in StartUp, Wirtschaft

The advantage of backwardness – Warum Unternehmen sterben oder überleben

Warum gehen erfolgreiche Unternehmen wie Schlecker, MySpace, StudiVZ unter? Wieso überleben andere und werden Stück für Stück größer? Es ist Mut, Innovation und Wachsamkeit. Es kann jedes Unternehmen erwischen und nur die besten reagieren richtig.
Schlecker ist pleite. Der Niedergang der Erfinders von Drogeriediscounter war Vielen bekannt, die regelmäßig Klatschblätter der Wirtschaft lesen. Warum also relevant für mich und für euch? Ich nehme es einfach als Anstoß darüber zu schreiben, dass der Erfinder eines Geschäftsmodells, nicht immer der Gewinner sein muss. Und gerade dies ist für angehende Gründer wichtig. Gründe ich, wenn es bereits einen dominanten Spieler gibt? Bin ich besser und habe ich eine Chance? Meine Antwort vorab: es kommt drauf an.

Rossmann oder DM haben den Kampf gegen Schlecker gewonnen. Aber wieso? Schlecker war der erste auf dem Markt, Schlecker war lange Zeit der Größte, Reichste und Mächtigste unter Allen. Ich behaupte, dass Schlecker nicht an der Konkurrenz kaputt gegangen ist, sondern durch eigene Fehler. Die Führung hat den Markt (in Form von Kundenverhalten) falsch gelesen. Kunden wollten lieber saubere, hellere Läden. DM&Co haben dies erkannt, Schlecker hat viel zu spät reagiert. Die Strategie war nicht flexibel, man gab sich der Arroganz hin, dass was einmal funktionierte, immer funktionieren würde. Dies darf Startups nicht passieren. Anfangs gehyped und viel Erfolg, kommt die Probe erst nach einiger Zeit. Irgendwann muss sich jedes Unternehmen auf den sich ständig wandelnden Markt anpassen und reagieren.

Ian Morris nennt es “the advantage of backwardness“. Damit beschreibt er (als Historiker), warum unterentwickelte Länder sich gegen starke Länder durchsetzen können.
a) Diese Länder (und man kann es durch das Wort “Unternehmen” austauschen) haben weniger zu verlieren. Sie gehen größere Risiken ein.
b) Die Ländern kommen mit einer Lösung, welche auf dem aktuellsten Stand ist. Sie profitieren von den Erfahrungen und Technologien der etablierten Mächte und können diese auf die neusten Umstände anpassen.

Dies ist für Startups/Unternehmen gleich. Ich nehme gerne MySpace vs. Facebook als ein Beispiel. Ich behaupte, MySpace ist nicht kaputt gegangen, wegen Facebook. Nein, sondern weil MySpace viele Fehler gemacht hat. Als Facebook noch winzig war, da war MySpace bereits dominierend. Sie hatten zig Millionen Nutzer, Kapital, Markenbekanntheit, Technologie und Management. Es wäre doch so leicht für ein MySpace gewesen, Facebook zu analysieren und das eigene Produkt anzupassen. Stattdessen hat das Management von MySpace den Wandel des Nutzerverhaltens nicht richtig verstanden. Facebook kam mit einer Lösung, die besser war. Eine Lösung die von den Nutzern bevorzugt wurde. Und da MySpace bei seiner Positionierung blieb, profitiere Facebook davon. Und wieso passiert es Facebook gerade nicht, dass ein junges Startup Konkurrenz macht? Nun weil Facebook ein spitzen Managementeam hat. Der gute Mark Zuckerberg und seine Kollegen sind wahrlich gut. Sie ändern Facebook ununterbrochen. Das Produkt wird ständig weiterentwickelt, optimiert. Es gibt keinen Stillstand. Facebook weiß ganz genau, dass mit Stillstand auch das Ende kommt.
Oder schaut euch StudiVZ an? Als die VZ-Netzwerke verkauft wurden, standen diese gut in Deutschland da. Ehssan & Co hatten ordentliche Arbeit gemacht, sich gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen und das erste deutsche soziale Netzwerk zu etablieren. Und wenn man sich den Erfolg von VKontakte aus Russland ansieht,  gibt es weiterhin soziale Netzwerke, die Facebook regional überlegen sind. Aber was hatte StudiVZ nun gemein mit MySpace? Beide wurden verkauft an einen Konzern, der mit Innovation nicht umgehen konnte. In beiden Fällen wurde das Produkt unzureichend weiterentwickelt und angepasst.

Meine These ist einfach: Bleibt immer im Wandel. Nie stehen bleiben, immer optimieren, immer verbessern. Ein Produkt ist nie perfekt, die 100% werden nie erreicht. Nur wer sich dreht, der kann gewinnen. Nicht Konkurrenz sorgt dafür, dass ein Unternehmen untergeht, sondern dass Management, was nicht aufgepasst hat.

Interessant?