Dieser Essay erschien zuerst als LinkedIn-Artikel. Ich veröffentliche ihn hier zusätzlich, weil bootstrapping.me seit vielen Jahren mein eigenes Archiv ist – freier, ruhiger und dauerhafter als jede Plattform.
Deutsch war in der Schule nie mein Fach.
Das klingt heute vielleicht seltsam. Ich verdiene seit vielen Jahren einen großen Teil meines Lebens damit, Gedanken zu formulieren. Ich halte Vorträge. Ich schreibe Newsletter. Ich veröffentliche Artikel. Ich habe ein Buch geschrieben. Ich werde für meine Einordnungen zu künstlicher Intelligenz, Technologie und Zukunft eingeladen.
Aber wenn ich ehrlich bin: Schreiben war für mich nie selbstverständlich.
Ich war eigentlich ein guter Schüler. In vielen Fächern fiel mir Lernen leicht. Ich war neugierig, schnell im Kopf, diskussionsfreudig. Ich konnte Zusammenhänge erkennen, argumentieren, widersprechen, Lehrer herausfordern und mündlich oft sehr gut erklären, was ich dachte.
Aber in Deutsch musste ich kämpfen.
Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Zeitenfolge – vieles davon war für mich nie intuitiv. Meine Mutter ist Legasthenikerin. Ich selbst habe bis heute Schwächen in Aussprache, Rechtschreibung und sprachlicher Präzision. Ich kann Märkte analysieren, politische Entwicklungen einordnen, technologische Umbrüche erklären. Aber bei der deutschen Kommasetzung war ich schon früh verloren.
Ich konnte reden. Sehr gut sogar.
Schreiben war etwas anderes.
Meine mündliche Mitarbeit rettete oft das, was meine schriftlichen Arbeiten beschädigten. Das Formgerechte, das Saubere, das Orthografische fiel mir schwerer als der eigentliche Gedanke. Ich hatte etwas zu sagen, aber ich bekam es formal oft nicht so aufs Papier, wie es erwartet wurde.
Und in der Schule zählt die Form.
Manchmal mehr als der Inhalt.
In der Oberstufe hatte ich einen Deutschlehrer, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er nicht nur meine Sprache bewertete, sondern auch meine Haltung. Ob meine Wahrnehmung damals gerecht war, kann ich heute nicht mehr sicher sagen. Ich war Schüler. Schüler sehen Lehrer nicht immer fair. Lehrer sehen Schüler aber auch nicht immer fair.
Als Schüler fühlte es sich jedenfalls so an, als würde ich nicht nur für Rechtschreibung und Grammatik bewertet, sondern auch für die Art, wie ich dachte.
Das blieb hängen.
Es gab eine Arbeit über „Die Leiden des jungen Werthers“. Ich hielt Selbstmord damals nicht für romantisch. Ich empfand ihn als eine Handlung, die den eigenen Schmerz beendet, aber sehr viel Schmerz bei anderen hinterlässt. Vielleicht war das hart formuliert. Vielleicht auch unreif. Aber es war meine Perspektive. Ich konnte sie begründen.
Was bei mir ankam, war nicht: Interessanter Gedanke, lass uns darüber diskutieren.
Was bei mir ankam, war: So darfst du das nicht sehen.
Die Arbeit wurde schlecht bewertet. Offiziell spielte meine Orthografie eine große Rolle. Sicherlich zu Recht. Meine Rechtschreibung war wirklich nicht gut. Aber für mich vermischte sich damals alles: die sprachliche Schwäche, die inhaltliche Abweichung, das Gefühl, dass meine Stimme nicht willkommen war.
Solche Erfahrungen prägen.
Nicht nur die Note. Nicht nur den Moment. Sondern das Verhältnis zur eigenen Stimme.
Ich hatte lange Hemmungen zu schreiben. Nicht, weil ich nichts zu sagen hatte. Sondern weil ich gelernt hatte, dass ein Fehler in der Form reicht, damit Menschen den Gedanken dahinter weniger ernst nehmen. Ein falsch gesetztes Komma. Ein Tippfehler. Eine unsaubere Formulierung. Schon ist man nicht mehr derjenige mit einer Idee, sondern derjenige, der „nicht richtig schreiben kann“.
Das hat mich lange begleitet.
Vielleicht erklärt es auch, warum ich bis heute empfindlich werde, wenn Menschen sich mehr an Tippfehlern aufhalten als am Inhalt eines Textes. Natürlich ist Sprache wichtig. Natürlich ist Form wichtig. Ich habe das mühsam gelernt. Aber ich weiß eben auch, wie es sich anfühlt, wenn die Form zum Torwächter wird.
Eine ähnliche Erfahrung machte ich sogar schon früher.
Als Kind schrieb ich einmal einen Fantasy-Roman. Ich zeigte ihn nicht meinen Eltern, aber ich gab ihn meinem Großvater. Er druckte ihn aus, las ihn und markierte mit Rotstift die Fehler.
Kein großes Gespräch über die Geschichte. Kein Feedback zu den Figuren, der Welt, der Fantasie. Vor allem Rechtschreibung.
Damals traf mich das.
Nach seinem Tod fand ich ein Exemplar dieses Textes in seinen Unterlagen. Er hatte ihn aufbewahrt. Bis zum Ende.
Vielleicht ist genau das die ganze Ambivalenz meines Verhältnisses zum Schreiben: Die Fehler wurden gesehen. Aber der Text wurde trotzdem aufgehoben.
Und trotzdem schreibe ich.
Eigentlich schreibe ich seit meiner Kindheit.
Ich bin ein Kind der Neunzigerjahre. Aufgewachsen in der ländlichen Provinz. Das Internet war für mich kein Zeitvertreib, sondern ein Tor zur Welt. Ohne Pathos. Es war wirklich so.
In meiner direkten Umgebung gab es nur wenige Menschen, mit denen ich über die Dinge sprechen konnte, die mich interessierten. Technologie. Computerspiele. Zukunft. Politik. Unternehmertum. Ideen, die größer waren als der Ort, in dem ich aufwuchs.
Das Internet änderte das.
Ich nutzte ICQ. Ich spielte Online-Multiplayer-Games. Ich organisierte Communities. Ich setzte Foren auf, administrierte sie, moderierte Diskussionen und schrieb mit. Ich war oft Gildenleiter, Clan-Organisator, Community-Mensch. Nicht, weil mir jemand diese Rolle gegeben hatte, sondern weil ich sie einfach übernommen habe.
In diesen Foren interessierte niemanden, ob jedes Komma saß.
Dort zählte, ob man etwas beitragen konnte. Ob man organisierte. Ob man Verantwortung übernahm. Ob man eine Meinung hatte. Ob man Teil einer Community war.
Das Internet war damals freier. Unordentlicher. Manchmal auch nerviger. Aber es hatte etwas Demokratisches. Jeder konnte schreiben. Jeder konnte lesen. Jeder konnte etwas aufbauen. Man brauchte keinen Verlag, keine Redaktion, keine Plattformfreigabe, keinen Algorithmus, der entschied, ob ein Gedanke gerade relevant genug ist.
Man schrieb, weil man etwas sagen wollte.
Ich will das alte Internet nicht romantisieren. Es gab dort genug Unsinn. Schlechte Texte, Streit, Eitelkeit, Halbwissen und jede Menge Ego. Aber es gab auch diese Offenheit. Dieses Gefühl, dass Wissen, Meinung und Gemeinschaft nicht perfekt sein mussten, um wertvoll zu sein.
Für jemanden wie mich war das befreiend.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum eigene Webseiten für mich nie ganz verschwunden sind.
Ich habe seit über dreißig Jahren irgendeine Form von eigener Webseite. Mal besser, mal schlechter. Immer wieder neu gebaut, umgezogen, verändert, technisch überholt, gestalterisch angepasst. Vieles davon ist verschwunden. Manche alten Versionen würde ich heute vermutlich lieber nicht mehr sehen.
Aber dieser Blog hier ist etwas anderes.
bootstrapping.me ist mein längstes bestehendes öffentliches Werk. Kein Buch, keine Konferenz, kein einzelner Vortrag, kein LinkedIn-Profil, sondern ein Archiv meiner Gedanken über viele Jahre. Nicht perfekt. Nicht vollständig. Aber meins.
Ich verwalte es. Ich entscheide, was hier steht. Ich kann Texte wiederfinden, verlinken, weiterdenken, korrigieren, ergänzen. Das klingt banal, ist aber in einer Plattformwelt gar nicht mehr so selbstverständlich.
Später, als ich nach Berlin kam und bei Team Europe arbeitete, begann ich ernsthafter zu bloggen. Das war Anfang der 2010er-Jahre. Eine Zeit, in der Venture Capital und Startups in Deutschland zwar schon größer wurden, aber noch lange kein Mainstream-Thema waren.
Heute findet man zu jeder Finanzierungsrunde, jeder Term-Sheet-Klausel und jedem Startup-Begriff unzählige Erklärungen. Damals war das anders. Es gab wenige Bücher, wenige Blogs, wenige Investoren, die öffentlich erklärten, wie Venture Capital funktioniert.
Also schrieb ich darüber.
Was ist eine Seed-Runde?
Was ist eine Series A?
Wie entsteht eine Bewertung?
Was bedeutet Liquidation Preference?
Wie denken Investoren?
Was müssen Gründer verstehen, bevor sie Geld aufnehmen?
Aus heutiger Sicht klingt vieles davon banal. Damals war es das nicht. Für viele Gründer war es Neuland. Ich war sicherlich nicht der Einzige, der darüber schrieb. Aber ich war einer der ersten deutschen Investoren, die dieses Wissen öffentlich und verständlich geteilt haben.
Nicht als Whitepaper. Nicht als geschlossene Expertenveranstaltung. Sondern frei im Internet.
Ich schrieb damals vor allem für mich. Ich wusste gar nicht genau, wer das liest. Ich schrieb, weil ich mir selbst Dinge sortieren wollte. Weil ich Gründerfragen immer wieder beantwortete und merkte: Wenn ich es einmal ordentlich aufschreibe, können mehr Menschen etwas damit anfangen.
Dann war ich eines Tages bei einer Veranstaltung der Entrepreneurs’ Organization. Junge Gründer, Unternehmer, viele Gespräche. Irgendwann sprach mich jemand auf meinen Blog an. Dann noch jemand. Und plötzlich merkte ich: Fast alle in diesem Raum kannten meine Texte.
Das war ein seltsamer Moment.
Ich war keine Medienfigur. Kein Bestsellerautor. Kein Professor. Kein Fernsehgesicht. Ich war einfach jemand, der sein Wissen öffentlich aufgeschrieben hatte. Und genau dadurch war ich für manche Menschen relevant geworden.
Das hat mich geprägt.
Ich verstand: Schreiben ist nicht nur Ausdruck. Schreiben ist Infrastruktur.
Ein guter Text kann Menschen erreichen, die man nie getroffen hat. Er kann Wissen weitergeben, Vertrauen schaffen, Türen öffnen, Debatten verändern. Er kann Jahre später noch gelesen werden. Er kann wirken, während man selbst längst an etwas anderem arbeitet.
Über die Jahre schrieb ich mehrere hundert Artikel. Über Venture Capital, Startups, Unternehmertum, künstliche Intelligenz, Technologie, Gesellschaft, Erfolge und Niederlagen.
Später schrieb ich nicht mehr nur Fachwissen auf. Ich schrieb auch über die dunkleren Seiten des Unternehmertums. Über Zweifel. Über Druck. Über Scheitern. Über die Momente, die nicht auf Bühnen erzählt werden.
Dafür bekommt man weniger Applaus.
Fachwissen ist einfacher. Es wirkt objektiv. Man kann es teilen, speichern, zitieren. Persönliche Erfahrung ist schwieriger. Sie verlangt Offenheit. Sie riskiert Missverständnisse. Sie erzeugt Resonanz bei manchen und Abwehr bei anderen.
Aber oft sind genau diese Texte die ehrlicheren.
Irgendwann wurde es weniger.
Nicht, weil ich keine Gedanken mehr hatte. Eher im Gegenteil. Ich hatte mehr zu sagen als vorher. Ich baute Firmen auf, investierte, gründete Rise of AI mit, beriet Unternehmen, hielt Keynotes, schrieb Gastbeiträge, arbeitete an meinem Buch, wurde Vater, wurde älter, wurde klarer.
Aber das Schreiben veränderte sich.
LinkedIn wurde wichtiger. Twitter war da. Medium kam und ging. Facebook verlor für mich an Relevanz. Instagram war nie mein natürliches Medium. Die Leser bewegten sich weiter, und ich bewegte mich mit.
Ich schrieb immer häufiger auf LinkedIn. Erst längere Texte. Dann kürzere Beiträge. Irgendwann fast nur noch Posts.
Kurz. Pointiert. Schnell.
Das passte zur Zeit. Oder ich dachte zumindest, dass es zur Zeit passt.
Die Aufmerksamkeit wurde kürzer. Der Feed wurde lauter. Plattformen belohnen Reaktion. Nicht immer Substanz. Wer schnell eine These setzt, bekommt Sichtbarkeit. Wer komplexer wird, verliert unterwegs Menschen.
Also passte ich mich an.
Das war nicht falsch. Kurze Beiträge haben ihren Wert. Sie können eine Idee anstoßen. Sie können eine Debatte öffnen. Sie können Menschen erreichen, die für einen langen Text keine Zeit gehabt hätten.
Aber irgendwann merkte ich, dass mir etwas fehlte.
Kurze Beiträge verschwinden schnell. Sie leben vom Moment. Sie sind oft schwer wiederzufinden. Sie werden geliked, kommentiert, vielleicht geteilt – und dann rollen sie weiter nach unten in diesen endlosen Strom aus Meinungen, Reaktionen und Zwischenrufen.
Ich will aber nicht nur Meinungen in Momente werfen.
Ich will Gedanken bauen, die bleiben können.
Das war immer mein Problem mit Social Media. Nicht die Sichtbarkeit. Nicht die Reichweite. Sondern die Flüchtigkeit. Ein Gedanke existiert dort oft nur so lange, wie er gerade im Feed auftaucht.
Danach ist er weg.
Natürlich stimmt das technisch nicht ganz. Man kann suchen. Man kann scrollen. Man kann speichern. Aber kulturell stimmt es eben doch. Social Media ist Gegenwart. Sehr viel Gegenwart. Manchmal zu viel Gegenwart.
Ich komme aus einer anderen Internetzeit.
Aus einer Zeit der Foren, Blogs, RSS-Feeds, Newsletter und selbstgebauten Webseiten. Aus einer Zeit, in der das Netz stärker Archiv war als Bühne. Man schrieb etwas auf, damit andere es finden konnten. Nicht nur heute. Auch morgen. Vielleicht auch in fünf Jahren.
Das vermisse ich.
Deshalb veröffentliche ich längere Texte zwar auch dort, wo Menschen heute lesen und diskutieren. Auf LinkedIn zum Beispiel. Aber ich will sie gleichzeitig wieder hier sammeln. In meinem eigenen Archiv. Auf meinem Blog. An einem Ort, der mir gehört und den ich seit vielen Jahren pflege.
Nicht statt Plattformen.
Zusätzlich.
Ich schreibe seit einiger Zeit eine persönliche monatliche Kolumne für Gründerszene. Ich habe Gastbeiträge für The Pioneer geschrieben. Ich durfte in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen. Auch für The European, Table, Handelsblatt und andere Medien habe ich geschrieben oder durfte meine Gedanken einbringen.
Ich schätze diese Formate sehr.
Gerade weil professionelle Redaktionen Texte besser machen. Sie fragen nach. Sie verdichten. Sie widersprechen. Sie prüfen. Sie geben Gedanken einen Kontext, den man alleine oft nicht herstellen kann. Und natürlich schaffen Medien Öffentlichkeit. Ohne diese Arbeit wäre vieles von dem, was ich heute sagen kann, weniger sichtbar.
Ich bin meiner Pressearbeit und den Journalistinnen und Journalisten, mit denen ich arbeiten darf, sehr dankbar. Gute Medienarbeit ist kein Nebenschauplatz. Sie schafft Relevanz, Vertrauen und Anschlussfähigkeit. Sie öffnet Räume, in denen größere Gedanken überhaupt erst gelesen werden.
Gleichzeitig habe ich gemerkt: Neben diesen Veröffentlichungen brauche ich meinen eigenen Denkraum.
Nicht gegen Medien. Nicht statt Medien. Sondern zusätzlich.
Einen Ort, an dem meine Gedanken Teil meines eigenen Archivs werden. Einen Ort, an dem ich länger ausholen kann. Einen Ort, an dem nicht jede Formulierung in ein Format passen muss. Einen Ort, an dem ein Text auch nach Monaten oder Jahren noch gefunden werden kann, weil er nicht nur Reaktion war, sondern Einordnung.
Vielleicht ist das altmodisch.
Aber ich glaube immer noch an das offene Internet.
An Texte, die zugänglich sind. An Gedanken, die geteilt werden können. An Wissen, das nicht sofort wieder verschwindet. An die Möglichkeit, sich öffentlich an etwas abzuarbeiten.
2017 begann ich, ein Buch über künstliche Intelligenz zu schreiben.
Ich wurde nicht fertig.
Mir fehlte ein guter Prozess. Dann kam die Pandemie. Andere Dinge wurden wichtiger. Erst 2023 fand ich wieder die Zeit und die Ruhe, dieses Buch wirklich zu schreiben. 2024 erschien „Die KI-Nation“.
Ich bin stolz darauf.
Nicht, weil es perfekt ist. Kein Buch ist perfekt. Sondern weil ich damit etwas geschafft habe, von dem ich als Schüler niemals geglaubt hätte, dass ich es schaffen würde: Ich habe ein Buch geschrieben.
Ein echtes Buch. Mit Argumentation, Struktur, Haltung, Fehlern, Schmerz, Stolz und sehr viel Arbeit.
Es wurde in Fachkreisen anerkannt. Es wurde nicht das populärwissenschaftliche Buch, das ich mir vielleicht erhofft hatte. Vielleicht kam es sechs Monate zu spät. Vielleicht hätte ich es früher fertigstellen müssen. Vielleicht war die Welle schon weitergezogen.
So ist Öffentlichkeit manchmal. Man trifft den Zeitgeist oder man verpasst ihn knapp.
Trotzdem war dieses Buch für mich ein Meilenstein.
Auch, weil ich irgendwann verstanden habe: Ich hatte eigentlich schon mehrere Bücher geschrieben. Nur nicht zwischen zwei Buchdeckeln. Über fünfzehn Jahre Blogs, Essays, Gastbeiträge, Newsletter und öffentliche Notizen ergeben am Ende auch ein Werk. Nur verstreuter.
Dieses Verstreute möchte ich jetzt wieder stärker ordnen.
Deshalb schreibe ich wieder länger.
Nicht, weil ich glaube, dass die Welt auf einen weiteren Kommentar von mir wartet. Davon gibt es genug. Von mir. Von anderen. Von allen.
Sondern weil ich gemerkt habe, dass manche Gedanken mehr Raum brauchen, als ihnen unsere heutigen Plattformen oft geben.
In den kommenden Monaten werde ich wieder längere Texte veröffentlichen. Über künstliche Intelligenz, Unternehmertum, Deutschland, Europa und die Fragen, die mich als Unternehmer, Vater, Ehemann und Bürger beschäftigen.
Manches davon wird auf LinkedIn erscheinen, weil dort die Debatten stattfinden. Manches wird in Medien erscheinen, weil Redaktionen Gedanken größer machen können. Und vieles davon wird hier landen, weil bootstrapping.me mein Archiv ist.
Vor allem aber werde ich versuchen, Gedanken nicht nur schnell zu kommentieren, sondern einzuordnen.
Denn genau das hat mir am Schreiben immer am meisten gefallen: Es hilft mir nicht nur, Dinge zu erklären. Es hilft mir, sie zu verstehen.
Ich schreibe also wieder.
Nicht, weil es mir leichtfällt.
Vielleicht gerade, weil es mir nie leichtgefallen ist.
Ich schreibe mit der Erfahrung eines Schülers, der für seine Rechtschreibung abgestraft wurde. Mit der Erinnerung an Foren, in denen Gedanken wichtiger waren als Kommas. Mit der Dankbarkeit für Blogs, die mir eine Stimme gegeben haben. Mit der Demut eines Autors, der lange gebraucht hat, sein erstes Buch zu beenden.
Und mit der Verantwortung eines Vaters, der nicht nur erklären will, wie die Welt ist, sondern mithelfen möchte, dass sie besser wird.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund.
Schreiben hilft mir, Ordnung in eine unübersichtliche Zeit zu bringen.
Es zwingt mich, Gedanken zu prüfen, statt sie nur in den Feed zu werfen.
Und es erinnert mich daran, dass ein guter Gedanke manchmal länger lebt, als man beim Schreiben glaubt.