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Willkommen auf boostrapping.me

Ich freue mich über jeden Leser. Worum geht es? Nun seit gut 4 Jahren schreibe ich über meine Erfahrungen als Venture Capital Investor, Gründer, Business Angel, Chef und Mensch.

Und falls du kostenloses Feedback für deine Idee haben möchtest? Dann schreibe mir.

Podcast mit Joël Kaczmarek über den Status der künstlichen Intelligenz

Kuenstliche-Intelligenz-KI-Machine-Learning-Podcast-Fabian-Westerheide

Letzte Woche habe ich mit Joël Kaczmarek einen Podcast aufgenommen. Es war ein angenehmes Gespräch und wir sind in einige Themen tief eingetaucht.

Hier geht es zum Artikel auf digital kompakt.

00:00 – 07:29 | Vorstellung wie Asgard in KI investiert
07:30 – 11:25 | Wo findet KI als Disziplin statt?
11:26 – 15:10 | Was ist künstliche Intelligenz?
15:11 – 21:35 | Bots und die neuen Mensch-Maschine-Interaktionen
21:36 – 24:41 | Neuronale Netze
24:42 – 29:53 | Maschinenlernen
29:54 – 34:42 | Arbeitsmarktumwälzungen durch KI
34:43 – 36:33 | Smartphones als Katalysator für KI
36:34 – 41:41 | Künstliche Intelligenz und Datenschutz

Dazu die Themen:
Narrow AI
SkyNet vs. Wall-E
Bedingungsloses Grundeinkommen
KI-Pubertät
Kognitive Systeme

Mehr davon?

Die ersten 10 Jahre – Gewinnen, Verlieren und Lernen

2006-2016 Fabian Westerheide

Vor genau zehn Jahren erhielt ich mein Abitur, verließ das elterliche Nest und stehe im Real Life. Meine Jugendziele habe ich verfehlt und doch bin ich glücklich, zufrieden und habe viel gelernt. Ein Artikel über meine Erfahrungen und Erkenntnisse als junger Mann, Unternehmer, Autor und Reisender durch das Leben.

Seit zehn Jahren im Real Life

Diese Woche hat sich mein Abitur zum zehnten Mal gejährt. Es gibt eine kleine Zusammenkunft und für mich den Anlass, etwas zu reflektieren. Zehn Jahre, seitdem ich daheim ausgezogen bin und meine Füße nicht mehr unter dem Tisch meiner Eltern habe.

Das Schulleben war einfach. Die Eltern zahlten die Miete. Es gab einen fixen Ablauf, klare Regeln und ein vorbestimmtes Ziel (Abitur). So gesehen war es die Zeit meines Lebens mit der geringsten Verantwortung.

Der Jugendtraum Unternehmer zu werden

Während meines Abiturs waren meine Ziele und Wünsche klar: Ich wollte Unternehmer werden. Meine Eltern sind Unternehmer und ich kannte nie etwas anderes als lange Arbeitszeiten, Stress, Druck und kaum liquide Mittel.

Damals hatte ich die Vorstellung, dass Unternehmer zu sein bedeutet, man hätte eine Fabrik mit Fließbändern und vielen Mitarbeitern. Daraufhin wollte ich Kaufmann werden (also Betriebswirtschaftslehre studieren), um zu lernen wie man Firmen führt. Über die Beratung (Jobziel nach dem Studium) wollte ich dann verstehen, welche Industrien mich interessieren. Das Etappenziel wäre dann Private Equity gewesen, denn dort lernt man Firmen zu kaufen.

Bis zum Wendepunkt im Herbst 2010 legte ich meine Karriereplanung anhand dieses Wegs aus. Mein Vater gab mir mit auf den Weg:

Ziele findet man nicht, man setzt sie sich.

Der Plan: Promotion, Ausland und Heiraten

Im meinem Jahrbuch von 2006 steht so schön, dass ich in zehn Jahren:

Verheiratet bin, einen Master oder eine Promotion in St. Gallen erworben habe und in China arbeite.

Zum Abgleich der Zielerreichung kommen wir später im Artikel.

Ebenso war es mir wichtig zu reisen. Ich hatte meine Jugend auf dem Land verbracht und wollte da unbedingt weg. Und mit Land meine ich, dass der nächste Nachbar einen Kilometer entfernt war und man eineinhalb Stunden ins Kino brauchte.

Es kam vieles anders

Spulen wir jetzt zehn Jahre vor: Was habe ich aus meiner subjektiven Einschätzung bisher geschafft?

  • Ich habe 45 Länder bereist
  • Ich habe über 10.000 Start-up-Deals gesehen
  • Ich habe mehr als 100 Bücher gelesen und 500 Filme gesehen
  • Ich war in mehr als 30 Firmen involviert; als Geschäftsführer, CEO, Aufsichtsrat und Investor
  • Ich habe 2 Studienabschlüsse
  • Ich habe 250 Blogartikel und Veröffentlichungen geschrieben
  • Ich habe über 30 Vorträge gehalten

Ziele erreicht oder verfehlt?

Doch wollte ich dies vor zehn Jahren?

Ich bin nicht verheiratet.

Ich arbeite nicht in China.

Ich habe nicht promoviert.

Bis 2010 verlief alles nach Plan. Ich wäre heute verheiratet. Ich hätte promoviert und vielleicht würde ich auch im Ausland arbeiten.

Doch dann passierte im Herbst 2010 etwas, was ungeplant war. Ich machte ein Praktikum bei Team Europe und es verdrehte meine Welt. Zum einem verliebte ich mich in Berlin. Und dann fand ich meine Heimat in der wachsenden Tech-Start-up-Industrie. Diese Energie, diese Möglichkeiten und diese Kultur zogen mich sofort in ihren Bann.

Seitdem sind Promotion und Beratung passé. Die Promotionsstelle an der Universität St. Gallen lehnte ich ab, und fing stattdessen während meines Studiums bei Team Europe an. Ich habe es nie bereut.

Zehn Jahre in einer Grafik

Für meine Leser habe ich die letzten zehn Jahre als Grafik zusammengefasst.

Fabian Westerheide

Erkenntnisse der letzten zehn Jahre

Es ist eine interessante Übung gewesen. Mir fällt dabei das ein oder andere auf. Zum einem habe ich immer gearbeitet. Die Anzahl der Projekte ist größer, als ich sie aufgeführt habe. Das Studium war nie mein Hauptfokus.

Zudem mache ich immer mehr als eine Sache. Es hat mich jahrelang irritiert, doch dann las ich das Buch: „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast.“ Seitdem weiß ich, dass ich normal bin mit meinen unzähligen Interessen und dieser tiefen Neugierde, ständig etwas zu lernen.

Und wenn wir schon beim Lernen sind. Lernen hört nicht mit dem Studium auf. Ich lerne jeden Tag. Ich lese inzwischen sogar mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen als während des Studiums. Man lernt nie aus.

Ebenso diskutiere ich gerne und teile mein Wissen. Früher war ich aktiv in der Jungen Union und später in diversen Studentenparlamenten. Heute schreibe ich meine Blogartikel und bin immer wieder als Redner auf der Bühne.

Sport war schon immer wichtig, doch nachdem ich im Voltigieren alles erreicht hatte (D-Kader, Deutsche Meisterschaften), brauchte ich Jahre, um wieder neue Sportarten zu finden. Rückwirkend weiß ich, dass kein Sport einen negativen Einfluss auf die Psyche hat.

Single zu sein in Berlin war fabelhaft und anstrengend. Und ich vermisse es nicht.

Seit einiger Zeit arbeite ich aktiv daran, glücklich zu sein. Vorher habe ich mich von meinen eigenen Zielen getrieben gefühlt. Heute habe ich mir meine Welt so gebaut, dass ich mit Leidenschaft jeden Tag den neuen Herausforderungen nachgehen kann.

Ich habe gewonnen und verloren

Ich liebe Asgard. Ich liebe diesen Blog. Ich liebe es, öffentlich zu sprechen. Ich genieße es, klassische Musik auf dem Klavier zu spielen. Ich habe Vergnügen beim Salsa tanzen und Paintball spielen. Ich liebe meine Freunde und Familie.

Natürlich habe ich auch verloren in den letzten Jahren. Einiges davon habe ich im Blog thematisiert. Ich habe dutzende Bewerbungen geschrieben und Interviews bei Beratungen gehabt. 0 Angebote gab es.

Ich habe Pleiten von Start-ups und Firmen erlebt.

Ich habe Freunde, Geschäftspartner und Beziehungen verloren.

Ich wurde bestohlen, betrogen und belogen.

Doch wer hat das nicht erlebt?

Natürlich habe ich auch viel gewonnen: Erkenntnisse, Erfahrungen, Liebe, Erinnerungen und innere Ruhe.

Wie ich es heute sehe

Was ist nun mein Fazit und was würde ich meinem jüngeren Ich auf den Weg mitgeben? Was habe ich gelernt oder empfinde ich anders, heute, zehn Jahre später?

Ich würde mir nicht einreden lassen, dass man nur eine Sache machen kann. Ich empfehle jedem Schulabgänger da draußen, herauszufinden, was ihn wirklich begeistert. Jeder Tag ist kostbar und man sollte sehr genau überlegen, wofür man seine Lebenszeit opfert. Entdecke Deine Leidenschaften und lebe sie aus.

Ansonsten ist das Real Life härter als ich dachte. Es ist anstrengend, und als Kind unterschätzt man dies. Man muss Miete zahlen, Essen auf den Tisch bringen und später eine Familie versorgen. Es wird von einem erwartet, immer kluge Entscheidungen zu treffen und an die Zukunft zu denken. Wir werden dazu erzogen, mehr im Morgen zu leben als im Heute zu sein.

Ich habe beobachtet, dass Freunde und Familie einen ein Leben lang begleiten, doch Firmen & Arbeitsplätze kommen und gehen. Es war eine schmerzhafte Erfahrung für mich, die Prioritäten richtig zu setzen.

Ebenso sind Menschen der Schlüssel zu vielem. Menschen bringen einem etwas bei. Menschen inspirieren uns. Menschen helfen Dir beim Träumen. Menschen geben Dir Ratschläge, wenn Du Hilfe brauchst. Mit Menschen hast Du Spaß und Freude. Umgib Dich mit Menschen, die voller positiver Energie sind, und halte Dich von negativen Menschen fern.

Die Welt besteht aus Netzwerken. Ohne Netzwerk ist es sehr schwer, Erfolge zu haben. Bis heute habe ich keine Tätigkeit über eine klassische Bewerbung bekommen. Alles lief über Kontakte, die ich mir selber aufgebaut hatte (Netzwerk ist alles).

Such Dir nie einen Job, sondern einen Beruf. Beruf kommt von Berufung und ist Teil Deiner Selbstverwirklichung.

Es gibt Höhen und Tiefen. Es gibt helle und dunkle Tagen. Manchmal dauern die dunklen Tage Wochen und Monate. Doch sei Dir sicher, irgendwann wird es wieder hell (die dunkle und helle Seite des Unternehmerlebens).

Geld macht nicht glücklich. Geld ist ein Tauschmittel für Lebenszeit. Vieles da draußen ist unbezahlbar, überteuert oder kostenlos.

1 % ist die Idee. Ideen sind einfach. 99 % sind Fleiß, Schweiß und etwas Glück. Die Umsetzung zählt, genau wie das richtige Timing und das passende Team.

Wenn sich etwas wie Arbeit anfühlt, dann versuche es, durch Maschinen zu ersetzen. Lasse die Maschinen für Dich arbeiten.

Das Leben ist nicht das Erreichen von Zielen, sondern der Weg dahin.

Erinnerst Du Dich noch an Deine Träume aus der Schulzeit?

Wie ist Dein Resümee der letzten zehn Lebensjahre?

Auf weitere zehn ereignisreiche Jahre.

Weitere Artikel zu dem Thema:
Gleichgewicht bewahren
Selbstmanagement
Über den eigenen Schatten springen
Lass Dich fallen
Kosten, die ein Unternehmer persönlich trägt

Venture Capital Summer Analyst 2016 – Praktikum in Berlin

Praktikum Venture Capital Berlin

Ich sage gerne, dass der geilste Angestelltenjob den ich hatte, die Zeit als Venture Capital Associate bei Point Nine Capital war. Ich habe ungemein viel gelernt, eine Menge Spaß gehabt, tolles Team, super Chefs und viele Freiheiten.

Wenn dich eine Karriere oder Zwischenstation im Venture Capital ebenso interessiert, habe ich ein paar Tipps zusammengeschrieben (So schaffst du den Einstieg in Venture Capital). Ansonsten kann ich dir als Leser meines Blogs natürlich auch unsere neuste Ausschreibung ans Herz legen: Venture Capital Summer Analyst (zum Stellenprofil).

Wir suchen also einen Super-Praktikanten. Wieso? Nun zum einem habe ich selber so angefangen. Während meines Studiums hatte ich die wunderbare Möglichkeit bei Team Europe zusammen mit Lukasz Gadowski, Steffen, Kolja und Pawel ein Praktikum zu machen. Es fühlte sich nie so an. Die Lernkurve war steil. Die Aufgaben spannend und es war der Anfang von Allem. Seitdem war ich in über 30 jungen Firmen als Gründer oder Investor beteiligt gewesen. Ich bin mir sicher, dass hätte ich dieses Praktikum nicht gemacht, dass ich heute vielleicht noch an einer Promotion schreiben würde oder in einer Strategieberatung festsitzen würde.

Venture Capital Summer Analyst 2016 Berlin

Nun aber zur Stelle. Was bieten wir? Nun zum einem tiefe Einblicke in die Dynamik von Venture Capital. Wann steigt man ein (Finanzierungsphasen), wie schreibt man Term Sheets (Term Sheet Basics), worauf achtet man bei Wandeldarlehen (Convertible Loans) oder wie man ein Startup bewertet (Bewertung für Startups).

Ebenso den rechtlichen Aufbau einer Venture Capital Firma (Bafin Teil 1 und Bafin Teil 2), die wirtschaftlichen Hebel, das interne Fundraising, Investorenmanagement, Portfoliomanagement, Due Dilligences, Screening, Businesspläne, Pitchdecks und so vieles mehr.

Wer auch immer die Stelle bekommt, der kann sein persönliches Netzwerk ausbauen zu anderen Investoren und Startups, versteht Märkte und Geschäftsmodelle besser und sammelt wertvolle Erfahrungen.

Wonach suche ich also? Mir ist Alter, Gender, Ethnie egal. Hauptsache die Person ist smart, kühn, analytisch und zugleich etwas kreativ. Jemand der Probleme lösen kann, Konzepte versteht und sich sehr schnell in neue Situationen denken kann. Es ist ungemein schwer die Person in Worte zu fassen, dass es keine Eierlegendewollmichsau unter Menschen gibt. Daher bin ich neugierig und gespannt darauf, was auf uns zukommt.

Wie läuft der Prozess ab? Jeder Bewerber bekommt von mir 3 Fragen (plus eine Bonusfrage). Die Antworten beinhalten analytische, strategische, kreative und philosophische Elemente. Die besten 10 Bewerber werden zu einem Interview vor Ort oder Skype/Facetime/Hangout eingeladen. Danach wird entschieden.

Die Basics sind: 3 Monate, Startzeitpunkt flexibel, bezahlt, kein festes Büro. Da ich 50 % meiner Zeit unterwegs bin bei Startups, sitze ich selten am gleichen Ort.

Was kann der Bewerber (oder Bewerberin) mitbringen? Idealerweise Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz und Startups. Doch das ist nice-to-have.

Praktikum Venture Capital Berlin

Das war: Rise of AI 2016 – Videos & Zusammenfassung

Rise of AI

Am 25.02.2016 war ich erstmalig Gastgeber zu Rise of AI – the Singularity might be closer than you think (die Einladung für meine Leser). Es war ein toller Abend. Bis auf den letzten Sitz war der Raum voll. 100 Gäste sind gekommen, eine bunte Mischung von Investoren, Gründern, Denkern, Journalisten oder Konzernleuten.

Es hat mich ungemein gefreut alte Gesichter zu sehen und neue kennen zu lernen. Für alle die nicht dabei sein konnten, habe ich extra eine Kamera aufstellen lassen.

Video 1 – Einführung von Fabian Westerheide

Was bedeutet für dich die Singularität?
Wieso erschaffen wir Maschinen, die uns ersetzen?
Was machen wir, wenn es keine Arbeit mehr gibt?

Video 2 – Ronnie Vuine – Intelligence Automation

Über die Singularität zu reden ist schwer, besonders wenn man diese nicht sehen kann.
Seit 300 Jahren sind wir auf einer exponentiellen Kurve des Technokapitals. Intelligenzen sind notwendigen um Systeme zu steuern. Daher braucht das Technokapital die perfekte Intelligenzautomation.

Video 3 – Prof. Dr. Danko Nikolic – AI-Kindergarten

Danko ist Hirnforscher. Er versucht das Problem der ersten allgemeinen künstlichen Intelligenz über die Biologie zu lösen. Er sagt, dass wir Menschen es nicht schaffen werden, eine Menschen-vergleichbare intelligente Maschinen zu erschaffen. Dafür fehlen uns die 9 Milliarden Jahre Erfahrungen der Evolution.

Video 4 – Ehssan Dariani

Ehssan, welcher 1986 als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland kam, spricht über den sozialen und wirtschaftlichen Einfluss von künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft. Er rät zur Geduld, um den Wandel zu sehen. In 20 Jahren werden die meisten Menschen den Lebensstandard haben, den heute sich nur die oberen 1 % leisten können. Dafür empfiehlt er eine höhere Besteuerung von Milliardären, das bedingungslose Grundeinkommen und die Legalisierung von berauschenden Substanzen.

Video 5 – Jan Klauck

Jan gibt eine Zusammenfassung wie man künstliche Intelligenzen in unsere Gesellschaften integrieren kann.

Video 6 – die Diskussion um künstliche Intelligenzen

Alle Redner, der Moderator Samim Winiger und das Publikum diskutieren folgende Fragen:
Müssen wir die Evolution von Intelligenz verstehen und eine allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) zu erschaffen?
Wie wird die Welt in 50 Jahren aussehen?
Wie beeinflusst Technologie die Politik der Gegenwart?
Was sind die wichtigsten neusten Technologien?
Welche Auswirkungen hat eine Verlangsamung von Moore’s Law?
Wie wird sich die Automatisierung von Intelligenz auf menschliche Arbeit auswirken?

Ich freue mich auf die nächste Veranstaltung dieser Art. Wenn du dabei sein willst, dann schicke mir eine email an f@bootstrapping.me und ich lade dich das nächste Mal direkt mit ein.

Wenn der Staat Excel benutzt – BaFin Meldepflichten für AIF-Verwaltungsgesellschaften

XML Datei für AIFM Meldung

Die BaFin-Meldepflicht für Venture-Capital-Firmen ist ein unschönes Beispiel für Technologiebürokratie. Ich erkläre Dir, wie Du in 4 Schritten deine AIF-Meldung einreichst und gebe frustrierte Hilfestellung.

Seit 2014 unterliegt europäisches Venture-Capital der Aufsicht der jeweils nationalen Bundesanstalt für Finanzaufsicht, kurz BaFin.

Um der BaFin nach § 44 KAGB

eine effektive Überwachung der Systemrisiken zu ermöglichen

müssen deutsche Kapitalgeber (VC = KVG + AIF, wie Du eine Venture-Capital-Firma gründest) regelmäßig ein Reporting einreichen.

Theoretisch gesehen möchte die BaFin wissen, mit welchen Vermögenswerten man handelt, wie das Risikoprofil der Firma ist und wie es um die Liquidität steht.

In 4 Schritten kommst Du Deiner Meldepflicht für AIF-Verwaltungsgesellschaften nach.

1. Registriere Dich auf dem BaFin MVP-Portal.

 Anmeldung BaFin MVP Portal

2. Reiche eine Meldung ein.

 Meldung einreichen

3. Lade die AIFM-Berichtswesen-Meldedatei (XML im .gz-Dateiformat) hoch.

 Datei hochladen

4. Prüfe in den Protokollen, ob die Meldung akzeptiert wurde.

Protokoll prüfen

Nun kommen wir zu der eigentlichen Geschichte des Bürokratieterrors. Ich halte den ganzen Reportingprozess für ein unschönes Beispiel für deutsche Technologiebürokratie. Für mich als User ist es von der Usability und User-Experience absolut ätzend. Die Conversion ist nur positiv (siehe Fehlermeldungen weiter unten), weil ich vom Gesetz her verpflichtet bin. Leider gibt es kein Gesetz, das vorschreibt, welche Mindeststandards von CSS, HTML und User-Interfaces es für staatliche Software geben sollte. ELSTER ist dagegen ein Kinderspielzeug.

Ich halte die Idee von einer Digitalisierung von Zahlungs-, Währungs- und Vermögensströmen für richtig. Die Aufgabe der BaFin ist es, genau dies in Echtzeit zu beobachten, zu bewerten und Systemrisiken rechtzeitig erkennen zu können. Doch die Execution ist mies: Technisch veraltet, keine APIs, total ineffizienter Prozess, zeitlich mit einer Verzögerung von Jahren statt Sekunden. Sorry BaFin, dass müsst Ihr deutlich besser machen. Ich helfe Euch da gerne aus. Meine E-mail-Adresse habt Ihr.

Fangen wir damit an, dass man alle Informationen nur über ein Merkblatt (Merkblatt zu den Meldepflichten von AIF-Verwaltungsgesellschaften mit Geschäftszeichen WA 41-Wp 2137-2013/0035) bekommt.

Kannst Du gerne lesen, wenn Du wissen möchtest, wie ein Finanzbeamter versucht, die nationale Finanzwirtschaft in einer Excel-Tabelle nachzubauen.

Als nächstes brauchst Du die Beispiel-XML-Dateien. Die XML kannst Du mit einem Texteditor öffnen.

So sieht die Datei aus:

XML Datei für AIFM Meldung

Dies ist nun Deine Vorlage für ein Reporting.

Du musst nun die XML-Datei an den richtigen Stellen ausfüllen. Dafür gibt es diese kommentierte XML-Datei einer AIFM-Meldung als PDF.

Nun geht es um das Fehlersuchen. Erst, wenn die XML-Datei in ein .gz-Format gewandelt wurde (ich verwende dafür Keka), kannst Du diese auf dem MVP-Portal hochladen.

Vermutlich bekommst Du nun solche Fehlermeldungen oder andere:

BaFin Fehlermeldungen

Erst nach dem Hochladen erfährst Du also, ob Du die XML technisch korrekt ausgefüllt hast. Die Fehlermeldungen sind nicht selbsterklärend, daher kannst Du nun nach den AIFM-Fehlercodes suchen.

Nach nun einigen Schleifen von Fehlern – Suche – neue Meldung einreichen – neues Hochladen – Prüfung– bekommst du hoffentlich diese Meldung:

Hochladen erfolgreich

Nun bist Du noch nicht fertig. Als nächstes schaust Du Dir Deine Protokolle an und siehst womöglich erneut Fehlermeldungen:

Fehlermeldungen MVP

Das gleiche Spiel von vorne, bis Du auch hier eine grüne Meldung hast.

Aus meiner Sicht ist dies ein super umständlicher Prozess, ein Reporting abzufragen für Menschen, die eigentlich in der Finanzbranche arbeiten. Auf Rückfragen verweist die BaFin übrigens auf externe Dienstleister. Diese gibt es ab 2.800 € pro Berichtsjahr – auch eine Art von IT-Support.

Wenn Du es bis hierhin geschafft hast, bist Du vermutlich genauso genervt von der BaFin-Meldepflicht wie ich oder Du freust Dich, dass Du zum Glück keine Reportings einreichen musst.

Wenn du eine Vorlage für dein Reporting brauchst, dann schreibe mir eine Email an f@bootstrapping.me.