tötet und Freiheiten einschränkt. Wenn du Atlas Shrugged von Ayn Rand gelesen hast, können wir das gerne einmal diskutieren.

Das Kapitalanlagegesetzbuch ist die Basis

2010 gab es eine neue Richtlinie der EU. Die Europäische Kommission hat auf die Finanzkrise reagiert und das AIFM veröffentlicht. 2013 wandelte der deutsche Bundestag dies in nationales Recht. Seit 2014 sind Venture-Capital-Firmen nun reguliert gemäß KAGB.

Folgendes wird nun reguliert:

  1. die Personen, die das Geld anlegen und verwalten (Geschäftsführer, Partner, Managing Director, General Partner)
  2. die Personen und Firmen, die VCs das Kapital zur Verfügung stellen (LPs = Limited Partner)
  3. die Firmen, welche die Beteiligungen halten (Fonds)
  4. die Firmen, welche die Beteiligungsfirmen verwalten (Kapitalverwaltungsgesellschaften)
  5. der Vertrieb

Dies bedeutet, dass dir der Staat (vertreten durch die BaFin) vorschreibt, von welchen Investoren du Geld annimmst und wie du dieses Geld anlegst. Ohne Genehmigung einer Behörde darfst du nicht aktiv sein.

Vor der Gründung deiner Venture-Capital solltest du Folgendes verstehen:

  1. Es gibt verschiedene Arten von Kapitalgebern.
  2. Es gibt eine vordefinierte Rechtsstruktur.
  3. Du darfst nicht ohne staatliche Genehmigung investieren.

Drei Arten von Kapitalgebern

Das KAGB definiert drei Arten von Investoren (Kapitalgeber für einen VC; Limited Partners):

  1. Professionelle Anleger, bestimmt nach MiFID Richtlinie 2004/39/EG. Dies sind z. B. Banken, Versicherungen oder Pensionskassen.
  2. Semi-professionelle Anleger nach 1 Abs. 19 Nr. 33 KAGB. Die Definition ist etwas schwammig und umfasst Firmen mit einem Vermögen von mehr als 10 Millionen € oder Privatpersonen, die mindestens 200.000 € pro Beteiligung investieren.
  3. Privatinvestoren – alle die nicht zu 1. und 2. gehören.

Die rechtliche Struktur

Das KAGB gibt auch die rechtlichen Rahmenbedingungen vor. Eine Venture-Capital-Firma besteht im Endeffekt aus zwei getrennten Firmen: Der Verwaltungsgesellschaft und dem Fonds (siehe Bild).

Legal Setup VC

Die Kapitalverwaltungsgesellschaft – KVG

Die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG oder auch AIFM genannt) stellt das Management zur Verwaltung des Anlegervermögens. Hier ist das Management Team aktiv und betreibt das operative Geschäft: Deal Flow generieren, investieren, halten, unterstützen, verkaufen, reporten.

Das KVG hält selber keine Anteile an Start-ups. Die Gesellschaft erbringt eine Dienstleistung für den Fonds und bekommt dafür eine jährliche Verwaltungsgebühr (Management Fee).

Der Fonds selbst ist eine reine Finanzholding. In den Fonds zahlen die Kapitalgeber ihr Geld ein. Der Fonds hält die Beteiligungen an Start-ups. Der Fonds (AIF genannt) wird durch die KVG vertreten.

Was für eine Investmentstrategie hast du?

Abhängig davon, welche Art von Fondsstruktur du wählst, desto komplexer oder übersichtlicher sind die Auflagen seitens der BaFin. Für deutsche Venture-Capital-Firmen im Early-Stage-Bereich empfehle ich daher ein KVG + Spezial AIF.

Fondsstrategie VC

Schauen wir uns die Grafik einmal an. Publikumfonds dürfen das Geld aller annehmen (also auch Anleger, die weniger als 200.000 € investieren). Im Gegenzug haben Publikumfonds sehr hohe Auflagen für den Vertrieb und Informationspflichten gegenüber den Investoren (Stichwort: Anlegerschutz).

Unter die Spezial Fonds fallen die Firmen mit Immobiliengeschäften, Filmproduktionen, Hedge-Fonds, Venture-Capital und Private-Equity. Der Gesetzgeber möchte, dass nur qualifizierte Anleger hier ihr Geld vermehren.

Spezial Fonds haben weniger Regularien als Publikumfonds und doch ist die Liste lang. Das KAGB gibt vor (und wird durch die BaFin kontrolliert), wie die Rechtsstruktur ist und wie hoch das Kapital des VCs sein soll.

Man braucht ein Risikomanagement, ein Liquiditätsmanagement und hat Vorgaben für die Verfügung, Auslagerung und Interessenskonflikte. Es gibt unzählige Reporting- und Bewertungspflichten. Alle Transaktionen müssen gemeldet werden. Der Vertrieb des Fonds wird stark eingeschränkt. Alles unterliegt der Prüfung und Genehmigung durch die BaFin. Verfahren können gerne 1,5 Jahre dauern. Jetzt weißt du, wieso Anwälte so viel Geld dafür haben wollen.

Wer eine Venture-Capital-Firma mit einem Standard AIF gründet, der braucht alleine für die jährlichen Nachweispflichten gegenüber der BaFin eine ganze Armee von Beratern und Angestellten. Geld, welches einem Start-up nie zugute kommt.

Spezial AIFs sind die Lösung

Der Gesetzgeber hat eine Lockerung für sogenannte Spezial AIFs eingebaut. Wenn deine Venture-Capital-Firma weniger als 100 Millionen € an Kapital aufnimmt, dann fallen plötzlich eine ganze Reihe von Gesetzen weg. Zusätzlich braucht es statt einer Genehmigung nur noch eine Erlaubnis durch die BaFin (2 Wochen). Unter § 2 (4) KAGB findest du den Hinweis auf die Spezial AIF.

„Auf eine AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaft sind nur die §§ 1 bis 17, 42 und 44 Absatz 1, 4 bis 7 anzuwenden, wenn (…).“

Ein leaner VC ist möglich

Es hat Wochen gedauert, den Dschungel aus Paragraphen zu verstehen und dann war die Lösung doch recht einfach. Für einen Spezial AIF gelten 19 Paragrafen statt der gesamten 356 für normale AIF – eine angenehme Erleichterung. Nun konnte ich einen VC doch lean gründen.

Daher empfehle ich folgende sechs Schritte:

  1. Lies das Kapitalanlagegesetz.
  2. Entscheide dich für deinen Anlegerkreis (alle vs. Ausschluss der Privatinvestoren).
  3. Setze eine Struktur aus Kapitalverwaltungsgesellschaft und AIF auf.
  4. Entscheide dich für einen normalen AIF (> 100 Millionen €) oder einen Spezial AIF (unter 100 Millionen €).
  5. Bereite die Unterlagen für eine Genehmigung oder Registrierung vor.
  6. Reiche es bei der BaFin ein.

Deutlich kürzerer Prozess

Zwischen Einreichung meiner Unterlagen bei der BaFin und dem Erhalt der Genehmigung hat es genau einen Anruf und 3 Wochen gedauert. Von wegen 18 Monate, wie mir viele vorher sagten. Und das Ganze hat nur 1.500 € Gebühren gekostet (einkassiert durch die BaFin). Done.

Anwälte fragen?

Wie oben beschrieben, waren die Anwälte alles andere als günstig. Unter 75.000 € wollte keiner arbeiten. Mir wurden einige Experten empfohlen, doch die sind einfach super teuer. Am Ende habe ich weniger als 10.000 € für Anwälte ausgegeben. Selber denken ist meistens günstiger, wenn auch riskanter.

Alternative: Ausland?

Da es eine EU-Verordnung gibt, ist Venture-Capital überall reguliert. Ich habe mich für eine deutsche Firma entschieden, weil ich in Deutschland lebe und die Sprache spreche. Andere Länder, andere Gesetze. Von steueroptimierten Konstrukten in Kombination mit karibischen Inseln wollte ich erst einmal die Finger lassen.

Weitere Lesehinweise zum Einstieg:

Osborne Clarke – Das neue regulatorische Umfeld von VC Fonds

GSK – AIFM Richtlinien

Venture Capital Magazin 3/2013 – Zwischen AIFM, KAGB und EuVECA

Bei Fragen & Anmerkungen eine E-Mail schreiben:

f@bootstrapping.me

Gerne helfe ich aus und teile meine Erfahrungen.

Weitere Blogartikel über Venture-Capital (Das Venture-Capital-ABC).

Diskussion – Was ist ein Semi-professioneller Anleger?

Im Gesetz steht Folgendes:

„Semi-professioneller Anleger ist

a) jeder Anleger,

aa) der sich verpflichtet, mindestens 200 000 Euro zu investieren,

bb) der schriftlich in einem vom Vertrag über die Investitionsverpflichtung getrennten Dokument angibt, dass er sich der Risiken im Zusammenhang mit der beabsichtigten Verpflichtung oder Investition bewusst ist,

cc) dessen Sachverstand, Erfahrungen und Kenntnisse die AIF-Verwaltungsgesellschaft oder die von ihr beauftragte Vertriebsgesellschaft bewertet, ohne von der Annahme auszugehen, dass der Anleger über die Marktkenntnisse und -erfahrungen der in Anhang II Abschnitt I der Richtlinie 2004/39/EG genannten Anleger verfügt,

dd) bei dem die AIF-Verwaltungsgesellschaft oder die von ihr beauftragte Vertriebsgesellschaft unter Berücksichtigung der Art der beabsichtigten Verpflichtung oder Investition hinreichend davon überzeugt ist, dass er in der Lage ist, seine Anlageentscheidungen selbst zu treffen und die damit einhergehenden Risiken versteht und dass eine solche Verpflichtung für den betreffenden Anleger angemessen ist, und

ee) dem die AIF-Verwaltungsgesellschaft oder die von ihr beauftragte Vertriebsgesellschaft schriftlich bestätigt, dass sie die unter Doppelbuchstabe cc genannte Bewertung vorgenommen hat und die unter Doppelbuchstabe dd genannten Voraussetzungen gegeben sind,

b) ein in § 37 Absatz 1 genannter Geschäftsleiter oder Mitarbeiter der AIF-Verwaltungsgesellschaft, sofern er in von der AIF-Verwaltungsgesellschaft verwaltete AIF investiert, oder ein Mitglied der Geschäftsführung oder des Vorstands einer extern verwalteten Investmentgesellschaft, sofern es in die extern verwaltete Investmentgesellschaft investiert,

c) jeder Anleger, der sich verpflichtet, mindestens 10 Millionen Euro in ein Investmentvermögen zu investieren. “

Ich interpretiere es so:

Du investiert mindestens 200.000 € und bezeugst gleichzeitig deine Kompetenz

oder

du hast selber eine Venture-Capital-Firma

oder

du bringst mindestens 10 Millionen € an Vermögen mit.

Erfüllst du diese Kriterien – super! Dann darfst du dich an Venture-Capital-Firmen beteiligen.

Disclaimer: Ich gebe weder Rechts- noch Steuerberatung. Dieser Blogartikel enthält keine Empfehlungen, sondern persönliche Erfahrungen.