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Willkommen auf boostrapping.me

Ich freue mich über jeden Leser. Worum geht es? Nun seit gut 4 Jahren schreibe ich über meine Erfahrungen als Venture Capital Investor, Gründer, Business Angel, Chef und Mensch.

Und falls du kostenloses Feedback für deine Idee haben möchtest? Dann schreibe mir.

Venture Capital Firmen sind die Banken der Zukunft

Wohin geht die Reise?

Du investierst gerne oder hast Spaß daran Startups zu fördern? Ich habe über das Gründen und Venture Capital geschrieben. Heute möchte ich erzählen, wieso es jetzt eine spannende Zeit für (neue) Investoren in unserer Industrie ist.

Ich glaube, dass eines Tages Venture Capital Firmen das Vakuum auffüllen, das Banken hinterlassen haben. Das es einen Ort gibt, wo unser Geld vermehrt wird; Unternehmer Kapital erhalten für Wachstum und Wagnis.

Früher gab es noch den Stand des Bankiers (mein Großvater war einer). Diese stattlichen Herren waren oft für Jahrzehnte Wegbegleiter von Unternehmen. Lange bevor es die Generation von Investment Bankern gab, die nur auf Quartalsrendite der Profitmaximierung aus sind.

Heute sind Banken kaputt. Jemand anderes muss die neue Generation an Unternehmen fördern und finanzieren.

Und wieso eigentlich jetzt? Es gibt unzählige Ideen. Es kostet so wenig wie nie zuvor eine Idee zu testen. Es gibt zahlreiche Unterstützungen für Gründer. Zudem tummelt sich viel Frühphasen-Geld im Markt und zugleich gibt es zahlreiche strategische Käufer.

Jeder kann seine Idee testen

Heute kann jemand seine Idee viel günstiger in die Realität umsetzen als noch vor 10 Jahren. Ein Arduino Board mit Sensoren kann man für 50 $ kaufen. Eine Landingpage mit WordPress ist kostenlos. Adwords ist super einfach zu bedienen. Kosten für Traffik und Server sind radikal gesunken.

500 € MVP. 150 € für eine UG. Etwas Marketing und schon kann man aus der Idee die Realität im kleinsten Rahmen testen.

Da es weniger Kapital braucht eine Idee zu testen, können es mehr Leute wagen. Niemand muss sofort seinen Job verlassen. Es reicht oft aus, wenn gute Ideen im Kopf reifen und am Sofatisch umgesetzt werden.

Und selbst wenn man etwas programmieren muss, kann man heute schon für geringes Geld Entwickler überall in der Welt finden. Informationen sind kostenlos, und Ressourcen daher global erreichbar.

Ungeheuer viel Wissen ist verfügbar

Die Schwemme an Inkubatoren und Acceleratoren ist das Resultat, dass unsere Szene zu einer Industrie reift. Hinter uns liegen inzwischen zahlreiche Jahre, in denen wir Krisen hatten (99/00) und auch Erfolge (Xing, United Internet, Zanox, Zalando, Brands4Friends). Daher gibt es unzählige Gründer und Investoren, die viel erfahren haben. Dieses Wissen wird weitergegeben. Durch Kapital und Know-How (Company Builder) oder Netzwerk und Schulungen (Accelerator). Alles fördert Unternehmertum und Teams.

Dazu gibt es zahlreiche Förderprogramme der Universitäten und Gründerszentren.

Es ist leichter denn je für Teams an erstes Geld zu kommen, Büro, Mentoren und Netzwerk zu erhalten.

Deswegen gibt es mehr Kapital

Jedes Jahr ist leicht besser geworden (siehe Chart).

Wachstum Venture Capital

Seit 12 Jahren steigt das Kapital an, was in junge Startups fließt. Nur wenig davon hier in Deutschland, doch auch wir spüren den Trend.

Doch mehr Ideen für weniger Kosten, bedeutet auch mehr Firmen die analysiert, finanziert und betreut werden müssen. Daher wachsen Venture Capital Firmen wie Point Nine Capital, Earlybird und Index Ventures ständig (falls du noch eine echt spannende Tätigkeit suchst – das ist der geilste Job den es gibt für Einsteiger in die Industrie).

Ebenso sind immer mehr Angels aktiv. Viele Gründer die etwas reinvestieren wollen, sowie Branchenfremde (Anwälte, Steuerberater, Family Offices) schreiben Schecks zwischen 10.000 und 150.000 €.

Ebenso mischen inzwischen die Konzerne mit. Telekom, Samsung, CocaCola und Axel Springer haben offizielle Startup Förderprogramme. Intel, Google, Bosch betreiben eigene Venture Capital Firmen.

Das ist nur gut. Mehr Geld + mehr Gründer = höhere Anzahl an erfolgreichen Unternehmen

Investoren können auch Kasse machen

Geld zu verdienen ist für Investoren ein notwendiger Anreiz. Keiner verschenkt etwas. Daher muss eine Firma, die Kapital aufgenommen hat, entweder ihre Anteile käuflich machen (z. B. Börsengang) oder seine Investoren ausbezahlen (neuer Investor oder strategischer Partner).

Es gibt inzwischen genug Käufer. In allen Branchen werden Startups gekauft. Bayer (Chemie) hat einen Inkubator, Daimler (Autos) finanziert car2go, Merck (Pharma) kauft LifeScience Startups, Axel Springer (Medien) erwirbt KaufDa.

Oder man geht an die Börse: Facebook, Twitter, Xing und inzwischen Zalando und Rocket.

Alternativ kann man seine Firma natürlich auch behalten. Auch wir brauchen einen deutschen Internet Mittelstand in 20 Jahren.

Neue Märkte zum investieren

Persönlich würde ich derzeit alles meiden, wo die Märkte bereits reif sind und es zahlreiche Kapitalgeber gibt. Überall wo es Erfolge gab (ecommerce, Marktplätze, Gaming) sind die Preise hoch und die Renditen geringer.

Man verdient auf zwei Arten Geld: Der Erste sein oder der Letze. Das gilt für Gründer sowie für Investoren.

Daher empfehle ich Investments in anderen Bereichen. LifeScience und Biotech sind große Zukunftsfelder. Alle Menschen wollen länger leben und daraus entsteht eine gigantische Industrie von der Lebenserhaltung (Pharma) bis zur Lebensverlängerung (Prävention, Modifikationen, Genetik).

Hardware (Internet of Things) finde ich persönlich spannend. Derzeit hat jeder Haushalt im Schnitt 5 Geräte. In 2020 werden es über 50 Geräte sein (von Kühlschränken bis Spiegel) die mit dem Internet verbunden sind. Hier entsteht enormes Potential für tausende neue Gründungen rund um Drohnen, Automation, Machine-2-Machine Kommunikation, Robotics und Home Security.

Zusätzlich kann man in das Ökosystem investieren. In jeder Technologiewelle haben sich die Dienstleister zeitversetzt entwickelt. Erst gab es die Goldgräber im Flussbett am Yukon. Später kamen die Hotels, Casinos, Banken und Schaufelverleiher. Daher wird es auch für uns Bedarf geben an zeitgemäßen Bildungsprogrammen, Lobbygruppen, Marketingagenturen und Personalberatungen. Überall wo sich Wegbegleiter bilden, kann strategischer und monetärer Wert erschaffen werden.

Venture Capital sind die Banken der Zukunft

Banken haben in erster Linie geholfen das Land nach dem Krieg wieder aufzubauen und zu finanzieren. Zwei Generationen von Unternehmern sind mit Banken groß geworden – von Aldi bis Rossmann.

In den USA gab es schon immer Wagniskapital. Dort gehen Unternehmen auch eher an die Börse, weil dieser Exitkanal wichtiger ist, als ein jährlicher Zins.

Welche Bank fördert hier die Unternehmer von morgen? Welche Banken standen Schlange um Firma wie BigPoint, DeliveryHero oder SoundCloud mit Krediten zu versorgen? Banken versagen, wenn es darum geht, Unternehmertum in diesem Land zu stützen. Und dies hinterlässt ein riesiges Loch. Jede Industrie braucht Kapital zum wachsen. Bisher kam es von Banken; jetzt nicht mehr.

Jeder weitere Euro den ein Venture Capitalist (VC) investiert, hilft der Industrie. VCs erfüllen inzwischen bereits mehr als nur die Kapitalbereitstellung. Sie öffnen einem das Netzwerk, unterstützen Gründer aktiv mit Know-How und nehmen sich persönlich viel Zeit. Und vor allem sind VCs deutlich unternehmerischer und fördern die Visionen von jungen Unternehmen. Sie denken BIG und nicht SICHER.

Und Banken haben auch klein angefangen: Berenberg 1590, Warburg 1798 und die Fugger im 16. Jahrhundert. Doch heute sind die meisten Banken Monster geworden wie die Deutsche Bank, UBS oder Goldman Sachs.

Vielleicht werden VC Firmen irgendwann eine etablierte Institution sein wie früher die Banken. Ein Unternehmen was seinen Kunden Kapital sowie eine Dienstleistung bietet. Eine Branche, die ihren Teil dazu beiträgt, dass das Leben aller Menschen durch Technologie besser wird.