4 Gründe wieso du nicht für ein Startup arbeiten solltest

Teil 2 meiner Reihe über Startupkarriere. Natürlich ist nicht alles rosig. Was spricht also dagegen?

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So, wenn ich schon so von Startups schwärme, wo ist der Haken?

  1. Die Bezahlung ist nicht so gut wie in der Old-Economy. Ich schätze es sind 30 % weniger, wobei Berlin eh sehr schlecht zahlt. Kein Wunder bei der hohen Arbeitslosenquote. Größere Firmen wie Rocket zahlen bereits marktübliche Gehälter; sonst würden sie keine top Leute bekommen. Und irgendwie ist Geld am Ende doch nur ein Hygienefaktor. Wirklich glücklich wird man damit nicht.
  2. Ok, 80 % der Startups gehen irgendwann insolvent, werden verkauft, gekauft, fusioniert oder sonst irgendwie verwertet (eine Frage der PR). Etwas Herzrasen gehört halt dazu. Wenn du es also nicht erträgst, dass die Firma, für die du arbeitest, irgendwann nicht mehr da ist, dann solltest du vielleicht Briefmarken am Postschalter verkaufen oder Rentnern binäre Optionen andrehen. Übrigens binäre Optionen. Wusstest du, dass der CPC bei 15 € liegt? Da müssen die Margen echt spitze sein. Zurück zum Thema. Ja, Firmen gehen platt – aber du trägst kein Risiko. Genauer gesagt, tragen es die Gründer und die Investoren. Bei den meisten Fällen die ich kenne, wo sich eine Firma auflöste (z. B. AllesAnna oder auch EPIC), wurden die Leute mit Angebote überschwemmt. Da musste keiner zum Amt.
  3. Einige sagen, dass Startups keinen Ruf haben. Stimmt. Wenn du vorher bei Amen warst und jetzt zu Daimler wechselst, dann kennt das niemand. Die kennen aber auch Wonga, Kreditech oder SoundCloud nicht. Demnach, egal. Was ich sagen will ist, dass der Ruf einer Firma gar nicht so wichtig ist. Viel wichtiger ist, was du kannst. Viele Startups heuern Leute für ihr Potential an, weniger für ihre Erfahrungen. Hauptsächlich weil die Branche so jung ist und es nicht viele Personen mit Jahrzehnten Erfahrungen gibt.
  4. Sei kein Träumer. Also von der Uni in die Gründung und 3 Monate später zum Exit. Ja, solche Leute kenne ich und ich sage dir, das ist verdammt selten. Du musst also trotzdem hart arbeiten, fleißig sein und am Ende Glück haben. Geschenkt wird dir nichts.

Wenn du reich werden möchtest, dann gibt es einfachere Wege. Wenn du einen sicheren Job brauchst, dann bist du hier falsch. Doch für alle anderen empfehle ich Teil 1.

Zu Teil 3 – Wie du deinen Traumjob findest (ab dem 19.09.2914)

15 Gründe wieso du in einem Startup Karriere machen solltest

Eigentlich wollte ich nur ein paar Worte schreiben, doch am Ende sind es über 3.500 geworden. Daher heute der erste von vier Teilen über „Karriere in der Internetindustrie“.

Vor ein paar Tagen sprach ich mit einer Journalistin vom Spiegel (genau, diese auf Holzpapier gedruckte Wochenzeitung) über das Thema Karriere in Startups. Wie bereits in meinem letzten Artikel geschrieben, ist derzeit der richtige Moment, um für ein Internetunternehmen aktiv zu werden.

Daher ein Artikel nicht unbedingt für Gründer, sondern auch für Schüler, Studenten, Absolventen und Berufstätige, die überlegen in einem Startup anzufangen. Ich gehe auf die Vorteile und Risiken ein und umreiße kurz welche Jobs gefragt und welche Industrien heiß sind.

Es geht nicht um Gründungen, sondern um Arbeitnehmer. Heißt, du bist angestellt und egal wie viele Shares du an der Firma hältst, du zahlst trotzdem noch KV, AV und RV (all diese tollen Abgaben, von denen du nie etwas haben wirst).

SEI JETZT AUF DER GEWINNERSEITE

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Es gibt echt viele Gründe, wieso man für ein Internetstartup arbeiten sollte. Fangen wir an:

  1. Du bist von Anfang an dabei. Stell dir vor, du wärest einer der ersten 50 Mitarbeiter bei Facebook, Zynga, Twitter oder Groupon gewesen? Es ist deutlich leichter an die Spitze zu kommen, wenn man früh dabei ist. Aus meiner Erfahrung sind viele junge Leute so an Führungsaufgaben gekommen, die sie bei einer späteren Bewerbung nicht erreicht hätten.
  2. Es ist ein spannendes Umfeld. Du arbeitest in Märkten, die keiner kennt. Mit Produkten die (noch) Niemand will. Jeder Tag ist anders. Es gibt eine Menge Herausforderungen und keine Vorgesetzten die es besser wissen.
  3. Du kannst viel Verantwortung übernehmen. Greif mit vollen Händen zu. Mitarbeiter die mitdenken und neue Ideen haben und diese umsetzen sind immer erwünscht. Jeder wird gehört. Du darfst sofort Dinge bewegen.
  4. Super sind auch die schnellen Prozesse, kurzen Dienstwege und flache Hierarchien. Das ist echt angenehm und jeder, der mal in einem Konzern war, wird es zu schätzen wissen. Von der Idee zur Umsetzung können Stunden liegen, statt Monate. Meistens müssen Mitarbeiter eher gebremst werden, als dass diese für Ideen kämpfen müssen.
  5. Das Umfeld ist oft sehr persönlich – kollegial. Selten ist dein Chef wirklich dein Chef. Strukturen sind nicht mehr so klar und Leuten wechseln oft. Und alle sind eh per Du.
  6. Das Team ist oft international. Heute saß ich an einem Tisch mit 15 Leuten und nur 3 hatten eine deutsche Staatsbürgerschaft. Wie cool ist das? Mit Leuten zu arbeiten, die smart, driven und erfahren sind – und freiwillig nach Berlin kommen um Ideen zu verwirklichen. Du kannst von solchen Kollegen nur profitieren, denn es schärft die Objektivität und kulturelle Offenheit.
  7. Oben drauf gibt es ziemlich oft Anteile an der Firma. Das ist nicht immer viel Geld wert, aber eine nette Geste. Und manchmal zahlt es sich aus. Bekannte haben schon für 2-3 Jahre Mitarbeit am Ende 200.000 € überwiesen bekommen. Andere deutlich mehr oder gar nichts – hängt immer von der richtigen Situation ab. Welcher Trainee der Deutschen Bank bekommt schon ein Aktienpaket geschenkt?
  8. Es gibt nette Benefits. Das Thema Compliance ist halt noch nicht so präsent. In Startups kümmert man sich noch um seine Mitarbeiter. Man feiert zusammen BBQ-Parties auf dem Wannsee; spielt Paintball; fährt GoKart; reist nach Ibiza, Malle oder Tomorrowland; zusammen nimmt man bei KrassFit teil. Es gibt zahlreiche Firmen, wo du dich durch das Frühstück bis Abendessen kostenlos durchmampfen kannst. There is a free lunch.
  9. Manchmal bekommst du ein MacBook.
  10. Du kannst flexibler arbeiten und öfters wechseln. Früher war es verpönt die Firma nach 2 Jahren zu verlassen. Für Startups sind 2 Jahre bereits lange. Wobei mich alles alles unter einem Jahr Firmenmitgliedschaft skeptisch macht. Doch genauso irritieren mich Personen, die 4-6 Jahre für das gleiche Startup tätig sind (und nicht die Gründer sind). Wer bleibt 6 Jahre auf einer Position, wenn die ganze Firma enorm wächst? Ich will damit einfach nur sagen, dass du locker von Stelle zu Stelle springen kannst. Je mehr du wechselst und dabei Erfahrungen sammelst, desto besser (Multiplikation von Netzwerk und Erfahrungen).
  11. Arbeitszeiten sind deutlich angenehmer. Die meisten Webfirmen sind entspannt, wann du kommst und wann du gehst. Nur Oli führt eine Strichliste und sitzt am Eingang. Alle anderen denken viel eher an ihre eigenen Projekte als daran, wie viele Stunden du jetzt im Büro gesessen hast.
  12. Rasche Karrieresprünge sind realistisch. Erst bist du Trainee, dann Junior, dann Teamlead, Senior und schon steht ein CxO (= Oberstes Management) auf deiner Visitenkarte. Und dort ist die Regel auch einfach: Je kleiner das Unternehmen ist, desto hochwertiger dein Titel – außer bei Rocket. Dort haben alle tolle Titel, egal wie alt sie sind.
  13. Du bist schnell an der Spitze. 6 Jahre Berufserfahrung reichen im Schnitt aus, um einen Geschäftsführerposten zu übernehmen. Kennst du andere Industrien, wo du so schnell Chef sein könntest?
  14. Es gibt einen großen Mangel an Talenten. Das ist klar ein Arbeitnehmermarkt. Jobs > Leute. Es gibt einfach zu wenig von allem. Dies ist derzeit klar eine Situation, wo Talente gesucht werden – und diese nicht selber suchen müssen (siehe Teil 3 und 4).
  15. Und wenn du dann keine Lust mehr auf Startups hast, dann hast du zwei Optionen. Du wechselst mit deinem Fachwissen in einen Konzern und hast dort eine Position die dir kaum einer streitig machen kann. Nun kannst du deine Pläne einfach mit mehr Ressourcen umsetzten. Einer muss der nächste Internet-Dax-Vorstand werden. Oder du nimmst eine gut bezahlte und arbeitsgeringe Stelle als Social Media Marketing Consultant z. B. bei Siemens an. Kann gut bezahlt werden, wenn man den ganzen Tag dafür auf Facebook surfen darf. Solange du weißt was folgende Begriffe bedeuten: Conversion, Funnel, Tracking, Facebook Ads, Twitter, Retargeting, Ecommerce oder RTB – dann hast du bereits mehr Fachwissen als die restlichen 99 %. Wer soll dir da deine Stelle streitig machen?

Zu Teil 2 – Was spricht gegen eine Karriere in einem Startup? (ab dem 12.09.2014)

Jetzt ist die Zukunft

Das Internet ist Teil der letzten Kondratieff Welle. Eine Entwicklung, die uns Wohlstand gebracht hat. In den letzten Jahren wurde Kommunikation zu einem Commodity. Kannst du dir noch vorstellen, dass es vor einigen Hundert Jahren nur Boten und Brieftauben gab? Wir haben es deutlich besser.

Kondratieff ZyklenQuelle

Ich bin der Auffassung, dass die Internetindustrie eines Tages die Größe und Bedeutung haben wird,  wie es heute die Auto-, Chemie und Lebensmittelindustrie haben. Etwas, wofür wir weltweit bekannt sind. Eine Branche, in der wir mit tausenden mittelständigen Anbietern global führend sind.

Wir werden Internetunternehmen im DAX haben. Eine Generation von Mittelständlern wird entstehen. Derzeit ist soviel Potential in der Mache.

Auf die richtige Industrie setzen

Das Auto wurde in den 1880er erfunden, doch erst nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Massenprodukt. Heute bekannte Marken wie Daimler, BMW oder Ford wurden alle im gleichen Jahrzehnt gegründet. Wer sich zwischen 1880 und 1910 mit Autos beschäftige, hatte viel mehr Wahrscheinlichkeit den Grundstein für einen Automobilkonzern zu legen, als wir es heute haben. Es gab über die Jahre hunderte Autohersteller (alleine in Deutschland) und noch heute über 2.500 Zulieferer in unserer Region.

Die Chemieindustrie für die wir heute weltweit geschätzt werden (BASF, Bayer, Linde, Henkel, uvm.) entstand um 1850. Damals hätte man Chemiker sein sollen.

Unsere Lebensmittelindustrie ging erst nach dem 2. Weltkrieg durch die Decke. Frag deine Großeltern nach der Fresswelle. Es war eine ungeheure Wachstumsphase für alle. In nur wenigen Jahren wurde ein Vermögen erschaffen und neu verteilt. Hätten unsere Eltern damals einen Discounter oder Lebensmittelhersteller gegründet, dann würde einer von uns heute vielleicht im Vorstand von Nestle sitzen.

Das Internet ist die Chance

Doch wir sind im Jetzt und Hier. Dies soll keine Geschichtsstunde über die verpassten Chancen unserer Vorfahren werden, sondern über die Möglichkeiten, die du und ich jetzt haben. Wir leben in der großartigen Zeit, in der das Internet alles revolutioniert.

  • Es verbessert die Welt (wirtschaftliche und politische Transparenz)
  • Gibt uns Wohlstand (mehr Komfort, geringe Kosten für Informationen, fast kostenlose Kommunikation)

Bereits jetzt gibt es große Spieler. Wir haben in kurzer Zeit den Aufstieg von Google, Yahoo, Facebook oder Alibaba erlebt. Milliardenkonzerne, die es vor 20 Jahren noch nicht gab.

In Deutschland sind wir, wenn auch mit einigen Jahren Verzug, in den Startlöchern. Wir Deutsche brauchen immer etwas länger für Innovationen. Wir sitzen gerne im Keller, denken nach und kommen am Ende mit einer durchdachten Lösung auf den Markt. Vielleicht nicht so sexy, dafür aber von hoher Qualität. Wir sind halt Tüftler & Bastler.

Eine dominierende Industrie entsteht

Es ist ja nicht so, dass wir in Europa keine Erfolge hatten. Denk an Skype, Yandex, Asos, SAGE, Supercell.

Eines Tages werden auch in Deutschland die Internetunternehmen überall sein:

  • Ein Zalando im Dax
  • Ein Friedensnobelpreis für eine Internetorganisation wie wie Ashoka
  • Tausende Web- & Mobileunternehmen in Berlin, München, HH, FFM
  • Internet-Vorstände in Aktienunternehmen

Du könntest heute bereits den Vorstand eines zukünftigen Unternehmens kennen. Oder vielleicht bist du es eines Tages selber. Oder du unterstützt bereits jetzt ein junges Startup, was eines Tages die Welt zum Guten verändert.

Bist du hungrig?

Ich hoffe, dass du als Leser meines Blogs die Welt ähnlich siehst wie ich. Ich schätze dich als Jemanden ein, der neugierig ist. Du lernst gerne und orientierst dich nach oben. Du bist hungrig auf das Leben und die Herausforderungen.  Du möchtest ein angenehmes Leben haben, finanziell abgesichert und etwas Freizeit. Eines Tages für eine Familie sorgen können, Freunden helfen. Die Zeit haben, dich auch angemessen deiner Gesundheit zu widmen. Reisen & die Welt entdecken. Nicht ewig arbeiten, sondern irgendwann der Gesellschaft wieder etwas zurück geben zu können.

Du machst gerade alles richtig. Du gründest jetzt. Du bist tätig für ein strategisch relevantes Unternehmer (Inkubator, Startup, VC, Medien, Mobile, Gaming, usw.). Du hast den Fuß in der Tür. Du sammelst ein Wissen an, was millionen Deutsche noch nicht haben. Mit deinem Fachwissen und Expertise, bist du ein Wertschöpfer in dieser Branche. Du verstehst die Spielregeln des Marktes und hast zugleich ein Auge offen für Opportunitäten und Trends.

Noch ist es die Internetszene - doch nicht für ewig. Seilschaften die jetzt entstehen, prägen deine Karriere der nächsten 30 Jahre. Freunde von heute, sind die Macher von morgen. Kleine Startups könnten irgendwann Konzerne sein. Es ist immer besser schon am Anfang einer Wachstumsphase dabei zu sein, als erst einzusteigen, wenn der Kuchen bereits verteilt wurde.

Es ist eine Wette

Das ist natürlich eine Wette auf das Potential des Marktes. Alternativen wäre Biotech, Security, Gesundheit, Finanzen  - doch wir setzen alle zusammen auf IKT.

Die Zukunft ist nicht unbedingt rosig. Alle werden älter, wer soll später noch arbeiten? Die Staaten verschulden sich ungeheuerlich. Die USA sind bereits eine Plutokratie (Herrschaft durch Vermögen). Bürgerkriege nehmen zu. Gefährliche Viren und Krankheiten. Also ich weiß nicht, ob ich je eine Rente kriegen werde. Wer soll die auch bezahlen?

Und doch haben wir noch viele Herausforderungen: Gesundheit für alle. Rente für alle. Bildungsfreiheit. Chancengleichheit. Durchlässigkeit des Systems. Geringe Steuern. Eine offene Wirtschaft basierend auf Moral & Gewissen statt Profitmaximierung. Ein System zum Wohle der Bürger des Staates.

Wir haben so viel vor. Wir haben die Chance diese Welt zu verbessern. Unsere Kindern & Familien ein sichere und freudenvolle Zukunft zu bieten. Ich glaube fest daran, dass wir jetzt richtig sind.

Netzwerk ist alles

Vor einigen Wochen haben ich einen Vortrag gehalten für die Teilnehmer vom Startup Institute. Das Thema war die Berliner Startup Szene (Überblick, Netzwerke, Key-Player). Ich wurde geladen, weil eine Bekannte mich an die Organisatoren empfohlen hatte. Netzwerk.

Für mich ist der Begriff “netzwerken” unangenehm. Es hinterlässt bei mir das Gefühl, dass Leute instrumentalisiert werden. Dabei ist es gar nicht so. Menschen sind der Schlüssel für alles. Mein Ziel ist eindeutig: Ich möchte Menschen treffen, die ich mag. Mit denen ich gut zurecht komme, wir uns gegenseitig unterstützen und Freundschaften sich entwickeln können.

NETZWERK BEDEUTET ZUGRIFF AUF RESSOURCEN

Was heißt eigentlich Netzwerk? Für mich bedeutet es zu wissen, wer etwas weiß. Meine Physiklehrerin sagte mir damals: “Wissen ist zu wissen, wo etwas steht”. In diesem Fall ist Netzwerk zu wissen, wer einem weiterhelfen kann. Es geht also um Freunde, Vertraute. Um Personen auf die man bauen kann; und Zugriff auf Ressourcen (Zeit, Geld, Wissen).

DEIN NETZWERK SPART DIR ZEIT UND GELD

Ein gutes Netzwerk kann dir in vieler Hinsicht nützlich sein:

1. Probleme lösen. Du erhältst Lösungen auf Probleme, die du sonst nicht aus eigener Kraft bewältigen könntest.
Mein Beispiel: Ohne Netzwerk könnte ich nie unsere Investoren für meine Firma gewinne. Die Chance ohne Netzwerk einen Investor zu gewinnen ist unter 1%. Ich konnte unsere Investoren über mein eigenes Netzwerk und das von Freunden überzeugen.

2. Zeit sparen. Mit deinem Netzwerk kommst du schneller an Ressourcen.
Mein Beispiel: Ich habe über das Netzwerk meinen Mitgründer gefunden. Das hat echt viel Zeit gespart, denn sonst hätte ich vermutlich Stellenanzeigen schalten müssen, dutzende Interviews führen und hätte trotzdem möglicherweise Niemanden gefunden.

3. Geld sparen. Du gibst weniger Geld aus, weil die Angebote besser sind,
Mein Beispiel: Wir haben durchschnittlich 30% weniger für Entwickler bezahlt, als der Marktstandard. Wieso? Mein Mitgründer kennt recht viele Entwickler. Er hat halt einen “Buddydeal” gemacht (Deal unter Freunden). Das ist schon wertvoll, wenn man bedenkt das diese Programmierer gerne >100 € die Stunde nehmen. 

4. Vertrauen. Eine hoher Social Trust reduziert Risiken.
Mein Beispiel: Ich habe meinen ersten Job bekommen, weil ich empfohlen wurde. Die Person kennt mich schon länger und hatte sicherlich einen positiven Einfluss auf den Bewerbungsprozess. Für meinen Arbeitgeber war das Risiko einfach geringer, weil ein gemeinsamer Bekannte ein gutes Wort eingelegt hat. Das ist übrigens vollkommen normal. Wenn ich zurückblicke, dann habe ich 100% meiner Projekte und Jobs immer über Netzwerk gewonnen. Nie auf einem klassischen Bewerbungsweg.

EIN NETZWERK SIND KONTAKTE DIE ZU FREUNDEN WERDEN

Enjoy reading my blog?

So sieht mein (Kontakte)-Netzwerk aus, visualisiert mit LinkedIn. Dies sind natürlich reine Kontakte, vollkommen unabhängig von der Qualität. Es ist eher sogar das Gegenteil. Meine engsten Freunde habe ich gar nicht auf Linkedin, sondern fast nur Leute die ich beruflich kenne.

Als ich das erste Mal diese Karte erstellt habe, habe ich zwei Dinge erkannt. Erstens, ich habe die Intensität meines Netzwerks über die Jahre steigern können. Deswegen ist mein aktuelles Netzwerk (Startup Szene Berlin) größer als mein Netzwerk aus der Politik. Zweitens besteht mein Netzwerk aus 3 verschiedenen Clustern.

1) Kontakte und Freunde von der Universität (Münster, Kelly, St. Gallen)
2) Bekannte und Kameraden aus der Politik (JU, KAS)
3) Berufliches Netzwerk (Startupszene national und international)

Jeder kann sein Netzwerk so visualisieren, das ist nichts besonderes. Du kennst genauso viele Leute wie ich: im Sportverein, große Familie, von Reisen, Parties, Auslandssemester, Ausbildung oder Praktika. Jeder hat so ein Netzwerk.

Am Ende ist ein Netzwerk auch eher ein Konstrukt vieler kleiner “Inner-Circle”. Das sind für mich enge Gruppen, wo ein hohes Maß an Vertrauen und Offenheit herrscht. Erfolgreiche Beispiele sind z.B. EO oder die PayPal-Mafia. Erst wenn du in so einem Inner-Circle bist, hast du Zugriff auf alle die oben genannten Ressourcen. Vorher sind es nur Kontakte.

NETZWERK AUFBAUEN IST EIN PROZESS

Aus diesem Grund ist Leute kennen nur der Anfang. Dies ist noch nicht dein eigentliches Netzwerk. Ich sehe es in folgenden Stufen:

1. Du sammelst Kontakte. Also Visitenkarten, Emailadresse, Linkedin. Dafür musst du einfach nur Leute ansprechen können.

2. Du vertiefst deine Kontakte. Man sagt du mindestens 3 x mit der Person auf verschiedenen Kanälen kommunizieren (z.B. essen gehen, telefonieren, Emails) solltest.

3. Du baust eine Beziehung auf. Gemeinsame Arbeit und Projekte nutzen dir dabei. Du kannst natürlich dem anderen auch helfen indem du deine Zeit, Geld und Wissen in die Beziehung investierst. Wichtig ist, dass du Leuten hilfst und nicht umgekehrt. Verbringe Zeit & Energie mit ihnen. Macht gemeinsam Urlaub oder eine Geschäftsreise zusammen. Leute müssen dich kennen lernen. Vertrauen gewinnen in deine Stärken und Schwächen. Du musst berechenbar sein, damit diese dich einordnen können.

4. Erst danach kannst du diese Personen als dein Netzwerk ansehen.

5. Es gibt natürlich noch viele Möglichkeiten diese Bindung zu intensivieren: Mit den Leuten arbeiten, die Personen einstellen, ihnen Geld geben, sie heiraten oder verheiraten.

BAU DEIN NETZWERK KONSTANT AUS

Hier noch ein paar Hinweise, was beim netzwerken ganz gut hilft:

  • Die Grundannahme ist: Du musst Leute treffen, mit ihnen reden, sie kennen lernen, Kontakte knüpfen und diese pflegen. Einigen fällt das verdammt einfach. Andere haben ihre Probleme damit.
  • Netzwerke dort, wo du dich wohl fühlst: Bei der Arbeit, innerhalb der Familie, im Bekanntenkreis, im Sportverein.
  • Netzwerke dort wo du eine Fachexpertise hast: Auf Konferenzen (als Redner), Tagungen, Messen, aber auch Blogs und Foren.
  • Netzwerke wo alle netzwerken: Geht zur Spätschicht oder Echtzeit, besuche Konferenzen (als Teilnehmer) und Meet-Ups.
  • Halte deine Augen und Ohren offen. Überall lernt man interessante Personen kennen: Auf der Fanmeile am Brandenburger Tor, dein Sitznachbar im Flugzeug oder Abends an der Bar.
  • Identifiziere die Multiplikatoren in deinem Netzwerk. Einige Leute kennen mehr Leute als du. Es gibt einfach sehr talentierte Netzwerker. Die kennen jeden. Und du solltest sie deswegen auch kennen.

PERSÖNLICHES BEISPIEL

Und zum Schluss noch 3 Beispiele, wo mir mein Netzwerk geholfen hat.

1. Meine Freundin habe ich über die Arbeit kennen gelernt. Obwohl wir in 3 unterschiedlichen Firmen waren, brachte uns eine gemeinsame Bekannte zusammen.

2. Beim Crowdfunding kamen 60% der Gelder von Personen, die ich schon vorher kannte.

3. Meinen ersten Job im Berlin bekam ich über einen Kontakt, den ich 4 Jahre vorher auf einer WG-Party getroffen hatte.

Mir ist noch wichtig zu sagen, dass es beim Netzwerk nicht darum geht soviele Leute wie möglich zu kennen. Eher geht es um die Qualität der Kontakte. Eine intensive Beziehung ist mehr wert, als dutzende Visitenkarten. Und Beziehungen kannst du nicht kaufen. Diese gibt es nur, wenn du Zeit und Kraft reinsteckst.

LESEN

Kolja empfiehlt es, ich habe es gelesen, Freundin hat es gelesen. du solltest es lesen: Never eat alone von Keith Ferrazzi

13 Schritte um einen Business Angel zu angeln

Oft werde ich gefragt: “Fabian, wie finde ich Business Angels?”. Nun aus gegebenem Anlass, schreibe ich über mein Vorgehen, wenn ich eine Business Angel Runde vorbereite.

Meine 13 Schritte um erfolgreich Business Angels zu gewinnen

  1. Du hast ein Deck. Hier steckst du viel Energie rein, denn dies ist der erste Eindruck von dir. Zudem solltest du vor dem Ansprechen von ersten Investoren wissen, welche Bewertung du als Anchor Wert einbringst.
  2. Hoffentlich hast du bereits Investoren oder Startup-Freunde. Denen schickst du zuerst dein Deck und holst dir hartes Feedback ein.
  3. Dann fragst du deine bestehenden Investoren, ob diese weitermachen wollen. Pro-Rata (bedeutet, der Investor behält nach der Finanzierung die Höhe seiner %te) könnte es ruhig sein. Wenn deine Bestandsinvestoren nicht mitziehen, ist dies ein schlechtes Zeichen. Neuinvestoren denken dann, dass etwas mit eurem Startup nicht stimmt.
  4. Nach der Runde ist vor der Runde. Nachdem wir letztes Jahr eine Angel-Runde und Crowdfunding abgeschlossen hatten, habe ich nicht aufgehört mich mit Angels oder Multiplikatoren zu treffen. Man bleibt in Kontakt, sammelt Interessenten und lernt neue Leute kennen. In den letzten 9 Monaten habe ich diesen Personen regelmäßig mit einem extra Emailverteiler immer über die neusten Änderungen von unserer Firma informiert (z. B. neue Features, Geschäftsbereiche, Expansion, Keyhires oder Traction). Jetzt ist es Zeit, dass du diesen Leuten dein Pitchdeck schickst. Je mehr du auf der Liste hast, desto besser. Immerhin möchtest du schnell eine Runde abschließen, damit euer Wachstum fortgesetzt wird.
  5. Nun kommst du vermutlich an den Punkt, dass du Niemanden mehr persönlich gut genug kennst. Hier fange ich an auf das Netzwerk zu setzen. Das Ziel ist, dass ich Kontakte zu Business Angels bekomme, die ich noch nicht kenne. Hier frage ich enge Freunde, Verwandte und befreundete CEOs. Wenn jemand von dir überzeugt ist und auch den Investor mag, dann stellt er gerne Kontakt her. Dieser Schritt hängt klar von deinem Netzwerk ab, mit etwas Glück kommt etwas dabei rum.
  6. Auch solltest du deine Altinvestoren fragen, ob diese dich weiterempfehlen.
  7. Falls du schon Crowdfunding gemacht hast, können deine Gruppen-Invetoren dir helfen. Ich bin gespannt, was rauskommt.
  8. Auch kannst du versuchen, dass Fundraising öffentlich zu machen. Hier wäre dein Blog, Facebook und Twitter eine Option. Es geht weniger darum, dass du  interne Zahlen veröffentlichst, sondern signalisierst, dass du jetzt im Fundraising bist.
  9. Angelist ist in den USA eine recht erfolgreiche Möglichkeit zum Finden von Investoren. In Deutschland habe ich es nur halbherzig probiert.
  10. Wenn du noch immer Geld brauchst, dann kannst du auch an Events teilnehmen. Doch das kostet echt viel Zeit und ist vom Timing her schwer. Theoretisch müsste am gleichen Tag ein investitionsbereiter Business Angel dort sein, du ebenso und ihr müsst euch zufällig über den Weg laufen. Sicherlich etwas anderes, wenn du einen Platz auf der Bühne bekommst und pitchen kannst.
  11. Berater sind bei kleinen Runden oft nicht interessiert, aber etwas Hilfe kann nützlich sein. Du musst damit rechnen zwischen 5 und 10 % vom eingesammelten Kapital abzugeben. Berater erweitern einfach dein Netzwerk und sprechen Leuten an, die du nicht kennst. Zudem können sie Vertrauen und Zuversicht vermitteln.
  12. Und zu guter Letzt, falls alles noch nicht geholfen hat: Mache dir eine Liste an Angels die du gerne in deinem Startup hättest. Suche gemeinsame Bekannte (FB, Xing, LinkedIn, Twitter) und lasse dich vorstellen – oder bekomme irgendwie ihre Aufmerksamkeit.
  13. Jede Runde erweitert dein Netzwerk. Jedes Mal wirst du mehr Geld brauchen, doch du kennst auch mehr Leute. Mit dem Abschluss dieser Runde, fängt also die nächste Runde an. Fange bei Schritt 1 an.

So gründest du deine GmbH oder Unternehmergesellschaft (UG)

Des Öfteren werde ich gefragt wie man eine UG gründet und was die Vorteile sind. Bisher habe ich mit meinen jungen Jahren (immerhin noch unter 30) schätzungsweise über ein Dutzend UGs & GmbHs gegründet. Bei ca. acht Gesellschaften bin ich derzeit Geschäftsführer. Drei davon verwalte ich selbst aktiv (nicht jeder GF kümmert sich immer um die Finanzen).

Heute daher ein Blogbeitrag ab wann sich eine GmbH (oder UG) lohnt und was der Aufwand und Kosten über den Lebenszyklus sind.

WER BRAUCHT EINE GMBH?

Zuerst halten wir fest, dass eine UG (Unternehmergesellschaft) sich kaum von einer GmbH unterscheidet. Abgesehen vom Stammkapital (1 € bis 25.000 €), ist der Aufwand fast identisch. Daher schreibe ich hier über GmbHs, was sich genauso für UGs anwenden lässt.

Nun, wer braucht überhaupt eine GmbH/UG?

Der Anfang ist meistens eine Idee, aus der ein Projekt wird. Recht früh stellt sich dann die Frage, ob man das Projekt ein Projekt sein lässt, oder sich der Aufwand lohnt eine GmbH zu gründen. Für folgende Personen/Projekte ist es sinnvoll, über die Einrichtung einer UG/GmbH nachzudenken:

  • Alle die Investments machen wollen. Also sich an Startups/Firmen beteiligen wollen, die für Geld etwas vom Stammkapital erhalten.
  • In einigen Fällen Mitarbeiter, die Anteile erhalten. Kommt jedoch sehr auf den Einzelfall an.
  • Firmen, die Umsätze über 250.000 € machen oder planen. Darunter lohnt es sich selten.
  • Alle Projekte, die mehr als eine(n) Gesellschafter/-in (oder Gründer/-in) haben.
  • Sobald Kredite, Darlehen, Venture Capital, oder Business Angels ins Spiel kommen.
  • Wenn man Mitarbeiter einstellen möchte.

FÜR WEN MACHT ES WENIGER SINN?

Nicht jeder braucht eine Kapitalgesellschaft. Wie das Wort bereits sagt, geht es hier doch immerhin um Kapital. Manche Firmen basieren jedoch auf Wissen und Arbeit. Für folgende ist es daher nicht immer vorteilhaft, eine GmbH zu nutzen:

  • Agenturen (Medien, Werbung, Marketing, Personal)
  • Freelancer
  • Berater (SEO, Social, usw.)
  • Eventmanager
  • Programmierer
  • usw.

Eigentlich für all die Personen, die selbstständig sind. Solange die eigene Arbeitskraft/Leistung im Vordergrund steht, wäre eine GmbH nicht vorteilhaft. Dies hat diverse steuerliche und rechtliche Gründe, die euch ein Experte (Anwalt/Steuerberater) besser erläutern kann.

DIE VORTEILE EINER GMBH

Nun gibt es ein paar Vorteile, wenn man eine GmbH hat.

  • Der größte Vorteil im Falle eines Verkaufs von Beteiligungen ist steuerlicher Natur. Wenn du dein Startup verkaufst oder Anteile an einem Projekt veräußerst, sparst du bis zu 95 % der Steuern.  Nach aktuellem Stand (Finanzämter sind extrem unberechenbar) zahlst du nur 5 % Steuern auf deine Erlöse. Wenn du deine Anteile privat hältst und dann verkaufst, sind es im Vergleich 25 % und mehr an Steuern. Das kann also schon einen Unterschied machen.
  • Du kannst Kosten leichter absetzen. Aus meiner Erfahrung ist es für GmbHs leichter z. B. ein Büro steuerlich gelten zu machen, als wenn du es privat versuchst. Für meine UGs haben die Finanzämter nie gemeckert. Bei meinen privaten Steuererklärungen gibt es immer Rückfragen.
  • Die Haftung ist auf das Geld beschränkt. Auch hier wird der eigentliche Zweck ganz klar. Wenn du Mist baust oder es schief geht (immerhin scheitern 99 % aller Startups), dann verlierst du erst einmal nur dein Geld. Wenn du keine GmbH hast und es schief geht, könntest du den Rest deines Lebens Schulden haben die dich bis in die Privatinsolvenz treiben.
  • Eine GmbH hat ein gewisses Signal gegenüber Kunden oder Lieferanten. Ich persönlich schätze GmbHs als Geschäftspartner ggü. Privatpersonen mehr. Hauptsächlich aus dem Grund, dass eine GmbH ein gewisses kaufmännisches Grundverständnis erwarten lässt. Wenn ich die Wahl habe, arbeite ich lieber mit einer eingetragenen Firma (z. B. der GmbH) zusammen, als einer Privatperson. Natürlich nur, wenn es nicht um Arbeit (z. B. freie Mitarbeiter) geht, sondern um Investitionen (wie dem Kauf von Waren oder der Anmietung von Büroflächen).

NACHTEILE DER GMBH

Sicherlich ist nicht alles rosig. Was spricht also gegen die GmbH oder was sollte man einfach wissen:

  • Die Kosten einer GmbH belaufen sich auf rund 1.000 € im Jahr, ob du die GmbH/UG nutzt oder nicht. Wenn man etwas Ahnung hat, lässt sich dies auf 300 €/ Jahr reduzieren. Für weniger habe ich es noch nicht geschafft.
  • Es kostet Zeit und Energie die GmbH zu verwalten. Diverse Schreiben von unzähligen Ämtern rauben einem schon die Nerven.
  • Transparenz ist notwendig. Jeder kann nachlagen, wem die GmbH gehört, wer die GFs sind und was die Zahlen (Bilanz) sind. Immerhin liegen diese Daten 1-2 Jahre in der Vergangenheit. Trotzdem ist es öffentlich.

WIE GRÜNDE  ICH NUN EINE GMBH

  1. Du nimmst dir eine Mustersatzung aus dem Internet (für UGs) oder einen GmbH Standardvertrag. Alles ist im Netz zu finden. Entweder Vorlagen nehmen oder vom Anwalt personalisieren lassen. Hängt stark davon ab, ob die UG nur für dich ist (sehr einfach), oder du bereits Mitgründer und Investoren hast (wird komplizierter).
  2. Denk dir einen Namen aus. Dieser muss entweder ein kreativer Eigenname sein, oder sollte den Tätigkeitszweck beschreiben. Hier vorher bei der IHK nachfragen, ob der Name genehmigt wird. Sollte der Name zu generisch sein (z. B. Brautkleider GmbH), dann wird dieser vom Amtsgericht abgelehnt. Der Name der Gesellschaft sollte einzigartig sein und „Brautkleider GmbH“ ist es nicht. Auch sollte der Name noch frei sein, denn doppelt vergeben wird ein Name selten.
  3. Stelle einen Cap Table zusammen. Heißt: Wer bekommt welche Anteile.
  4. Suche dir einen Notar. Schicke ihm vorher die Gründungsdokumente (Satzung) und er macht dir alles fertig. Anschließend unterschreibst du 3x und bist formal gesehen beim Notar durch. Dieser meldet nun die Gesellschaft für dich an.
  5. Du nimmst die Gründungsunterlagen (schickt dir der Notar zu), gehst zur Bank, eröffnest ein Konto und zahlst das Stammkapital ein.
  6. Du schickst einen Kontoauszug mit dem Stammkapital an den Notar. Dieser leitet es an das Gericht weiter.
  7. Nach 6 – 12 Wochen bekommst du Post vom Amtsgericht. Wenn alles geklappt hat, ist die GmbH/UG jetzt eingetragen.
  8. Anschließend musst du diverse Formulare vom Finanzamt (Steuernummer und Umsatzsteuernummer) und Gewerbeamt ausfüllen.
  9. Falls du Mitarbeiter einstellen willst, musst du noch eine Betriebsnummer beantragen.

10. Abgesehen von zahlreichen Werbebriefen (!!! Die wollen dir einreden, dass du für 600 € dich eintragen lassen musst bei diversen Verzeichnissen. Dies ist jedoch alles abzocke. !!!), kannst du nun diverse Versicherungen abschließen.

Was kostet das alles? Nun eine UG rund 150 € (Notar) oder GmbH ca. 600 € (Notar). Dann etwa 120 € an das Gericht für die Eintragung.

INSTANDHALTUNG DER GMBH

Wenn du die GmbH gegründet hast, gibt es trotzdem jährlichen Aufwand und Kosten.

  • Die IHK nimmt dir jedes Jahr rund 120 € ab. Da kannst du nichts gegen machen. Ist das nicht abhängig vom Umsatz der gemacht wird und kann ggf. mehr sein?
  • Jahr für Jahr musst du einen Jahresabschluss erstellen. Dieser muss beim Bundesanzeiger (nur die Bilanz bei kleinen KapG) veröffentlicht werden. Falls du dies vergisst, zahlst du eine Strafe (ca. 100 € für die erste Verwarnung).
  • Auch muss die Steuererklärung erstellt werden (Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer).

Wenn du die Erstellung der Abschlüssen und Steuererklärungen an einen Steuerberater abgibst, sind dies ca. 1.000 € pro Jahr. Ich mache es selbst, das spart Geld. Zudem ist es nicht schwer einen Jahresabschluss zu erstellen, wenn es nur einen Gesellschafter gibt (mich) und die Kosten bei ca. 300 € im Jahr liegen.

Natürlich gibt es dutzende Sonderfälle und ich decke nicht alles ab. Bei Fragen einfach mir schreiben.

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Disclaimer: Ich bin weder Rechtsanwalt noch Steuerberater. Mein Beitrag möge dir als Orientierung dienen, aber nicht als rechtliche Absicherung.

Wie beteilige ich Mitarbeiter an meinem Unternehmen?

Es ist vielleicht ein trockenes Thema und doch immer wieder relevant: Mitarbeiterbeteiligung.

Ich war die Tage bei einem Vortrag von KPMG und konnte meine Erfahrungen mit rechtlichen Grundlagen auffrischen. Aus diesem Grund schreibe ich heute darüber, denn es betrifft eigentlich jedes Startup.

Die beiden einfachsten Möglichkeiten für Mitarbeiterbeteiligung ist: Du gibst deinem Mitarbeiter reale Anteile an deiner Firma oder du gibst im Optionen auf zukünftige Exit-Erlöse. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

REALE ANTEILE

Reale Anteile sind Eigenkapital. Dein Mitarbeiter bekommt also etwas vom Stammkapital deiner Firma. Entweder er hält seine Anteile direkt (z.B. 250 Anteile. Diese sind 1% Beteiligung bei einem regulären GmbH Stammkapital von 25k €), oder Jemand ist der Treuhänder. In diesem Fall hältst z.B. Du die Anteile und kann über diese frei verfügen. Der Mitarbeiter hat das wirtschaftliche Recht (also Verkaufserlöse oder Ausschüttungen), tritt aber seine Kontroll- und Stimmrechte ab.

Hier gibt es nun das Problem, dass man wissen muss was der reale Wert der Anteile ist. Wenn du einem neuen CTO 1% Shares Form von Eigenkapital geben willst, dann sind diese entweder 250 € wert oder deutlich mehr. Es ist auf jeden Fall eine lohnsteuerliche Sache für den Mitarbeiter und er muss dies korrekt beim Finanzamt anmelden. Wenn es noch keine Runde gab, dann kannst du argumentieren, dass die Anteile nur 250 € Wert sind. Meistens wirst du ihm sagen, dass deine Firma x Millionen € wert ist und du ihm demnach tausende Euro an Anteilen schenkst. Sobald es eine offizielle Bestätigung der Bewertung gibt (z.B. ein Investment Dritter wie VCs oder Angels), dann muss der Mitarbeiter dies komplett versteuern. Konkret: Die Bewertung ist 3 Millionen €, du gibst deinem Mitarbeiter 5 % Shares, dann muss er auf 150.000 € Lohnsteuer zahlen. Das könnten locker 90.000 € sein, die er jetzt zahlen muss, obwohl seine Anteile nichts wert sind. Die Steuerberater nennen dies “Geldwertenvorteil”.

Zu beachten ist natürlich ein weiterer Punkt: Transparenz und Mitsprache. Wenn du einen Mitarbeiter direkt beteiligst, dann hat er klassische Gesellschafterrechte. Bedeutet, er kann dir ziemlich auf den Geist gehen. Sei dir also vorher bewusst, dass du kaum noch (bewusste) Geheimnisse vor dem Mitarbeiter haben kannst, was die wirtschaftlichen Daten der Firma angeht.

Ebenso zu beachten ist, dass du im Falle einer Trennung (Good Leaver oder Bad Leaver) es komplizierter wird, dem Mitarbeiter die Anteile wieder wegzunehmen. In der Tat ist der Mitarbeiter oft Eigentümer der Anteile und du musst diese zurück holen. Das kann ungemein nervig, zeitraubend und teuer werden.

MEINE ERFAHRUNG

Ich empfehle daher reale Anteile nur für CoFounder. Wir haben damals 50-50 gemacht, jeder hat sein Stammkapital eingezahlt. Mit realen Anteilen nimmst du deinen Partner mit in die Verantwortung. Zugleich die Firma bei Gründung 0 € wert und daher steuerrechtlich einfach zu handhaben. Doch für Mitarbeiter, die später kommen, rate ich davon ab. Besonders wenn es bereits eine externe Runde gab (Angels, VCs oder Crowdfunding). Du willst keinem Mitarbeiter so viele (Shareholder) Rechte zusprechen. Zudem ist es einfach schwerer Mitarbeiter zu kündigen. Ausnahme ist natürlich, wenn der Mitarbeiter Cash für seine Anteile zahlt und sich diese nicht schenken lässt. Wir haben Mitarbeitern es immer angeboten, dass sie ihre Anteile kaufen können und von uns dafür einen Rabatt gegenüber den Investoren bekommen.

VIRTUELLE ANTEILE

Virtuelle Anteile sind eher Optionen. Rocket Internet ist bekannt dafür, dass sie diese vergeben. Reale Anteile haben nur Rocket und die Investoren. Selbst Gründer haben meist die Optionen, selten richtig eingetragene Anteile. Optionen haben wie alles, Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass die Optionen steuerrechtlich neutral sind und günstig umzusetzen. Du gibst einfach einen Optionsvertrag raus und sparst dir Anwälte, Notare und Gerichtskosten (gegenüber realen Anteilen).

Problematisch ist jedoch, dass Mitarbeiter selten den Wert ihrer Anteile verstehen. Mitarbeiterbeteiligung dient als Hauptzweck dazu, dass Mitarbeiter motiviert werden. Dafür gibt es oft längere Arbeitszeiten für weniger Geld. Die Anteile sollen dir wie eine Karotte vor der Nase baumeln, welche du in den wenigsten Fällen erreichst. Daher ist es wichtig, dass deine Mitarbeiter verstehen, wie sich die Wertsteigerung zusammen setzt. Anteile, die im Handelsregister eingetragen wurden, sind leichter nachzuvollziehen als Optionen. Beachte dies bei der Kommunikation.

Auch sind Optionen an den Exit gebunden. Reale Anteile können jederzeit verkauft werden (Secondaries), Optionen nicht. Dies ist also wichtig zu beachten.

Ebenfalls ist es für dich wichtig die Vergabe von Optionen gut zu dokumentieren. Optionen tauchen in keiner Gesellschafterliste auf oder sind auch nicht im Cap Table verzeichnet. Du vergibst diese schnell, dass es nur ein Stück Papier ist und am Ende vergibst du mehr Anteile als geplant. Also führe Buch und notiere die Vergabe von virtuellen Anteilen.

Steuerlich gesehen ist es besser für den Mitarbeiter. Er zahlt seine Steuern erst beim Verkauf der Optionen – nicht beim Erhalt dieser.

MEINE ERFAHRUNG

Ich mag Optionen und habe diese für alle Mitarbeiter verwendet. Es ist einfach umzusetzen und es entstehen kaum Kosten. So kannst du deinen Mitarbeitern Anteile geben auch im kleinsten Bereich. Die Hemmschwelle sinkt einfach deine Mitarbeiter zu Miteigentümer zu machen. Zudem zieht ihr dadurch alle am gleichen Strang.

FÜR MITARBEITER

Was sollten nun Mitarbeiter beachten? Zum einem sind die Rahmenbedingungen wichtig. Oft gibt es einen Cliff (die Anteile werden erst nach dem Ablauf der Probezeit aktiv) und Vesting (Zeitraum, bis einem die Anteile komplett gehören). Zum anderem gibt es natürlich die klassischen Investoren mit ihren Liquidation Preferences. Im Falle eines Exits kriegen die VCs als erstes ihr Geld, die Mitarbeiter als letztes. Wenn die Gründer Geld sehen, dann auch die Mitarbeiter. Doch das kann dauern.

AUS VC SICHT

Venture Capital Firmen mögen es natürlich, wenn es bereits Mitarbeiterbeteiligungspools (ESOP) gibt. Und sollte kein Programm vorhanden sein, wird man aufgefordert eines einzurichten. Idealerweise vor der Kapitalrunde damit die Gründer stärker verwässern.

FAZIT

Zusammenfassend möchte ich sagen: Mitarbeiterbeteiligung ist wichtig. Wenn es dein Partner ist, gibt ihm reale Anteile. Für alle anderen empfehle ich Optionen. Wenn du Fragen hast, dann schicke mir eine Nachricht. Ich helfe gerne mit Intros zu Anwälte oder Erfahrungen aus.

Das Gleichgewicht bewahren

Ich bin wieder da. In den letzten Wochen fiel es mir recht schwer zu schreiben aufgrund einer unangenehmen Unpässlichkeit. Wie du unschwer erkennen kannst, ist das meine Hand auf dem Foto.

meineHand

Tja, da schicken wir Leute (angeblich) auf den Mond, lassen das  Internet durch die NSA überwachen und klonen Tiere. Und doch sind die Methoden in der Medizin irgendwie altertümlich in vielen Fällen.

Worum es mir heute geht, ist das Gleichgewicht im Leben eines Gründers. An der Leidenschaft für die eigene Idee und Firma möchte keiner zweifeln. Doch wie sieht dein ganzheitliches Energieverhältnis bei dir aus? Für mich ist alles ein Dreieck aus den 3 wichtigsten Säulen unseres Lebens: Unser Körper, Familie & Freunde und Karriere.

Gleichgewicht

Alle 3 Säulen unseres Lebens sollten im Gleichgewicht stehen

Ich versuche immer, dass diese 3 Säulen im Gleichgewicht sind. Das ist mir wichtig, denn gerade uns Gründern fehlt Einiges. Wir investieren soviel Kraft und Zeit in die Firma, dass Familie, Freunde und auch der Sport oft zu kurz kommen. Ich habe es nun in den letzten Wochen nach meinem Unfall gemerkt. Es ist die Freundin und Familie, die einem nach der Operation am Krankenhausbett besuchen, nicht die Firma. Und es ist der eigene Körper, der nicht arbeiten kann (Schmerzen, Verband, Medikamente).

Wenn etwas fehlt, zieht es die anderen runter

So ein Unfall zeigt einem schnell, was wichtig ist. Ich bin sehr dankbar, dass meine Familie da war, als ich aus der Narkose aufwachte (Säule 1), mir meinen Laptop mitbrachte damit ich arbeiten kann (Säule 2) und die Ärzte mich zusammenflickten (Säule 3).

Viele Freunde von mir teilen ähnliche Sorgen. Die einen gewinnen an Gewicht, andere verlieren ihre Beziehungen. Weitere brechen den Kontakt zur Familie ab oder stürzen sich in Exzesse (ungesunde Menge Alkohol und/oder 1-Night-Stands). Wir Gründer geben viel für unsere Firma und der Preis ist hoch. Daher lieber vorbeugen und auf das Gleichgewicht achten.

Die Gleichgewichts-Gruppe

Aus diesen Gründen habe ich vor einer Weile mit einem gutem Freund eine “Gleichgewichts-Gruppe” gegründet. Wir treffen uns alle 3 Monate und berichten bei einem guten Japaner über unsere Säulen. Dafür haben wir 5 Punkte definiert: Gesundheit, Persönliche Entwicklung, Karriere, Geld und Sozialleben. Für jeden Punkt gibt es Quartals-, Jahres- und Lebensziele. Bei jedem Treffen gleichen wir ab, wie wir unsere Ziele einhalten konnten. Es ist wirklich hilfreich aus 2 Gründen. Zum einen macht man sich Gedanken. Man überlegt, was wichtig im Leben ist, wie die Prioritäten sein sollten und setzt sich messbare Ziele. Das andere ist die Rechenschaft gegenüber dem Freund. Es ist einfach leichter, wenn man offen sprechen kann. Es geht weniger um Kontrolle sondern Vertrauen.

Zum Beispiel ist eines meiner Quartalsziele (Gesundheit), dass ich meine Hand wieder nutzen kann. Mein Ziel im vorherigen Quartal war, dass ich ein bestimmtes Gewicht erreiche (mein Startup hatte mir +5kg eingebracht). Nun dieses Ziel hatte ich geschafft, denn ohne zweite Hand lässt es sich auch schlechter essen.

Was hältst du von der Idee einer “Gleichgewichtsgruppe” und wie bleibst du im Gleichgewicht?

Von Anfang bis Ende – Personal in einem Startup

Aus meiner Sicht muss ein Startup mehrere Hürden zum Erfolg bewältigen. Die erste Herausforderung ist die Idee und das Team, dann die erste Umsetzung, anschließend ein valides Geschäftsmodell und eine Finanzierung. Wenn dies erreicht wurde, dann braucht es Personal. Oder das unschöne Wort Humankapital. Jedenfalls kommt jedes Gründungsteam irgendwann an den Punkt, an dem es Verstärkung braucht.

Meisten ist es auf der Tech-Seite. Hier werden HTML oder Backendentwickler bei vielen Webunternehmen benötigt. Doch kann es auch auf der Seite der Finanzen (Buchhaltung), Marketing (Texter) oder Operations (Büro, Administration) mangeln.

Was also, wenn man merkt, dass man weitere Hilfe braucht?

(Der Text ist etwas lang geworden. Ganz unten gibt es die Zusammenfassung.)

BRAUCHST DU MITARBEITER?

Zuerst solltest du dir überlegen, wofür du Personal brauchst. Bedenke, dass du hier eine sehr wichtige Entscheidung triffst. Die richtige Person in Team kann dein Startup einen Sprung nach vorne bringen. Die falsche Person kostet dich Zeit, Geld und vielleicht sogar die Firma.

Also lege vorher fest:

  • Für welche Aufgaben brauchst du Hilfe?
  • Was darf die Person kosten?
  • Wie ist die Kompensation in Gehalt und Firmenanteilen?
  • Welche Position wird sie besetzen?
  • An wen berichten, wer weißt sie ein, wer übernimmt die Verantwortung?

Wir haben uns als Gründer oft überlegt, wo wir Schwächen haben. Wenn wir intern etwas nicht können, dann brauchen wir Verstärkung (z. B. HTML Entwicklung oder Design). Oder wenn uns die Aufgabe zeitlich zu stark binden würde (Kundensupport und Hotline beantworten). Dann kam die Überlegung, was uns hier eine weitere Person wert ist. Jeder Mitarbeiter bekommt dann eine Mischung aus Gehalt (50% bis 70% vom Industriestandard) plus Firmenanteile (je nach Position).

WIE KOMMST DU AN BEWERBER?

Mitarbeiter findenAus meiner Sicht ist der schwierigste Teil, die richtigen Kandidaten zu finden. Dies kann man aktiv machen (man spricht Freunde oder Empfehlungen an) oder passiv (auf Bewerbungen warten). Wir haben einiges ausprobiert, manches mit Erfolg.

Für die Position eines Co-Founders oder CxO haben wir stark im Netzwerk gesucht. Bedeutet über Facebook gefragt und Freunde angeschrieben. So kamen binnen von weniger als 2 Stunden gut 15 bis 20 Kandidaten zustande. Also Personen, die uns empfohlen wurden. Manche von denen suchen gerade, doch die meisten sind bereits in Jobs. Ich war sehr überrascht, denn die Qualität der Leute war super. Es hat Wochen gedauert alle Leute zu treffen und zu sprechen. Da sich keiner von denen bei dir bewirbt, musst du diese also von dir überzeugen. Das ist spannend und doch nicht immer einfach. Diese Möglichkeit ist jedoch stark von eigenem Netzwerk abhängig und bringt nur etwas, wenn du Jemanden auf Führungsebene suchst.

Mit Recruitern (früher nannten wir sie Headhunter) habe ich auch gesprochen. Doch ohne Geld (1/3 des Gehaltes) kommt nicht viel. Und ich war nicht bereit dafür zu zahlen.

Wenn du Techpersonal suchst, dann war ich sehr zufrieden mit Freelancer.com. Hier findest du eigentlich alle Arten von Entwicklern für jeden möglichen Preis.

Gute Erfahrungen habe ich auch mit Ebay-Kleinanzeigen gemacht, wenn es um Teilzeitstellen ging. Also Studenten- oder 400-€-Jobs funktionieren sehr gut. Innerhalb von einem Tag kommen ca. 20 Bewerbungen rein, oft von ordentlicher Qualität.

Arbeitsamt und größere Jobportale haben nichts gebracht. Die Bewerber waren oft älter, hatten keine Ahnung von Startups und haben nicht in die Kultur gepasst. Wenn du also old-school Vertriebler suchst, dann bitte.

Überraschend gute Bewerbungen gab es über Elizabeth-Green. Ein junges Portal was ausländischen Mitbürgern hilft Jobs in Deutschland zu finden. Die Qualität und Anzahl der Bewerber ist ausgezeichnet. Aus aller Welt wollen erstklassig ausgebildete Leute in Berlin arbeiten. Jedoch ist dies eher eine Option für Teams, welche auf Englisch kommunizieren.

Auch kann ich Universitäten empfehlen. Hier ist es jedoch eine Kunst auf die Verteiler zu kommen. Ich habe es einmal geschafft eine Stelle über die ESCAEP und die HSG auszuschreiben und schon gab es spitzen Bewerbungen. Jedoch kommt man schwer an die Verteiler ran, da braucht es Verbindungen zu den jeweiligen Verantwortlichen.

Als letztes kann ich natürlich Startup-Portale empfehlen. Weniger Gründerszene.de oder Deutsche-Startups.de (zu teuer), dafür z.B. Berlin Startup Jobs. Dort suchen viele Leute und es sind auch die richtigen für deine Startup-Kultur.

Wie du siehst, gibt es also 2 Empfehlungen für dich.

  1. Der Kanal ist abhängig von der Stelle.
  2. Suche dort, wo deine Kandidaten sind.

HAST DU DEN IDEALEN KANDIDATEN GEFUNDEN?

Nehmen wir an, du hast eine offene Stelle und diese im richtigen Kanal ausgeschrieben. Jetzt gibt es eine Menge Bewerber. Und jetzt?

Nun, ich empfehle dir einen Prozess (wie für alles in deiner Firma). Wir haben alle Bewerbungen über eine Emailadresse gesammelt. Jede Bewerbung habe ich in Excel notiert (Eingang, Stelle, Rahmendaten, Kommentare, Status) und die Unterlagen abgelegt (damit sie später korrekt gelöscht werden können). Dann habe ich recht schnell entschieden, ob ich eine Person einlade. Manchmal waren zwischen Empfang der Bewerbung und der Einladung zum Interview weniger als 5 Minuten. So eine Schnelligkeit kommt bei Bewerbern immer sehr gut an und kann ich daher empfehlen.

Jedenfalls habe ich meistens das erste Gespräch geführt (Skype oder vor Ort). Anschließend gab es eine Empfehlung an meinen Geschäftspartner. Überzeugte der Bewerber, gab es also ein zweites Interview, erneut mit mir und meinem Partner, sowie anderen Mitarbeitern.

Worauf nun im Interview achten? Ich bin von der Blink-Theorie überzeugt. In vielen Fällen weißt du nach Sekunden, ob diese Person ins Team passt oder nicht. Bisher lag ich immer richtig. Dies ist auch etwas was ich gelernt habe. Achte auf dein Bauchgefühl. Wenn der Kandidat (bei uns sind es zu 90% Frauen gewesen – liegt am Thema) formal gut wirkt, doch dein Bauch dagegen ist, dann höre auf deinen Bauch. Wir haben mehrmals Leute eingestellt, weil der CV super war und die Antworten im Interview intelligent. Doch mein Bauchgefühl sagte mir, dass es nicht passt und am Ende war es auch so. Es gibt einfach vieles, was du nicht testen kannst durch Fragen. Wie harmoniert die Person mit dem Team? Wie begeistert ist der Kandidat von der Idee? Wird Herzblut für die Mission geopfert? Wie wird die Kommunikation und Zusammenarbeit klappen?

Ich möchte keinen Leitfaden für Interviews geben. Andere können das besser. Ich empfehle dir nur, achte auf das Gefühl in dir. Deswegen hier meine Empfehlungen

  1. Motivation ist wichtiger als Qualifikation.
  2. Motivation ist wichtiger als Erfahrung.

Genau, für mich ist Motivation alles. Teammitglied die mit Leib und Seele für dein Startup brennen, die sind viel wertvoller als top ausgebildete BWL Studenten von renommierten Universitäten, die eher opportunistisch getrieben sind. Nur mit der richtigen Motivation, entstehen neue Ideen, wird lange gearbeitet und auf Gehalt verzichtet.

Zwar gibt es Firmen hier in Berlin, die es mit der Motivation anderes sehen, denn deren Köder ist das Geld – was ich nicht ausgeben kann. Doch für alle anderen, die wenig Kapital haben, ihr müsst eure Kandidaten anders bei Laune halten.

FORMALE INTEGRATION

Nun hast du einen Kandidaten gefunden. Und jetzt? Du ahnst nicht, wie viele Leute erst ja sagen und dann nein, wenn sie von deinem Gehaltsangebot erfahren.

Aus meiner Sicht gibt es 2 Dinge: Geld und Art der Anstellung. Geld ist eine Frage deines Budgets. Zahlst du 1.000 € oder 3.000 € im Monat? Wovon machst du dies abhängig? Der Erfahrung, Motivation oder Qualifikation?

Jedenfalls kombinieren wir immer Gehalt mit Firmenanteile bei einer Festanstellung. Gehalt ist monatlich, die Anteile sind x %, 6 Monate Cliff, 4 Jahres Vesting und Option aus dem ESOP. Dies ist Standard und sollte in jedem Startup genutzt werden. Gebe Mitarbeitern nie direkte Anteile am Kapital (außer sie halten >15%), das gibt nur Ärger und kostet dich/euch Geld. Wer mehr wissen will zu diesem Thema, mir einfach schreiben.

Die Art der Einstellung ist auch variabel. Wir haben Werkstudenten, 400 €-Kräfte, Freelancer und Vollzeitmitarbeiter. Ich bin großer Freund von Freelancern für eine kurze Weile und mache dann gerne ein Angebot für eine Festanstellung. Hier muss man natürlich aufpassen, dass es alles legal bleibt (Risiko Scheinselbstständigkeit usw.). Einige Freunde haben mir empfohlen, nie unbefristete Verträge rauszugeben. Dies kann ich nicht bestätigen, da wir dafür zu jung sind um die Konsequenzen zu spüren. Time will show.

MAXIMAL 4 AUFGABEN FÜR DEN ANFANG

Lege gleich am Anfang maximal 4 Aufgaben fest. Sage deinem neuen Teammitglied, was du erwartest, wo die Ziele für das Quartal liegen und auch mittel- sowie langfristig. Gib einen klarer Aufgabenbereich vor und bombardiere den Mitarbeiter nicht mit Kleinzeug. Die Leute trauen sich anfangs nicht Nein zu sagen und das geht schnell ins Chaos über. Einige dich mit deinem Geschäftspartner darauf, wer von euch der zuständige Ansprechpartner für den neuen Mitarbeiter ist.

Anschließend setze Dailys auf. In den ersten Wochen finde ich es gut, wenn mir der Mitarbeiter jeden Abend ein Daily schickt. Dort steht drin, was heute alles erreicht wurde und was für morgen geplant ist. Es ist hilfreich um ein Gefühl zu bekommen, welche Aufgaben viel Zeit fressen ohne den Mitarbeiter ständig nach einem Status zu fragen. Auch hilft es dem Mitarbeiter sich zu strukturieren und Prioritäten zu setzten.

Ebenso nützlich sind JFs (Jour Fixe). Das ist ein fester (wöchentlicher) Termin, zu dem sich der Mitarbeiter mit seinem Chef trifft. Hier werden fachliche Dinge besprochen (Status der Aufgaben), Rückfragen gestellt, Entscheidungen eingefordert und auch persönliche Anliegen besprochen. Es ist wie eine Sprechstunde, die manchen Mitarbeiter sehr gut gefällt. Einmal die Woche in Ruhe über Probleme, Sorgen und Ängste zu sprechen kann spätere Krisen vorbeugen.

Abschließend rate ich auch zu 360° Feedbacks. Dies habe ich damals von Team Europe gelernt, wo jeder (vom Praktikanten bis zum Partner) regelmäßig bewertet wurde. Anfangs hat man Panik davor, doch irgendwann weiß man es zu schätzen. Man bekommt ein anonymes und umfassendes Feedback seiner Kollegen, Chefs und Mitarbeiter. Dieses Feedback holt der Vorgesetzte ein und er leitet auch das Gespräch. Wir machen so ein Feedback alle 3 Monate für neue Mitarbeiter im ersten Jahr. Das wird alles schön protokolliert und die Verbesserungen können dann über den Zeitraum verglichen werden.

NICHT ALLES ENDET SCHÖN

Mir wurde empfohlen nur über die guten Dinge von Personalführung zu schreiben. Über die andere Seite der Medaille (Kündigungen, Entlassungen, Verlust) will keiner schreiben. Es ist hier in Deutschland auch ein Minenfeld und Tabuthema. So viele Startups müssen regelmäßig Leute entlassen (Fab und Groupon sind prominete Beispiele). Kaum einer redet darüber, es wird still akzeptiert. Dabei halte ich dies für die schwersten Momente. Mitarbeiter zu verlieren kann das Startup in eine kritische Situation zu bringen. Die Risiken sind enorm (Vertrauensverlust, kulturelle Probleme, Wissensverlust, Geldverlust, Streit, negative PR und auch Verlust an Freunden).

Nun enden in Deutschland 50% aller Ehe nicht am Totenbett. Ähnlich ist es mit Mitarbeitern. Einige gehen. Sie ziehen um, studieren oder haben eine neue Stelle. Da kann man manchmal wenig machen.

Wenn ein Mitarbeiter gehen möchte (z.B. Wechsel des Studienortes oder sucht andere Herausforderungen), dann bemühen wir uns immer dem Kollegen entgegen zu kommen. Eine Option dafür ist ein Aufhebungsvertrag, damit der Kollege maximale Freiheit hat. Auch geben wir gerne Empfehlungen und Referenzen mit auf den Weg. Manchmal gibt es auch Situationen, wo beide Parteien merken, dass es nicht funktioniert. Hier legen wir viel Wert darauf, dass der Mitarbeiter anschließend eine neue Stelle findet.

Doch was ist mit den negativen Fällen? Ein Mitarbeiter belügt den Chef (meldet sich krank und geht dafür feiern), macht grobe Fehler (die viel Geld kosten) oder ist unbeliebt bei Kollegen? Manchmal muss man Entscheidungen treffen, die das Wohl der Firma und Teams über persönliche Interessen stellen. Dazu gehört es auch, dass Mitarbeiter wieder gehen müssen. Und was ist, wenn diese nicht gehen wollen? Ich habe es erlebt, dass Mitarbeiter sich einfach krank melden immer wieder, nur um sich um ihre Pflichten zu drücken. Tja, selbst wenn du deine Mitarbeiter dabei erwischt, hast du in Deutschland kaum Rechte als Arbeitgeber. Was Arbeitsrecht angeht, da leben wir hier im absoluten Sozialstaat. Mitarbeiter können eine Menge Mist bauen und tragen selten die Konsequenzen dafür. Die meisten Angestellten sind fantastisch, aber es gibt immer wieder schwarze Schafe. Ach, ich könnte viele Geschichten erzählen. Von Leuten, die Geld veruntreuten und danach für die Konkurrenz arbeiten, oder dreisten Dieben, Spionen und Drogenschmugglern. Doch bevor ich mich hier um Kopf und Kragen schreibe, gibt es Interna nur bei einem Kaffee.

ZU GUTER LETZT

Abschließend ein paar nützliche Hinweise und Anekdoten.

  • Google deine Bewerber. Du wirst vielleicht interessantes finden. Wir hatten das Glück und uns saß ein Playboy Playmate von 2003 gegenüber.
  • Rechne damit, dass einige Bewerber nie zum Termin erscheinen.
  • Gebe den Kandidaten vorher Aufgaben. Zum einem haben diese so die Chance sich vorzubereiten. Zum anderem bekommst du nützliches Feedback. Z. B. Analysen aus anderen Ländern oder Verbesserungen für deine Webseite.
  • Gib Leuten eine Chance, auch mit kaputten Lebensläufen. Diese Menschen werden dir lange dankbar sein und bringen sich viel mehr ein.
  • Warte lieber länger auf den richtigen Bewerber. Wenn anfangs niemand dabei ist, dann nimm keinen. Die falsche Person einzustellen kostet dich über 15.000 € an Personalkosten, Opportunität und Zeitverlust.
  • Nimm die Verrückten, die Außenseiter und Unnormalen (wie man das auch definiert). Sie werden dich überraschen, sind kreativer und passen vermutlich besser ins Team als man anfangs denkt. Denn sind wir Startupler nicht alle etwas durchgeknallt?

158.000 € in 38 Tagen – meine Erfahrungen mit Crowdfunding

Letzter Beitrag war über die Gewinnung von Business Angels. Vielleicht sogar interessanter ist es, dass wir unsere Erfahrungen mit Crowdfunding (oder auch Crowdinvesting) teilen. Dazu gibt es nur wenige Berichte und doch viele Fragen.

Vorab daher die wesentlichen Fragen: Für wen ist Crowdfunding etwas und was spricht dagegen? Worauf achten, wenn man sich eine Plattform auswählt? Wie läuft Crowdfunding eigentlich ab? Und noch einige nützliche Hinweise.

Als erstes entscheidest du, ob Crowdfunding überhaupt das richtige Finanzierungsmedium ist für dich.

CROWDFUNDING IST EIN KREDIT VON VIELEN KLEINSTINVESTOREN

Das Konzept ist, dass viele  Menschen kleine Summe bei euch in die Firma investieren. Es hat Ähnlichkeiten von einem IPO, wo du auch Leute brauchst, die Anteile der Firma kaufen. Für Crowdfunding brauchst du einen Plattformbetreiber. Jemanden, der die technische und rechtliche Abwicklung übernimmt. Sicherlich kannst du es alles selber organisieren, doch entsteht dadurch ein enormer Aufwand (besonders juristisch). Die Plattformbetreiber (wie z.b. Seedmatch und Companisto) haben die Erfahrungen, wie alles vertragliche sauber über die Bühne gehen sollte.

Am Ende hast du dadurch nur einen (Vertrags)Partner. Die Plattform. Nicht die Hundert Investoren, denn diese gehen auch nur einen Vertrag mit der Plattform ein. Die Betreiber dieser Crowdfundingseiten erhalten dafür eine Gebühr. Sie bündeln all die kleinen Summen und du erhältst dafür eine große Überweisung am Ende.

In unserem Fall wurde uns die Summe als Kredit (8 Jahre Laufzeit) zur Verfügung gestellt. Wir haben 158.000 € an Kredit erhalten. Davon ziehe ich die Gebühren (10% zzgl. MwSt) ab. Wir haben also netto 142.000 € bekommen. Entweder wir zahlen in 8 Jahren 158k zurück, oder die Investoren profitieren mit uns an einem Verkauf der Firma. Auszahlung an Dividenden ist natürlich ebenso möglich. Die Kreditgeber erhalten 15% von allem, was auch die Gründer kriegen (Verkaufserlöse oder Ausschüttungen).

Da es kein Eigenkapital ist, sondern ein Darlehen, gibt es keine Mitspracherechte für die Investoren. Aus Gründersicht daher ein großer Vorteil: Kapital ohne Mitsprache.

IST CROWDFUNDING DAS RICHTIGE FÜR MICH?

Crowdfunding ist eine neue Art der Finanzierung. Kaum etabliert und skeptisch beachtet von Business Angels und VCs. Auch wissen 99% der Leute da draussen nicht, was das alles wirklich ist.

Daher vorab mein Tipp: Macht Crowdfunding nicht aus Geldnot. Geld wird einfach nicht garantiert. Es kann viel werden oder auch wenig.

Hast du ein Produkt, was alle verstehen? z.B. gut für Crowdfunding sind Startups, die Endkonsumenten treffen, wie Wein, Versicherung, Joghurt oder Tee. Jeder muss das Produkt verstehen. Desto greifbarer die Idee, umso mehr Investoren gewinnst du.

Auch musst du bereit sein dich zu öffnen. Tausende Leute werden euch hinterfragen, eure Zahlen anzweifeln, euer Geschäftsmodell verneinen. Du musst mit der Presse sprechen, vor der Kamera stehen und kannst dich nicht mehr hinter deinem Macbook verstecken.

Und hast du ein gutes Netzwerk? Je mehre Leute du kennst, desto schneller geht die Kampagne voran. Entweder viele Kleinstinvestoren (aus der Schule, Uni, Arbeit, Sport, Familie) oder auch größere Investoren (berufliches Netzwerk). Du und dein Team, ihr müsst eine Menge Leute mobilisieren, denn es wird kein Geld vom Himmel regnen. Ausnahme natürlich, wenn du eine erstklassige Idee hast, welche ganz für sich alleine spricht.

Der letzte Entscheidungspunkt ist, willst du die Kontrolle behalten über deine Firma und trotzdem Geld für Wachstum erhalten? Dann ist Crowdfunding eine Möglichkeit für dich.

ZU WEM GEHEN UND WIE FANGE ICH AN?

Aus meiner Sicht gibt es nur zwei große Anbieter in Deutschland: Seedmatch und Companisto. Natürlich findest du dutzende weitere Plattformen, doch diese sind wesentlich kleiner.

  • Meine Empfehlung: schaue dir alle Anbieter parallel an. Trifft dich mit ihnen, stelle Frage, hole Referenzen ein. Erkundige dich wie Konditionen sind, der Ablauf, das Konzept und deren Reichweite.
  • Rede mit den Gründern der Plattform. Magst du sie? Sind sie dir sympathisch? Gibt es ein Vertrauensverhältnis?
  • Nach den ersten Gesprächen wird deine Idee geprüft. Wenn diese vielversprechend ist, bekommst du ein Term Sheet. Lass dich nicht unter Druck setzen. Gute VCs geben dir 4 bis 6 Wochen Zeit für Verhandlungen. Das ist fair. Wenn dir Jemand sagt “Term Sheet ist nur 1 Woche gültig”, dann ist dies künstlicher Druck. Aus meiner Sicht eine unsaubere Geschäftsmethode, denn wenn du Jemanden haben willst, dann wartest du auch. Ich habe bereits Bewerbern gesagt: “Hey, hier ist das Angebot. Entscheide dich wenn du magst. Wir warten auf dich.”
  • Lese die Verträge genauestens. Lasse diese vom Anwalt prüfen. Oft ist das Vertragswerk voller Kleingedrucktem und du hast nur Nachteile, wenn du nicht darauf achtest. Bedenke, dass der Crowdfundinganbieter diese Verträge bereits dutzende Male umgesetzt hat. Du noch nie.
  • Lasse dir auch vorher einen PR Plan geben. Frage ebenso nach Referenzen und welche Kontakte bestehen. PR ist super wichtig und der Anbieter muss diese beherrschen.
  • Schließe ein SLA (Service Level Agreement) ab, dass dir die Verfügbarkeit der Plattform garantiert wird. Du willst nicht, dass diese abschmiert, wenn mehr als 10 Leute zugleich bei dir investieren wollen.
  • Überprüfe auch vorher, ob Investitionen aus dem Ausland (z.B. der Schweiz) möglich sind.
  • Schau dir genau die Auszahlungsmodalitäten an. Es kann gut sein, dass du 1,5 Monate auf dein Geld warten musst, nachdem die Kampagne bereits abgeschlossen ist. Auch habe im Hinterkopf, dass es weniger Geld ist als geplant. Die Provision und Mehrwertsteuer wird abgezogen vorab.
  • Sprich mit erfolgreichen Startups. Frage nach deren Erfahrungen. Hole dir Referenzen ein.
  • Angeblich bekommst du bessere Bewertungen als bei Business Angels. Ich stimme dem nicht zu. Wäre ich bei Privatinvestoren geblieben, hätte ich mehr Geld zu einer besseren Bewertung bekommen können. Also wie ich schon sagte: mach es nicht für das Geld.
  • Beim Videodreh (ja, du brauchst eines). Mache ein Storyboard selber oder finde einen Dienstleister, welcher dich gut in Szene setzen kann. Es ist das Verkaufsvideo deiner Kampagne und hat ganz andere Anforderungen als ein Werbevideo, Kurzfilm, Doku oder Reportage. Prüfe den Dienstleister genau, sonst verliert du sehr schnell viel Geld. (So ein Video kann gut bis zu 10.000 € kosten).
  • Sprich vorher über die Laufzeit der Kampagne. Du glaubst es sind nur 30 Tage? Es kann sehr viel länger dauern.

ABLAUF CROWDFUNDING – SO GEHT ES LOS

Nun ein paar Worte, wie Crowdfunding genau abläuft. Denke dies ist nicht klar für jeden Leser.

  1. Wähle eine Plattform aus. Bewerbe dich. Wie immer am besten über ein Intro.
  2. Verhandle. Erhalte ein Term Sheet. Prüfe die Verträge. Unterschreibe.
  3. Erstelle ein Profil. Dies ist dein Investment Pitch. Bedenke, dass dieser öffentlich ist. Jeder kann es nun lesen. Schreibe über Team, Markt, dein Produkt.
  4. Mache tolle Fotos. Diese sind wichtig. Wir hatten Kopf&Kragen und waren sehr zufrieden. Hier nicht sparen, denn die Fotos wirst du immer wieder brauchen können.
  5. Du drehst ein Video. Die einen sagen, das Video ist sehr wichtig. Ich kann es nicht bestätigen. Bisher habe ich keine Korrelation zwischen Top-Video und Geld gesehen.
  6. Vor dem Start der Kampagne fängst du an Investoren zu suchen. Du willst gleich am Anfang einen “Anchor”Investor haben. Jemand, der ein positives Signal setzt. Dies sind 5.000 oder auch 25.000 €, die in den ersten Minuten eingezahlt werden.
  7. Du bist live. Idealerweise kombiniert mit PR (wir hatten einen Artikel auf Gruenderzene). Jetzt kannst du anfangen Freunde und Bekannte zu nerven.
  8. Die kommenden Wochen sehen dann so aus: Hunderte Fragen und Kommentare beantworten. Mit Leuten telefonieren, die später 25 € investieren. Emails beantworten, für die es 5 € gibt. Andere Leute erinnern. Konzept dutzendemal erklären. Ein paar Interviews geben, falls einer berichten will. Zusehen, wie langsam der Geldpegel steigt.
  9. Endspurt. Letzten Tage. Hier kommt noch einmal etwas zusammen. Bei uns war es der Sprung über die 100.000 € Marke. Alles geben, denn danach bist du durch.
  10. Ende. Auf dein Geld warten. Kann etwas dauern.

HINWEISE UND TIPPS – DIE VOR- UND NACHTEILE

Was sind nun die Vorteile vom Crowdfunding?

  • Du bekommst Geld, auch wenn du kein Netzwerk zu Business Angels oder VCs hast. Es ist also eine Geldquelle für Startups, welche noch kein Netzwerk haben. So gesehen finde ich diese Idee toll, denn es hilft Ideen zu finanzieren die sonst kein Geld erhalten würden, nur weil die Gründer neu in der Szene sind.
  • Es ist wie eine Wahl: Wer Sympathien erzeugt, der gewinnt. Es geht hier nicht um Leistung.
  • Es gibt PR Nebeneffekte. Mache es jedoch nicht für die PR. Da draussen interessiert keinen was Crowdfunding ist. Der “Hype” ist abgefahren.
  • Du bekommst viele kleine Investoren. Dies kann eines Tages nützlich sein.
  • Angeblich soll es bessere Bewertungen geben. Kann dies nicht bestätigen.

Und was spricht dagegen?

  • Nachfolgende Investoren sind skeptisch. Es kann also spätere Runden verhindern.
  • Du bist in der Öffentlichkeit und lässt die Hosen runter. Manche Leute stehen dadrauf, andere nicht.
  • Du kannst nicht planen mit dem Geld, denn es können 50.000 € werden oder 500.000 €. Total ungewiss.
  • Du muss mit einem Klingelbeutel rumlaufen. Keiner schenkt dir Geld nur weil du ein Video hast. Du wirst deine Freunde nerven und immer wieder um eine Spende fragen.
  • Deine Investoren haben wenig Ahnung von deinem Startup. Es sind keine Experten.
  • Du bist jetzt verschuldet. Gewöhne dich dran.
  • Und deine Freunde haben investiert. Die zählen auf dich. Also lebe mit dem sozialen Druck.

FAZIT – NACH EINER ERFOLGREICHEN KAMPAGNE

Ich fand die ganze Idee von Crowdfunding interessant. Ich habe sowas noch nie gemacht, jetzt bin ich um diese Erfahrung reicher. Doch gebe deine Illusion auf, dass die Plattform die Investoren holt. Man denkt, du gehst online und Geld kommt rein. Nö. Du musst die Investoren schon selber reinholen. 80% der Beiträge über 2.000 € kamen über unser Netzwerk. 40% der Gesamtsumme sind Freunde und Bekannte gewesen. Der Rest war Kleinzeug (mal hier 5 €, dort 200 €). Das ist natürlich gutes Geld. Die Leute sind engagiert und schreiben dir Emails, doch diese bringen nicht die großen Summen auf.

Abstrakt gesehen ist Crowdfunding nicht mehr als ein rechtliches Vehikel zu Bündelung von Kleinstinvestoren. Mit einem Anwalt und einer PR-Beraterin kannst du dies auch selber aufsetzen. Auf der anderen Seite würdest du nie 400 neue Investoren finden.

Es ist nicht billig. Eine Runde mit Business Angels kostet ca 5.000 € für Anwälte. Crowdfunding braucht Fotos (+ 500 €), ein Video ( + 2.000 €), Anwälte ( + 1.000 €) und die Provision für die Plattform. Uns hat es also gut 25.000 € in Summe gekostet. Ne Menge Geld. Und dies muss auch zurückgezahlt werden.

Ich kann jetzt noch nicht sagen, ob ich es gut oder schlecht finde. Wir bereuen es jedenfalls nicht. Doch zugleich ist es noch zu früh eine eindeutige Empfehlung zu geben.

Falls es eine Option für dich, dann schau dir meine Tipps an. Mach nicht die gleichen Fehler wie wir. Und bedenke auch, dass es natürlich Defokus ist. Wer Fundraising macht, kann nicht das Wachstum der Firma vorantreiben.