MVP: von Konzept zum Livegang in 6 Wochen

Weiter geht es mit meiner Serie über die eigene Gründung. Ich hoffe damit andere angehende Gründer zu inspirieren, Diskussion anzuregen und offen über Fehler zu sprechen. Der letzte Beitrag waren die ersten 6 Wochen. Jetzt geht darum, dass eigentlich Produkt zu bauen.

Ein Marktplatz ist einfach zu bauen und schwer groß zu bekommen

Zuerst mussten wir festlegen, wie das Produkt überhaupt aussehen soll. Ziel war es, dass wir eine Seite bauen, wo Frauen tolle Brautkleider finden. Tja, leichter gedacht als getan. Dazu brauchten wir natürlich Hochzeitskleider, demnach eine Funktion für Händler und Privatpersonen, damit diese ihre Brautkleider online stellen können. Wir wollten von Anfang an einen Marktplatz erschaffen aus diversen Gründen

  • Markplätze brauchen kein eigenes Inventar. Dies spart Cashflow für Working Capital.
  • Marktplätze benötigen wenige Mitarbeiter. Daher geringere Personalkosten.
  • Marktplätze sind sehr mächtig, wenn sie erstmal groß sind (schaut euch ebay an).
  • Doch Marktplätze sind sehr schwer groß zu bekommen, denn es bedarf einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage.

Aas nächstes erstellten wir ein Konzept. Legten die Features fest, die zu programmierenden Seiten, den Aufbau und die Navigation.

Konzept

Wie du siehst, ist mehr im Hintergrund, als man denkt.

Der Plan war die Seite komplett zu bauen und dann live zu gehen

Als nächstes mussten wir einen Designer suchen. Für das Konzept wie du es siehst, verlangten die meisten Agenturen 15.000 € bis 30.000 €. Das wollten wir natürlich nicht zahlen. Wir haben am Ende einen talentierten und ambitionierten Designer gefunden, den ich euch gerne empfehle.

Jedenfalls war unser Plan für die nächsten Monate folgender:

  1. Produkt entwerfen
  2. Mockups bauen
  3. Designen
  4. Programmieren
  5. Live gehen und testen

Anfangen wollten wir mit einer Launch Page und dann anschließend die komplette Seite live schalten.

Launchpage

Nach 6 Wochen live

Die Realität war jedoch, dass wir nach 6 Wochen live waren. Wir hatten nichtmal eine Launch Page online gestellt. Wieso und Wie? Nun, während ich die Mockups baute, programmierte mein Mitgründer die Seite (komplexer als du denken magst, denn es gibt keine Vorlagen für Marktplätze). Und als ich ein paar Tage später von Designer einen ersten Entwurf bekam, ging dieser sofort an einen befreundeten HTMLer. Dieser baue uns die Landing Page für “Brautkleid verkauf” und wir schalteten diese online. Sofort natürlich mit einer adwords Kampagne verbunden. Das Ergebnis war, dass wir in weniger als 6 Wochen einen proof of concept hatten: Frauen stellen ihre Brautkleider online.

Dadurch hatten wir Möglichkeiten zum testen. Wir konnten den Funnel optimieren, erste Feedbacks einsammeln und diese direkt in den Rest der Seite einbauen. Ich finde es recht lustig, dass wir live gegangen sind, bevor der Designer überhaupt mit seiner Arbeit fertig war. Ok, hatte auch einige Nachteile. Dadurch waren grafische Elemente (inkl. Farben und Schrift) nicht ganz einheitlich, dass mussten wir später korrigieren.

Mockup vs. Design vs. Realität

Vieles geplant und teilweise umgesetzt

Nun, in dieser Phase haben wir natürlich einiges mehr geplant bis zum Livegang. Worauf also verzichten und es dann später nachholen?

  • Die Kundenkommunikation war anfangs nicht optimal, aber inzwischen läuft sie gut (Design der Mails, Texte, etc.)
  • Social haben wir erst 3 Monate später angefangen (Facebook, Twitter und Co)
  • Die Automatisierung von Prozessen klappte von Anfang an ganz gut.
  • Preise haben wir teilweise erst vor kurzem eingeführt. Es dauerte länger als geplant.
  • Die Vertriebsstruktur ist anderes gekommen, als wir es wollten.
  • SEO war von Anfang ein Fokus, doch die Umsetzung dauerte Monate (Schritt für Schritt)
  • Gewisse rechtliche Strukturen (z.B. die Gründung von SPVs) waren bis heute nicht notwendig.
  • Und PR haben wir bisher auch keine gemacht. Wieso auch? Unsere Devise: lieber handeln als darüber reden.

Mockup vs. Design vs. Realität

1 Jahr später

Wie sehe ich es nun ein Jahr später?

Ein Startup ist eine Folge von tausenden kleinen Schritten. Aus Erfahrung sind einige planbar, doch es kommen immer neue dazu. Jeder Schritt kann ein Fehler bedeuten. Es muss schon sehr viel richtig laufen, damit man ein Jahr später noch existiert. Einige Fehler konnten wir ausgleichen, doch ohne fremdes Geld ist der Spielraum begrenzt. Wir sind in einem Jahr weiter gekommen als angenommen (was Wachstum angeht) und haben mehr investiert als wir vor 12 Monaten planten und gleichzeitig weniger Geld ausgegeben, als wir vor 6 Monaten wollten.

Ich würde es erneut so machen

Ich bin recht zufrieden mit dem Tempo. Wir haben sehr viel Fokus auf das Produkt gewidmet. Bis heute gehen die meisten Ressourcen in die Entwicklung der Plattform, in die Verbesserung der Usability, Steigerung der Conversions und Optimierung der Onpage für Google. Wir sind so schnell wie möglich live gegangen um zu testen, testen, testen. Seit dem haben wir nonstop am Produkt gebaut und alle Verbesserungen später nachgeschoben. Das ist einfach der Vorteil an einem Webprodukt. Es ist kein Auto, was einmal fertig sein muss und danach nicht mehr korrigiert werden kann.

Etwas mehr Planung am Anfang hätte uns geholfen. Gerade was SEO und die Strukturierung des Magazins angeht. Doch wären wir zum einem langsamer gewesen und zum anderem hätten wir es nicht besser gewusst. Es leicht später zu sagen, was man besser machen könnte. Doch vor 12 Monaten wusste ich es nicht.

Wir haben es geschafft mit weniger als 1.000 € Ausgaben live zu gehen, ein Produkt zu bauen was einen proof of concept erbringen konnte. Das war unser erstes Ziel und wir erreichten es innerhalb von 6 Wochen.

Ich stimme Jochen von exciting commerce zu. Ja, einen Onlinemarktplatz aufzubauen ist schwierig. Wir wussten wir vorher und der Versuch ist es uns wert. Hoffentlich werden die Brautkleid-suchenden Frauen dieser Welt uns eines Tages dafür danken.

Ein MVP reduziert das Risiko

Und zum MVP? Lohnt es sich? Wer eine Geschäftsidee hat, die bereits einen Proof of Concept erbrachte (z.b. eine CopyCat eines US-Vorbilds), der braucht kein MVP. Er kann sich Zeit nehmen und das Produkt kopieren, es verbessern und live zu gehen. Natürlich nur, wenn es Niemanden anderes gibt. Jedoch ist im Internet Geschwindigkeit super wichtig. Und Iterationen auch. Wir können so fantastisch viel messen und testen. Wieso diese Möglichkeiten nicht nutzen? Im Elfenbeinturm eine Webseite zu entwickeln, welche vielleicht den Markt verfehlen könnte – das ist riskant. Es koste Geld (vorab). Man könnte gut und gerne 60.000 € in eine Webseite stecken, bevor diese live ist (Gehälter für Management, Entwickler und Agenturen). Ich habe Teams getroffen, die haben 150.000 € ausgegeben und hatten kein Geschäftsmodell am Ende. Da baue ich doch lieber etwas günstiges, teste es und investieren mehr Geld, wenn ich weiß, dass ich auch Geld verdienen werde.

Bootstrapping

Bootstrapping meint eine Finanzierungsform der Unternehmensgründung, bei der auf eine externe Finanzierung verzichtet wird.

Gruenderszene.de

Wir finanzieren uns selber, dass hatte ich in dem ein oder anderen Artikel erwähnt. Zum einem, weil wir nach der Devise gegründet haben “erst beweisen, dann Geld einsammeln” und zum anderen, weil wir die Kontrolle über unsere eigene Firma behalten wollen.

Geld ist Mangel

Die Konsequenz ist, dass man sehr stark auf das Geld achten muss. Während wir immer wieder lesen, dass Startups wie 6Wunderkinder Millionen von Euro in einem Jahr in den Sand setzen können, sieht die Realität oft anders aus. Geld ist ein Mangel und zwar extrem. Jeder Euro ist wichtig. Wir sagen uns immer, dass wir jeden Euro nur ausgeben, wenn er uns wieder einen Return bringt. Dies beinhaltet Marketing, Vertrieb und Technik. Kosten, die keinen Umsatz generieren können, die versuchen wir zu vermeiden (Anwälte, Büro, Möbel, PCs, Berater).

Heute wollte ich euch daher einmal zusammentragen, wie man Geld sparen kann. Und natürlich würde es mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen hier teilen würdet.

Eigenes Geld auszugeben tut weh

Investorengeld auszugeben für ein Produkt, für das keiner kauft - das ist nicht schwer. Eigenes Geld auszugeben, das tut richtig weh. Und dabei ist Gründen nicht mehr so teuer wie es früher war. Dave McClude (500 Startups) schreibt: “Find a Niche and win” sowie “it’s REALLY EASY to bootstrap most internet and mobile businesses to at least the operational stage on a very small amount of cash

Fred Wilson (Union Square Ventures) schrieb ebenso: “At least half of the most recent twenty investments we have made were bootstrapped for well more than a year.

Es ist so günstig wie nie, ein Webprodukt zu bauen. Nun einige Möglichkeiten, wie man Kosten sparen könnte.

Du brauchst einen technischen Mitgründer

Ohne technischen Mitgründern ist es schwer. Aber hey, Internet  = Webprodukt. Carl Benz hat sein Auto auch selber gebaut. Otto hat seinen ersten Motor entwickelt, genau wie Porsche. Wer ein Technologieunternehmen bauen will und hat kein know-how im Team, der könnte etwas falsch machen. Solange also die Webseite ein Wertschöpfungstreiber ist, sollte ein CTO oder Entwickler schon sehr früh an Board sein.

Jedoch kann keiner dieser Techis alles. Einige versprechen es, doch das wäre eine Lüge. Entweder die können Design, oder Entwicklung etc, aber so oder so, die haben alle ihre Schwerpunkte und Schwächen.

Design: selber machen. Mockups kann jeder selber bauen, genau wie das Konzept der Webseite erstellen.

Grafiker: Auch hier Bekannte fragen, ob diese es können. Ansonsten einen Grafiker bitten ein Corporate Design aufzusetzen. Gibt es unter 2.000 €.

Der Mitgründer sollte dann alles selber programmieren. Datenbanken, PHP, Server, Frameworks. Das dauert zwar (weil er nicht alles selber kann), doch sparst du viel Geld. Freelancer würde ich dann für Sonderthemen reinholen, bei uns HTML und CSS Arbeiten, genauso für komplexere Java Sachen und WordPress Themen.

Kosten: 1.500 € für Freelancer im Monat und Verlust an Geschwindigkeit

Gespart: Einen vollen CTO (> 5.000 €) im Monat

Steuern, Buchhaltung, Controlling – das kann jeder BWLer

Für die Finanzen, dass kann jeder auch selber machen. Buchhaltung noch mal einlesen und dann selber buchen. Genauso wie einen Jahresabschluss erstellen. Vorlagen gibt es Tausende, denn immerhin muss jedes Unternehmen einen Jahresabschluss veröffentlichen.

Die Steuern kannst du ebenso selber einreichen. Einfach Formular ausfüllen und abschicken. Natürlich ist anfangs nicht alles richtig und du musst nachtelefonieren. Das Finanzamt hilft einem immer weiter, wenn auch unfreundlich.

Rechnung selber zahlen, wer braucht einen Buchhalter? Nur für die Lohne würde ich einen Dienstleister empfehlen, dass kann richtig kompliziert werden.

Kosten: 15 € für einen Lohnbuchhalter + Software

Gespart: Den Steuerberater, den Buchhalter (ca 500 € im Monat)

Ein BWLer, der nicht selber die Umsatzsteuererklärung macht, die Buchhaltung führt, Controlling aufsetzt und Steuererklärungen schreibt – der ist wohl kein Betriebswirt.

Verträge einfach selber schreiben

Verträge kann man auch selber schreiben oder sich Vorlagen aus dem Netz ziehen. AGBs, Datenschutzerklärungen – alles selber geschrieben. Genauso wie unsere Arbeitsverträge. Einfach Vorlagen suchen (gibt es zahlreiche) und inhaltlich anpassen. Ebenso gibt es Term Sheets als Vorlage. Und die ganzen Gründungsunterlagen gibt es als Standard (für die UG oder GmbH). Ich sehe es nicht ein, einem Anwalt Geld zu geben, für etwas, was ich selber kann. Natürlich ist mir bewusst, dass ich rechtliche Risiken eingehe. Ja. Risiken gehe ich als Unternehmer jeden Tag ein.

Kosten: einmalig den Notar (unter 600 €)

Gespart: Anwälte (> 5.000 €)

Von daheim arbeiten und bloß keine Möbel kaufen

Für die ‘Operations’ ist einfach Sparsamkeit gefragt. Das Büro kann euer Wohnzimmer sein. Wer braucht einen Sitz in bester Lage, wenn es noch keine Mitarbeiter gibt? Unsere ersten drei Mitarbeiter haben halt von daheim gearbeitet, weil wir kein Büro hatten. Oder du beziehst bei einem anderem Startup Untermiete. Wir haben anfangs für 4 Leute ca. 200 € gezahlt. Und einen größeren Raum gibt es schon ab 500 €. Dies deckt meistens alle Fixkosten: Internet, Möbel, Miete.

Dann benutze doch einfach deinen eigenen Drucker daheim. Genau wie ich Stifte und Papiere ebenso von daheim mitbrachte. Wieso alles neu kaufen? Achte darauf, dass alles möbliert ist. Ein Jahr nach unserer Gründung habe ich bisher noch kein Geld für Möbel ausgeben. Die bringen mir keinen Umsatz, muss ich beim Umsatz mitschleppen und verlieren eh nur an Wert.

Gründer können ihre eigenen Rechner benutzten, Bildschirme von daheim mitbringen. Ansonsten gebrauchte Rechner kaufen für die Mitarbeiter. Wir konnten aus einem anderem Startup 6 alte Rechner + Bildschirme erwerben.

Gespart: Büromöbel, Hardware, teure Miete (1.000 € im Monat)

Mehr Leute lesen über meine Brautkleider-Artikel als diesen Blog

Marketing kann man auch selber machen. Für unseren Blog habe ich Monate lang über Frauenmode geschrieben. Dort hatte ich irgendwann mehr Leser als auf diesem Blog. Keine Ahnung von dem Thema? Egal! Reinarbeiten, lesen, Expertise entwickeln.

SEO ruhig selber machen. Niemanden dafür einstellen. Bei Bedarf Experten fragen, aber operativ selber umsetzen.

SEM kostet Budget, doch hier kann man mit sehr geringen Mitteln viel testen. Unser CPC ist unter 0,09 € – das nur durch Optimierung.

Facebook ebenso selber machen. Dafür braucht man kein Personal. Ebenso wie Twitter.

Kosten: 500 € im Monat für Adwords und ggf. ein paar Shares für Advisor.

Gespart: mehr als 3.000 € für eine SEO Agentur und Berater, > 1.500 € für eine Social Media Vollzeitkraft

Motivation > Erfahrung

Für Personalsuche ist Ebay Kleinanzeigen recht gut. Wir haben dort über 20 Bewerber an einem Tag bekommen. Dazu empfehle ich, lieber Mitarbeiter zu nehmen die stark motiviert sind. Eher Jemanden mehr Junior nehmen, der bereit ist zu lernen und wenig Erfahrung hat. Leute mit Erfahrung sind sehr teuer, bringen vielleicht Mehrwert doch sind für ein MVP-Startup zuviel.

Kosten: Werkstunden, Mini-Jobber, max. 1.000 € im Monat

Gespart: über 3.000 €

Natürlich muss es jeder für sich wissen. Wir haben halt versucht die Kosten immer so gering wie möglich zu halten. Das kostet in erster Linie Geschwindigkeit. Wer seinen Proof of Concept hat, der sollte ruhig investieren und anfangen zu wachsen. Doch solange man nicht weiß, wie man am besten Geld verdient, würde ich die Kosten so gering wie möglich halten. Das fängt bei den Gründern an. Selber kein Gehalt kassieren, im gleichen Raum sitzen wie das Team, den eigenen Laptop verwenden und sich keine neuen Möbel gönnen.

Selber bauen oder andere um Hilfe fragen?

Ich bemühe mich in den folgenden Artikeln mehr Struktur einzubringen. Erst darstellen, was die Möglichkeiten sind. Dann, wofür wir uns entschieden haben und anschließend meine Einschätzung der Situation 12 Monate später.

Nun sind die ersten 6 Wochen der Gründung rum. Bedeutete für uns, dass wir die Planung (Idee, Konzept, Businessplan, Strategie, Analysen) abgeschlossen haben. Die Struktur (Verträge, Gesellschaft) steht auch.

Die erste strategische Frage, die sich das Gründungsteam nun stellen muss ist: Bootstrapping vs. Inkubation vs. Company Building.
Nehme ich Hilfe an – oder mache ich es alleine?
Aus VC Sicht hatte ich schon darüber geschrieben.

Möglichkeiten: Bootstrappen oder Shares abgeben

Selber machen ist die nahe liegende Option. Bedeutete für uns, dass wir ein MVP bauen (Minimum Viable Product). Es ist die Strategie, der kleinen Schritte – Testen – kleine Schritte – Testen.

Alternativ kann das Team mit seiner Idee zu einem Inkubator gehen. Inkubatoren können einem schnell weiterhelfen: Ein Büro stellen, Team vervollständigen, Intros machen und operativen Support geben.

Zudem gibt es auch die Option sich an einen Company Builder zu wenden. Also konkret einen der Partner bei Team Europe oder Rocket Internet ansprechen, denen sagen du hast Idee + Team und würdest es gerne mit denen machen. Das ist möglich.

Unser Weg: Alleine und steinig mit einem MVP

Wir haben uns für ein MVP entschieden. Das hatte mehrere Gründen. Zum einem war das Startup damals eine große Unbekannte. Wir wussten nicht, ob es Bedarf gibt. Wir wussten nicht, ob Frauen ihre gebrauchten Brautkleider bei uns online stellen würden und andere diese kaufen wollen. Es gab nur Annahmen, jedoch kaum proof of concept. Halt der klassische Fall, wenn man keine CopyCat ist. Daher ist MVP der richtige Weg aus meiner Sicht. Erst testen, die Reaktionen des Marktes und Kunden messen und dann mit das Produkt erweitern. Im nächsten Blogbeitrag gehe ich näher auf das Thema MVP ein (und über Bootstrapping könnte ich auch schreiben).

Der andere Grund war Freiheit. Wir wollten selber walten, selber Verantwortung tragen und es selber finanzieren. Zu diesem Zeitpunkt sollte uns keiner reinreden, es war unser eigenes Projekt. Wir (mein Mitgründer und Ich) haben beide vorher für Startups oder ähnliche Firmen gearbeitet. Dieses Projekt war unser erstes, wo wir die Mehrheit hatten. Und diese wollten wir halten.

Erkenntnisse: Für diese Idee der richtige Weg

Wie sehe ich es nun knapp 12 Monate später? Ich denke, dass unser Weg weiterhin der richtige für unser Team war. Damals wussten wir nicht, wie groß der Markt ist, wie die Kunden reagieren würden und was das Potential ist. Jetzt – mit diesem Wissen – wäre ich vielleicht eher an Team Europe oder anderen Company Buildern ran getreten. Hätte gesagt: Hey! Großer Markt, cooles Team, klasse Idee – wollen wir zusammen was machen? Das wäre sicherlich eine Option gewesen. Jetzt ist es zu spät.

Ein Inkubator reizt mich bis heute nicht. Wir sitzen derzeit bei FoundFair im Büro und zahlen dafür. Andere Startups haben Shares abgegeben, bekommen dafür ebenso ein Büro und unregelmäßige operative und strategische Hilfe. Sicherlich gut für Teams, die kein eigenes Netzwerk haben. Wir haben jedoch ein guten Zugriff auf das Deutsche Internetnetzwerk (Investoren, Entwickler, Experten) und müssen uns dies nicht noch “einkaufen”.

Bevor ich einen Inkubator 30% abgebe, da hole ich mir lieber einen Early Stage Investor an Bord. Der gibt Geld + Netzwerk + Know-How. Denn nur mit tollen Worten, wächst meine Firma auch nicht.

Selber machen (aka bootstrappen) ist nicht immer leicht. Geld ist schon der Engpass (denn es ist ja unser Kapital). Dadurch ist man kreativer, doch limitiert uns auch. Wir können uns halt keinen 15.000 € CTO leisten. Wir müssen es halt selber programmieren und es kostet uns dann 3 Monate länger. Nicht schlimm, denn es gibt kaum Konkurrenz und zeitliche Geschwindigkeit sorgt nicht automatisch für einen Erfolg.

Daher ist mein Fazit im Moment: Für diese Idee, ist bootstrappen genau richtig. Es gibt einem Zeit das Produkt in Ruhe zu entwickeln. Wenn es jedoch ein Produkt gibt, was schnell skaliert werden muss (wegen strategischer Opportunität oder starker Konkurrenz), dann empfehle ich immer die Jungs von Team Europe (oder andere Internetunternehmer). Manchmal macht es schon Sinn bis zu 49% an der eigenen Firma abzugeben, dafür aber deutlich mehr Ressourcen (Geld + Leute) zur Verfügung zu haben. Wie der BWLer immer sagt: Es kommt drauf an.

Der Anfang. Loslegen. Erschaffen. – Unsere ersten 6 Wochen

So, eigentlich müsstest du zu diesem Zeitpunkt mit allen startklar sein. Du hast dein Team. Deine Idee. Das Konzept. Die GmbH. Und nun fängt die Arbeit an. Formal ist gegründet, jetzt muss der Rest folgen. Der heutige Beitrag geht also darum, was wir konkret in den ersten 6 Wochen gemacht haben.

Du solltest jeden deiner Wettbewerber kennen

Zuerst habe ich den Markt genauer analysiert. Wer sind eigentlich die Marktteilnehmer? Dafür bin ich die ersten 200 Firmen durchgegangen, die alle unter bestimmten Keywords zu finden waren. Was genau machen sie. Wie wird Geld verdient in diesem Markt. Gibt es erfolgreiche Beispiele? Was wurde falsch gemacht? Wer sind die Gründer dahinter? Woher kommt der Traffik? Wie wurde die Plattform programmiert? Wie ist das Pricing, die Traction, das Design/Frontend? Und Marketing? Auch notierte ich mir, wie die rechtlichen Strukturen sind, die Finanzierung und das Geschäftsmodell.

Überlege dir, wie du günstig an Kunden kommst

Dann überlegten wir uns, wie die Dynamik der Plattform sein soll. Die Idee war eigentlich einfach: Eine Seite wo Frauen Brautkleider finden. Doch wie sollen die Frauen uns nur finden? Da wir für Werbung kein Geld ausgeben wollten, musste also was günstiges her. SEO. Also fingen wir an Google Daten zu analysieren. 5 Millionen Suchanfragen auszuwerten, Keywords zu sortieren und Cluster bilden. Dabei fiel uns auf, dass z. B. doppelt so oft nach Brautkleid gesucht wird wie nach Hochzeitskleid. Es ist schon erstaunlich wie viel Einfluss Google später auf uns hatte – mehr dazu später.

Vorher kalkulieren, wie viel Geld für einen Proof-of-Concept nötig ist

Und natürlich habe ich vorher die Kosten kalkuliert. Wir wollten nicht ins Blaue gründen, sondern uns ein erstes Limit setzten. 600 € für die Gründung, 700 € für das Design, 400 € für einen HTMLer, 1.500 € für das erste Marketing, 800 € sonstige Kosten. Also gut 4.000 € für einen ersten Proof-of-Concept (mehr dazu im nächsten Beitrag).

Hat das geklappt? Vorab kann ich sagen, dass wir lange unter den 4.000 € lagen. Für 4 Monate Arbeit gaben wir weniger als 2.500 € aus. Jedoch habe ich keinen Designer für 700 € gefunden.

Der Name sollte gut klingen, euch bei Google helfen und einfach zu merken sein

Nun brauchten wir einen Namen für unsere Webseite. Es sollte etwas mit Brautkleid + ein Attribut sein. Brautkleid, weil dies wohl der Money-Term bei Google ist und es inhaltlich auch ganz gut passt. Ich war noch nie ein Freund von künstliche Fantasienamen. Ich stehe auf gute deutsch-klingenden Worte, die jeder buchstabieren kann und mir gleichzeitig auch etwas SEO einbringen. Jedenfalls hatten wir best, perfekt, edel, designer, einfach und zahlreiche weitere Worte. Diese kombinierten wir mit Brautkleid, fragten Leute und prüften die Domains. Am Ende wurde es Wunsch-Brautkleid. Wir mochten es. Traum-Brautkleid wäre auch gegangen, doch ist der Wunsch realer. Greifbarer. Bodenständig. Also habe ich die Domains gekauft.

Das eigene Geschäftsmodell anfangen zu verstehen

Ein Marktplatz. Das sollte es werden. Frauen stellen Brautkleider online. Frauen finden Brautkleider. Und ich hatte keine Ahnung davon. Weder von Brautkleidern, noch von Marktplätzen. Also, an die Arbeit: googeln. Dawanda, etsy und ebay verstehen. Jeden Artikel zum Thema lesen. Hersteller von Brautkleidern suchen. Die Kollektionen lernen.

Und dann überlegen, was man eigentlich für Mockups braucht. Welche Art von Struktur, welches Grid, wie soll das Design aussehen, was für ein technisches Front- und Backend brauchen wir? Daraufhin haben wir Features gesammelt. Alles schön notiert, was wir später bauen wollen. Tja, 90% davon haben wir bis heute nicht umgesetzt.

Setze dir einfach Meilensteine für die ersten Wochen

Parallel dazu setzten wir uns erste Meilensteine: Vertrag aufsetzten, zum Notar gehen. Gründen. Bankkonto. Rechtliche Anmeldung. Mockups erstellen. Name finden. Domains kaufen. AGBs schreiben. Content erstellen. Blog aufsetzten. Social Strategie festlegen.

Da dieser Artikel bereits lang genug ist, gehe ich das nächste Mal konkreter auf Mockups, Design, Blog und erste technische Schritte ein. Vorab kann ich sagen, dass diese Meilensteine ganz hilfreich waren. Klar, keine riesen Ziele, sondern kleine realistische Schritte. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ein Lean Startup sind. Es war immer unser Ziel mit den geringsten Mitteln soweit wie möglich zu kommen. Erst zeigen was möglich ist und dann Geld in die Firma stecken.

Vergiss die Mathematik

Natürlich habe ich auch gerechnet. Wie weit würden wir kommen mit dem einfachsten Produkt. Ich finde es richtig lustig meine erste Excel-Rechnung mit dem Status Quo zu vergleichen.

Der Plan war, dass wir nach 9 Monaten rund 60 Kleider auf der Plattform haben mit einer 25 € Einstellgebühr. Wir erhofften uns monatlich 13 (Verkaufs) Transaktionen.

Interessant ist, was wir JETZT 9 Monate später haben: Tausende Brautkleider (statt nur 60), keine Einstellgebühren, dafür aber hunderte Transaktionen. Es hat also viel besser geklappt als geplant. Und doch ist es nicht gekommen wie erwartet.

Zusammenfassende Erkenntnisse der ersten 6 Wochen

1. Plane grob eine Schritte: Gründung, Design, Name, etc.

2. Rechnen ist überflüssig. Wird es nichts. Doch es hilft beim nachdenken.

3. Schau dir deine Wettberber sehr genau an.

4. Denke dir einen guten Namen aus.

5. Lege dir eine Grenze fest, mit wie viel Kapital du einen Proof-of-Concept erreichen willst.

Mein Fazit der ersten 6 Wochen: Wir haben uns teilweise sehr früh schon Gedanken gemacht über Dinge, die erst viel später wichtig wurden. Gleichzeitig haben wir vieles anfangs nicht beachten. Überhaupt haben wir wenig am Konzept gearbeitet. Stattdessen haben wir einfach angefangen. Es gab wenig Papier, sondern recht früh die erste Zeilen Code. Später, als wir größer wurden fiel es uns auf. Wir kamen in Situationen, die wir vorher nicht geplant hatten. Würde ich es also erneut machen, würde ich mir gewisse Dinge vorher überlegen: Marketing, PR, Finanzierung, HR. Auch die ganzen Seitenstrukturen von Anfang an anders aufsetzten. Doch damals wussten wir nicht, was wir brauchten. Geschadet hat es und auch nicht.

Wir waren deine Erfahrungen der ersten 6 Wochen?

Wunsch-Brautkleid.de | Mein neues Baby

Meine Schwangerschaft habe ich schon das ein oder andere Mal angedeutet. Heute möchte ich euch mein Baby vorstellen.

Deutschlands führender Marktplatz für Brautkleider

Wunsch-Brautkleid.de

Wunsch-Brautkleid ist der neue Marktplatz für gebrauchte und neue Brautkleider.

Frauen können ihr Hochzeitskleid also bei uns verkaufen. Ähnlich wie Dawanda und ebay unterstützen wir die Transaktion, stellen die technische Plattform zur Verfügung, und übernehmen das Marketing. Jedoch fassen wir das physische Produkt nicht an, denn wir kümmern uns ausschliesslich um die Vermittlung von Kontakten.

Händler können bei uns ihre Brautkleider einstellen. Dafür erhalten die Händler/Designer/Labels/Maßschneider ein Premiumprofil und können je nach Servicepaket, ihr gesamtes Sortiment interessierten Frauen zeigen. Der Händler hat dadurch einige Vorteile (gegenüber den Gelben Seiten oder einem klassischen Hochzeitsmagazin).
a) Wir bieten Performance basiertes Marketing. Ich kann meinem Kunden ganz klar sagen, wer seine Seite besuchte. Wann, von wo und was der Besucher gesucht und angeschaut hat.
b) Dazu werden die Händler aufgrund ihrer Produkte (den Brautkleidern) gefunden, statt eines Logos am rechten unteren Rand eines Magazins. Ähnlich wie Autohändler auf AutoScout. Nicht der Name des Händlers ist entscheidend, sondern sein Angebot.
c) Wir nehmen dem Händler alles ab. Wir bieten SEO und SEM für unsere Kunden an. Wir pushen diese über FB/Pinterest/ Twitter und anderen soziale Kanäle. Wir helfen unseren Anbietern im Web neue Kunden zu gewinnen.

Frauen wiederum finden bei uns ganz viele Brautkleider. Neue (oft über 1.000€), Maßschneider oder gebrauchte Brautkleider. Wir versuchen das Finden und Entdecken des passenden Kleides so einfach wie möglich zu machen. Also den Entdeckungseffekt von Pinterest, mit der Originalität von Dawanda und der Einfachheit von AutoScout zu verbinden.

Meine Schwester hat mich auf die Idee gebracht

orange Brautkleid - wunsch-brautkleid.de

Mein Kollege (und heutiger Mitgründer) und ich saßen mal wieder bei ihm im Wohnzimmer und diskutierten Ideen. Nebenbei textete ich etwas mit meiner Schwester, die parallel in Bielefeld shoppen war. Sie schickte mir über WhatsApp dieses Foto und schrieb: “Fabian, in diesem Kleid will ich heiraten”. Ich meinte nur “Du hast doch gar keinen (Ehe)Mann”. Sie daraufhin nur: “Egal, Hauptsache dieses Kleid”. Ich erzählte diesen Dialog meinem Kollegen und seine Freundin mischte sich sofort ein: “Ja, ich bin auch täglich auf Google und suche nach Brautkleidern. Es gibt einfach keine deutsche Seite, wo man sich schöne Hochzeitskleider ansehen kann.” Abgesehen davon, dass mein Cofounder gar nicht vor hat zu heiraten, merkten wir, dass Frauen irgendwie auf Brautkleider stehen und sich zum Zeitvertreib diese ansehen – so wie Männer sch gern Frauen und Sportwagen anschauen.

Jedenfalls war in diesem Moment unsere Idee geboren: Wir wollen Frauen glücklich machen.

Wieso jedoch jetzt diese Idee?

Wieso aber Brautmoden? Nun, wie in einem Pitch beantworte ich dies mit den 3 wichtigsten Punkten: Markt, Produkt, Team.

Der Markt ist groß genug

Es gibt rund 400.000 Hochzeiten jedes Jahr und Kosten für Eine belaufen sich gut und gerne auf die 50.000€/Hochzeit. Denk einfach mal daran: 1.500€ für ein Kleid, dann Schuhe, Schmuck, Handtasche, Standesamtkleid, Brautjungernkleider, Anzug für den Mann. Sowie Musik, Catering, Location für durchschnittlich 100 Gäste. Dazu Dankeskarten, Einladungskarten, kleine Geschenke, Mitbringsel, Eheringe, der Wagen, Fotograf, Videos und die Flitterwochen. Das passiert zusätzlich jährlich weitere 3 Million Male in Europa und 2 Millionen Male in den USA. Alles in Allem ergibt sich ein 100 Billionenmarkt, den sogar unser Oli als groß genug empfinden würde.

Frauen lieben Brautkleider

Jetzt frag mal deine Freundin oder Ehefrau (oder dich selbst), ob Frau nicht schon mit 16 von ihrer Märchenhochzeit geträumt hat. Wenn ja, dass gehört sie zu den 5 Millionen Frauen, die jeden Monat nach Brautkleidern im Internet suchen.

Ein Produkt mit Liebe erschafft

Nun, dass Produkt selber habe ich oben bereits beschrieben. Wichtig ist, dass es weiblich wirkt. Immerhin sind 99% unserer Zielgruppe Frauen – 1% sind besondere Pärchen. Frauen können bei uns die Brautkleider von über 120 Designern finden – einzigartig derzeit im Netz. Und parallel bieten wir mit über 200 Magazinbeiträgen eine Menge Antworten auf die vielen Fragen, welche Frauen während der Hochzeitsvorbereitung haben.

Das Team brennt für das Thema

Der Schlüssel ist es, mit Leidenschaft ein Produkt zu bauen. Du musst dich auf diesem Markt wohlfühlen, die Kunden mögen.

Ich habe schon seit Jahren ein Interesse an ecommerce, Frauen, Mode und Hochzeiten. Meine eigene (irgendwann kommende) Hochzeit habe ich mir mit 16 ausgemalt. Frauen als Zielgruppe, das ist hoch spannend. Ich versetze mich gerne in das weibliche Userverhalten und versuche diese (komplexen) Wesen zu verstehen. Es gibt viel zu wenig Webangebote im Internet, die für Frauen maßgeschneidert sind. Das Internet ist halt weiterhin männlichen. Inzwischen bin des Öfteren zu Gast auf Hochzeiten und weiß meistens mehr über das Brautkleid als die Braut selber. Ich habe mir die 2013er Kollektion von über 170 Herstellern reingezogen und kenne fast jedes bei uns veröffentliche Brautkleid. Die ersten 5 Monate habe ich die Blogartikel für das Magazin selber geschrieben – und hatte mehr Leser als auf diesem Blog. Eine Bewerberin fragte mich mal, ob ich schwul sei. Nein, ich bin nur mit Leidenschaft dabei!

Die Frauen lieben uns

2 Monate nach Livegang hatten wir ohne PR und Marketing weit über 20.000 Frauen auf unserer Seite. Wir kriegen täglich Emails, wann wir neue Kleider veröffentlichen. Die Frauen stehen auf uns. Und auch konnte wir schon Transaktionen im gutem 5-stelligen Wert anbahnen. Alleine der Marktwert der Brautkleider auf unserer Seite nähert sich einem 7-stelligen Volumen.

Inzwischen haben wir Brautkleider von über 120 Designer (70% des weltweiten Angebots) und alles läuft wie geplant (jedoch nicht nach Plan). Wir sind begeistert von unserem Kundenfeedback und entwickeln das Produkt konstant weiter. Wachstum ist stärker als erwartet und daher gibt es die klassische Finanzierungsfrage.

So Jungs und Mädels: Feedback bitte – und uns auf Facebook liken ;-)

Stolz

Ich halte Stolz für die größte Gefahr des Unternehmers. Nicht der Markt, das Produkt oder das Team bedrohen das Startup. Nein, du bist es selber. Wir sind die größte Limitierung für den Erfolgs der Unternehmens. (Falscher) Stolz kann sich in vielen Formen zeigen.

Du hörst nicht zu, wenn andere dir Feedback geben.

Höre zu!

Feedback ist ungemein wertvoll. Schätz es, wenn sich Jemand die Zeit & Mühe macht dir die Wahrheit zu sagen. Selbst wenn es nur seine eigene Meinung ist. Wenn es weht tut, dann beiß die Zähne zusammen.

Du machst Fehler und gestehst es nicht ein.

Stehe dazu!

Lerne aus den Fehler. Mache es besser.

Du glaubst, dass alle anderes es falsch machen und du es besser kannst.

Irrtum!

Wir treffen als Unternehmer ständig Entscheidungen. Einige sind richtig. Andere sind falsch. Stillstand ist keine Option.

Du glaubst an deine eigene Unfehlbarkeit.

Wir sind alle fehlbar! 

Jetzt heißt es: nicht klagen sondern kämpfen.

 

Die rechtliche Gründung – vom Notar zur Bank

Die richtige Gesellschaftsform gleich am Anfang zu finden, ist wichtig. Ein Wechsel kann später teuer werden, denn das Finanzamt wird meckern und es entstehen rechtliche Risiken. Daher empfehle ich vorher sich Gedanken zu machen. Sobald du weißt, dass du gründen wirst. Und du hast bereits Idee und Team.

Eine UG für den Gründer, die GmbH für das Startup

Ich empfehle für Gründungen daher das klassische Modell der UG + GmbH. Die UG (eine haftungsbeschränkte GmbH) für die Gründer und die GmbH für das eigentliche Projekt/Startup.

Gesellschaftsstruktur Startups Gründung

Die GmbH hat enorme Steuervorteile

Kapitalgesellschaften (in diesem Fall UG/GmbH) haben den Vorteil, dass man innerhalb dieser steuergünstig seine Firmenanteile verkaufen kann. Wenn du also dein Startup direkt hältst (bedeutet du zahlst das Eigenkapital von deinem Privatkonto und bist auch namentlich als Eigentümer im Handelsregister eingetragen), dann zahlst du im Verkaufsfall um die 25%-30% Steuern auf den Verkaufsgewinn. Wenn du jedoch eine UG (oder GmbH) hast und diese die Firmenanteile verkauft, zahlt die Gesellschaft (nach aktuellem Stand) max. 1,5% Steuern auf den Gewinn. Das ist schon ein großer Unterschied.

Zudem ist die Kapitalgesellschaft eine anerkannte Rechtsstruktur. Es ist leichter weitere Beteiligungen einzugehen und externe Kapitalgeber an Bord zu holen. AGs sind zwar noch angenehmer, jedoch auch anspruchsvoller von der Verwaltung her. Für Anfänger daher nicht zu empfehlen.

Der Nachteil? Nun wenn du dir im Falle eines Verkaufs von dem Geld einen R8 kaufen willst, dann könnte es teuer werden. Du zahlst zwar nur 1,5% Steuern, doch das Geld ist in deiner Gesellschaft gebunden. Für privates Vergnügen musst du es ausschütten und dann können es gut 30%-50% Steuern werden. Ist auch klar. Der Staat will, dass du dein Geld reinvestierst.

GmbH oder UG?

Der Vorteil einer UG ist, dass du nur einen Euro Stammkapital einlegen musst. Demnach bindest du minimales Geld, wichtig wenn du selber noch keines hast. Ich würde die UG für kleine Projekte verwenden oder als Investmentholding. Ich halte z.B. meine Angel Investments und mein aktuelles Startup über meine UG. Diese hat 1€ Stammkapital und die Beiträge für die Investitionen habe ich über Gesellschafterdarlehen eingelegt. Dies ermöglicht mir Flexibilität.

Wenn die Gesellschaft jedoch operativ tätig ist (und nicht nur Vermögen verwaltetet), empfehle ich die GmbH. Zum einem hat diese einen besseren Ruf bei Kunden. Zum anderem ist es leichter an ein Konto zu kommen (weniger dumme Fragen) und Verwaltungsthemen gehen schneller. Wir haben mit einer UG damals angefangen, weil es nur ein kleines Projekt werden sollte. Jedoch wurde das Produkt immer größer, das Team erweiterte sich und der Markt gab uns erstes positives Feedback. Demnach haben wir unsere UG in eine GmbH gewandelt. Würde ich von vorne anfangen, empfehle ich von Anfang an die GmbH. Es ist weniger Stress und geht genauso schnell.

Zudem braucht ihr eh GmbH Verträge für eure Satzung. Musterprotokolle der UG decken nicht die Komplexität von Startups ab.

Verträge aufsetzen, zum Notar, zur Bank und dann alles ans Amtsgericht

Zuerst solltest du dir Gedanken machen, wer wie viele Shares bekommt. Wir sind 2 Gründer und haben 50-50 gemacht. Jeder trägt die Hälfte der Kosten, ist Geschäftsführer und auch wirtschaftlich dementsprechend beteiligt.

Für eine UG Gründung gibt es Musterverträge im Internet. Einen finden, ausfüllen und als Verwendungszweck reinschreiben, dass die Gesellschaft einen vermögenverwaltenden Zweck hat.

Die GmbH benötigt eine Satzung und sonstiges rechtliches Zeugs. Hier einen Notar für eine Vorlage fragen, jede Kanzlei hat welche. Denkt daran die Details auszuarbeiten: Wer bekommt die Anteile, wer wird Geschäftsführer, wer darf Leute einstellen, wer kann die Firma verkaufen oder was passiert im Streitfall?

Anschließend kannst du zum Notar geben, dir den Text vorlesen lassen und unterschreiben. Mit diesem Dokumenten kannst du dann bei der Bank ein Konto eröffnen. Nach der Eröffnung zahlst du das Stammkapital ein (entweder einen € oder 25.000€). Dann sagst du dem Notar, dass das Geld auf dem Konto ist. Erst danach schickt dieser deine Unterlagen ans das Amtsgericht. Dieses prüft alles (ob die Satzung Fehler hat oder der Name bereits vergeben wurde) und bestätigt dir nach ca. 6 Wochen, dass deine Gesellschaft eingetragen wurde. Ab diesem Zeitpunkt besteht ihr also auch rechtlich.

Moderne Wegelagerei

Was die Kosten angeht, ist eine UG angenehmer. Es sind ca. 150€ für den Notar und 50€ für das Amtsgericht. Jedoch kostet die spätere Wandlung in eine GmbH gut 600€. Die GmbH Gründung liegt auch um die 600€-700€. Dazu kommen Gebühren für die Ämter. 50€ für die Eintragung, dann ca. weitere 50€ Gebühren für das Gewerbeanmeldung. Und 150€ an die IHK.  Plus gut 50€ für den Bundesanzeiger. Moderne Wegelagerei ist das.

Bedenke, dass die Verwaltung natürlich Geld kostet. Ich mache Steuern & Verträge selber. Wem jedoch das zuviel wird, das muss mit 1.000€/Jahr für den Steuerberater rechnen (für die Steuererklärung und Jahresabschluss). Anwälte kostet ebenso etwas, besonders wenn man die Verträge nicht selber schreibt.

Bei Fragen gerne an mich wenden. Ich habe versucht das Konzept nur grob zu umreissen, sonst würde ich einen ewig langen Artikel verfassen. Und eigentlich müsste ich mich gerade um die Finanzierung meines Startups kümmern.

Aus dem Alltag eines Gründers – Verantwortung tragen

Sind wir ehrlich. Als Angestellter tragen wir primär Verantwortung für uns selber. Machen wir einen Fehler, gibt es im 360° Feedback ein Kommentar. Machen wir einen großen Fehler gibt es eine Verwarnung. Selbst bei versuchten Betruges gibt es oft nur eine Entlassung und das nächste Startup heuert einen wieder an (bereits erlebt). Faktisch gibt es hier in Berlin in der Startupbranche keine Arbeitslosigkeit und demnach auch keine Jobangst. Wer Mist baut, der baut halt dann beim nächsten Startup wieder Mist. Wir tragen daher nur Verantwortung für uns, für unsere eigene Karriere (und den Lebenslauf). Selbst wenn man als CEO von renommierten Internetunternehmen die Insolvenz oder den Niedergang herbeiführt  finden diese Personen eine neue Tätigkeit. (Ich möchte keineswegs das Angestelltendasein schlecht darstellen. Eher ist es oft zuckersüß.)

Der Gründer trägt Verantwortung für mehr als nur sich

Als Gründer ändert sich dies. Jetzt wird es mehr. Du trägst die Verantwortung für dich, für deine finanzielle Existenz (denn dein Vermögen steht auch auf dem Spiel), für deine Mitgründer, deine Mitarbeiter, Kunden und mögliche Investoren. Idealerweise noch Freunde und Familie, die dir etwas Geld gegeben haben. Wenn du jetzt Fehler machst, dann ist dies durch einen Jobwechsel nicht getan. Jetzt trägst du mehrfache Verantwortung.

Und ich gebe es zu: Es ist nicht immer leicht. Es gibt diese tollen Momente: ein Kunde kauft dein Produkt, ein Bewerber unterschreibt den Vertrag, ein Advisor hilft dir, es gibt Feedback von Besuchern, ihr habt ein tolles Teammeeting und die KPIs gehen nach oben. Doch gibt es auch schwache Momente. Du weißt nicht, wie du in einige Monaten Gehälter zahlen willst. Und wenn du noch stärker wächst, wird es jeden Tag enger auf dem Konto. Deine eigenen Reserven tragen die Burnrate und du weißt ganz genau, dass irgendwann Schluss ist. Du streitest dich mit deinem Mitgründer. Mitarbeiter machen dumme Fehler, die dich viel Zeit kostet – und trotzdem musst du das Gehalt zahlen. Ein Bewerber springt ab. Ein Kunde sagt nein. Ein neuer Wettbewerber erscheint, der andere erhält eine Finanzierung.

Als Gründer ist es schwer abzuschalten

Wie steht so schön auf meinem Schlüsselbund: Klagt nicht, kämpft. Wie wahr. Doch möchte ich euch sagen, dass der Druck als Gründer einfach nicht mehr aufhört. Ihr werdet Nachts aufwachen, Schweiß gebadet, weil ihr von einem Serverausfall träumt. Ihr liegt in der Sauna mit Freundin und denkt nur an das nächste Release. Du gehst mit deinen Eltern Weihnachten essen, hast Nächte lang durchgearbeitet und sehnst dich nur nach dem Bett.

Für mich bedeutet es den Ort zu finden, wo man abschalten kann. Seine Batterie auftanken, denn 24/7 mit den Gedanken im Unternehmen zu sein, das hat seine Grenzen. Hast du diesen Ort gefunden? Etwas, was dich komplett ablenkt und gedanklich frei macht? Wenn ja, genieße es.

Geld Geld Geld – nehme ich meines oder deines?

Geld oder kein Geld – das ist hier die Frage. Nein, genauer gesagt ist die Frage die sich jeder Gründer am Anfang stellt: Wie finanziere ich meine Idee eigentlich? Und aus meiner Erfahrung als VC weiß ich, dass dies die wesentliche Frage der meisten Gründer ist.

Fremdes Geld bringt einem strategische Vorteile

Ich kenne wenige (große) Startups der letzten Jahre, welche ohne externes Kapital ausgekommen sind. Liegt das daran, dass die Gründer kein Geld hatten? Nein, sondern an der Strategie und Dynamik des Markets. Im Internet sind inzwischen Ideen sehr schnell umsetzbar. Um diese also zu schützen, bedarf es der strategischen Investition um einen Markt “dicht” zu machen. Das beste Beispiel sind Lieferheld und Zalando, die mit viel Geld darum kämpfen, soviele Marktanteile wie möglich zu gewinnen. Gehört einem erstmal die Mehrheit des Markets, dann werden die Marketingausgaben gedrosselt und Gewinne abgeschöpft. Daher möchte ich gar nicht gegen Venture Capital oder andere Finanzierungen sprechen. Eher im Gegenteil, diese sind oft sehr wichtig und hilfreich. Mir geht es heute darum, dass jeder Gründer sich für entscheiden sollte, wie er seine Firma führen möchte.

Ein Investment dient nicht zur eigenen Existenzabsicherung

Die erste Möglichkeit ist also, man hat eine Idee, erstellt eine Präsentation und läuft zum Investor. Wie man dabei vorgeht, habe ich in anderen Beiträgen beschrieben. Dabei sind mir in den Jahren 2 Gruppen von Gründern aufgefallen. Die einen hatten eine Idee, doch kein Konzept, kaum Erfahrung und Angst. Angst ihr eigenes Geld zu investieren. Angst Risiken einzugehen. In mehr als 99% haben diese Gründer auch kein Geld bekommen. Und meistens ist aus einer Idee nie mehr geworden. Man geht also nicht zu einem Investor, weil man Angst hat etwas zu riskieren. Ein Gründer sagte zur mit: “Wenn ihr uns Geld gebt, dann kündigen wir unsere Jobs und arbeiten.” Ich sagte: “Erst kündigt ihr eure Jobs, dann reden wir über Geld.” Ich möchte doch niemanden anstellen als Gründer. Es geht bei einem Investment nicht um persönliche Risikoabsicherung der Gründer. Wer so denkt, der ist falsch.

Exzellente Teams bekommen Geld basierend auf einer Idee

Die zweite Art von Gründern die Anfangs mit einer Idee zum VC kommen, die wissen ganz genau, was sie wollen. Sie haben es bereits mehrmals gemacht und können sagen, wofür sie Kapital brauchen. Für Wachstum. Speed. Beschleunigung. Rocket oder Team Europe sammeln oft Millionenbeiträge ein, bevor es überhaupt eine geschriebene Zeile Code gibt. Einfach weil die Teams exzellent sind und Geld benötigt wird um die Ressourcen einzukaufen. Ressourcen sind also Senior CxOs (High Level Angestellte, die keine Gründer sind, jedoch unternehmerisch arbeiten wollen). Tech Teams, die das Produkt bauen können (und wir wissen, dass ein CTO bis zu 15.000€ im Monat kosten kann). Geld, damit ein großes Büro gemietet wird, die Strukturen sauber gebaut werden und keine Minute an wertvoller Zeit verloren wird. In dem Moment wo die Idee feststeht, das Kernteam sich zusammenfindet, zählt jeder Tag für Erfolg der Firma.

Geld zu bekommen ist selber noch kein Erfolg

Wer also ein Top Team hat und weiß, dass die (strategische) Uhr tickt. Der kann auch von Anfang an Geld einsammeln. Ecommerce und Leadgeneration sind dafür klassische Geschäftsmodelle (schaut auch z.b. hundeland an). Leider stelle ich fest, dass heute viele Startups bereits Pressemitteilungen rausgeben nur für den Tatbestand, dass es Geld gab. Hallo? Ist das eine Leistung? Ich dachte Wachstum, Kunden, Erfolg sind Leistungen. Geld auf dem Konto zu haben (was ein Vertrauensvorschuss der Investoren ist), ist in meinen Augen keine. Daher mag ich persönlich Startups, die Geld bekommen, die Klappe halten und dann zeigen, was sie großartiges erreichen können.

Doch brauchst du am Anfang bereits das Geld?

Doch was ist mit der zweiten Möglichkeit? Ich nenne diese mal Bootstrapping. Bedeutet, erst anfangen, beweisen, lernen und dann gegebenenfalls Geld einsammeln. Ich habe mich mit meinen Mitgründer für diesen Weg entschieden. Es ging weniger darum, dass wir kein Geld bekommen könnten. In Berlin gibt es immer Geld für gute Ideen. Das ist etwas wunderbares an der Szene. Doch wollte ich nicht anfangen Geld auszugeben, was nicht uns gehört. Besonders, wofür? Wir haben anfangs halt alles selber gemacht (Design, Programmierung, Konzept, Verträge). Für die ersten 6 Monate brauchte ich nur ein Tausend Euro für Notar, Google Adwords und ein paar Freelancer. Wenn ein Gründer diese nicht selber aufbringen kann, dann hat er vorher etwas falsch gemacht. Sorry, aber ich erwarte, dass eine Person Mitte 20 in der Lage ist, etwas Geld zur Seite zu legen. Immerhin wird man nicht an einem Tag zum Unternehmen, sondern ist ein längerer Prozess. Und eine Person Mitte 30 sollte auch mal in der Lage sein, 6-12 Monate ohne Gehalt zu leben. Irgendwelche Opfer muss man für den Erfolg seiner Firma doch bringen.

Jedenfalls haben wir uns entschieden erstmal alles selber zu bezahlen. Und ich gebe zu, es ist nicht leicht. Man wird sehr kreativ, wie man doch alles schafft (Büro, erste Mitarbeiter, usw). Wieso mache ich es also? Nun, ich gebe lieber mein eigenes Geld aus, als das Anderer. So bin ich sparsamer und investiere nur in Dinge, die ich 100% unterstütze. Zudem ist unser Team so kreativer und reduziert Ausgaben auf das notwendigste. Es gibt kein tolles Büro, keine Tshirts, keine Empfangsdame – stattdessen haben wir die ersten Monate im Wohnzimmer gearbeitet, unseren Freundeskreis und Familie eingespannt. Die Freundin betreut Twitter, eine Bekannte macht PR, ein Kollege den Vertrieb, und notfalls bringt man sich selber etwas Tech bei.

Langsam merken wir natürlich, dass die Mittel begrenzt sind. Inzwischen ist unser Team auf gut 12 Leute gewachsen und nicht alle sind mit Shares zufrieden. Unser Startup fängt jetzt gerade die spannende Zeit des Wachstums an (nachdem wir die ersten Monate nur entwickelt und getestet haben). Unser Traffik ist um 10x fache gestiegen in den letzten Wochen, SEO und social schlagen an, wir stellen im Vertrieb ein und sprechen mit hunderten Kunden. Ich bin voller Freude, wie es sich gerade entwickelt. Der Proof of concept näher sich und damit dann auch der Entscheidungspunkt: Tempo drosseln und organisch wachsen – oder überlegen, ob externes Geld nicht doch Vorteile bringt.

Ist heute eher ein Monolog geworden. Ein Wust an Gedanken. Eigentlich, worum es in einem Blog auch geht. Ich denke, es ist einfach eine persönliche Entscheidung die man treffen muss. Wie viel seiner Seele möchte man abgeben für den Erfolg der Firma. Alles hat seinen Preis.

Wie man eine Gründungsidee analysiert und sich entscheidet

Im heutigen Beitrag geht es darum, wie ich eine Gründungsidee bewerte. Die Idee hast du zu diesem Zeitpunkt bereits. Jetzt geht es um die Analyse. Das Ziel ist es, aus den vielen Ideen die Eine zu finden, die das meiste Potential hat.

“Be open with your idea. Chances are that it is a stupid idea.”

Oliver Samwer beschreibt es recht passend. Die Idee ist nichts wert, doch das Konzept dahinter schon. Erst sammelst du Ideen, dann analysierst du diese und anschließend bist du bereit für deine Gründung.

Ich habe all meine Gründungsideen in einer Excel gesammelt, diese dann bewertet, gewichtet und verglichen. Folgende Kriterien sind aus meiner Sicht wichtig um gute Ideen von weniger guten Ideen zu trennen:

Jede Gründungsidee bewerten, gewichten und vergleichen

  • Geschäftsmodell: Worum geht es? Wie willst du Geld verdienen? Hast du Spaß an dem Produkt? Ich selber mag Software und Webseiten, die viel Technik dahinter haben.
  • Sektor: Es gibt einfache Industrien (Software, b2b) und schwierige Felder (ecommerce, b2c, social). Selber neige ich eher zu SaaS als social Themen. Hängt davon ab, wo deine persönlichen Vorlieben sind.
  • Markt: Ist der Markt groß genug? Es sollte schon mind. >1Mrd Marktgröße sein (international). Alles andere kann ich nicht empfehlen.
  • Wettbewerb: Wie ist die Struktur? Sind es alte etablierte Spieler oder junge (aggressive) Startups? Ich habe den meisten Respekt vor Startups.
  • Aufwand: Wie schwer ist die Exekution? Idealerweise kannst du es alleine (bzw. im Team) bewältigen und brauchst keine Experten, Spezialisten oder Forschung.
  • Profitabilität: Eine Firma muss Geld verdienen können. Kannst du dies mit deiner Idee? Ich würde vorher darüber nachdenken.
  • Upside: Wie ist das Exitpotential, falls du wirklich Erfolg haben solltest? Ich gründe eine Firma nicht, damit ich sie Verkaufe, doch ein zukünftiger Exit hat trotzdem seinen Reiz.

Nun ein Beispiel von mir. Da es eine erste Analyse war, natürlich quick & dirty.
Bewertung einer Gründungsidee

Als nächstes habe ich dann meine Punktzahl mit den anderen Gründungsideen verglichen:

Übersicht von Gründungsidee

Leute fragen, Wettbewerb analysieren, Kapitalbedarf abschätzen

Nach dem Vergleich bleiben dann ca. 5 Ideen über, die mich am meisten interessieren. Diese bewerte ich erneut und detaillierter. Ich fange an Leute zu fragen, Marktdaten einzuholen, Wettbewerber zu analysieren, Finanzplan erstellen, Schlüsseltreiber identifizieren, das Produkt beschreiben, Marketingkanäle bewerten und abschätzen wie viel Kapital ich benötige um:
a) Einen Prototypen zu bauen (z.B. ein MVP + Landing Page + SEM)
b) Eine Betaversion auf den Markt zu bringen
c) Wachstum und Gewinnung von Marktanteilen

Und nun bespreche ich diese Idee auch mit Personen, denen ich vertraue (mein Mitgründer ist bereits von Anfang am im Prozess involviert); Eltern, Arbeitskollegen, Studienfreunde, Leute aus anderen Startups oder Investoren. Ich habe die Ideen mit dutzenden Leuten besprochen. Mir wurden hunderte Fragen gestellt und ich musste jedes Detail wissen. Wenn es die richtige Idee für dich ist, dann kannst du alles beantworten. Für jedes mögliche Problem siehst du bereits im Voraus die Lösung.

Anfangen das Konzept auszuarbeiten

Was sind dann die nächsten Schritte?

  • Detaillierteren Finanzplan erstellen (wie viel Kapital brauche ich, wann brauche ich es, wofür verwende ich es?)
  • Roadmap definieren (Wann geht die erste Seite live, welche strategischen Schritte zu welchem Zeitpunkt?)
  • Strategie festlegen (PR, Investoren, Rekruting, Finanzierung)
  • Das Produkt beschreiben  (Features, Design, technische Anforderungen)

Analyse ist wichtig, doch irgendwann muss man anfangen zu handeln

Man kann vorher alles bis ins Detail analysieren, doch zuviel ist nicht gut. Wie sagte ein Bekannter so schön: “Wenn ich vorher alles gewusst hätte, dann hätten wir nicht gegründet.”. Es braucht demnach eine gute Mischung. Ich kenne Personen, die analysieren seit Monaten diverse Ideen – gegründet haben sie bisher nicht. Und andere die nehmen den ersten Gedanken und fangen einfach an. Gut 50% meiner Absagen als VC waren an Teams, die erst Handeln und dann Nachdenken. Manchmal hätte ein klein wenig Research und Überlegung Gründer davon abgehalten, dass sie viel Zeit und Geld für eine Idee verwendeten, die eindeutig nicht genügend Potential hat.