in Fokus Ökosystem, StartUp, Venture Capital, Zukunft

Finanzierungsprobleme in Deutschland – wir brauchen eine Y-Combinator Copycat

Wie ich im letzten Eintrag geschrieben habe, gibt es vier wesentliche Finanzierungs- und Aufbauphasen für junge Unternehmen: Gründung, Seed, Series-A und Series-B. Auch hatte ich geschrieben, dass es verschiedene Arten von Investoren gibt: Inkubatoren, Company Building, Staatsprogramme, Angels und Venture Capital. Mit dem heutigen Beitrag möchte ich versuchen die deutsche Investorenlandschaft (der Internetindustrie) etwas zu segmentieren und auch Lücken aufzeigen.

Ein wesentlicher Unterschied aus meiner Perspektive ist, ob die Akteure auch wirklich zugänglich sind. Ich stelle mir immer die Frage: “Könnte ich diesem Investor meinem Businessplan schicken und gibt es eine reelle Chance, dass ich eine Finanzierung bekommen würde“. Einige wie Rocket Internet, Team Europe oder Springstar nehmen kaum fremde Teams mit fremden Ideen auf. Stattdessen kann jedes Team versuchen bei HackFwd oder einem der bekannten VCs um Hilfe & Finanzierung anfragen.

In der Gründungsphase gibt es eine Reihe von Hilfen. Offen für jeden sind also staatliche Programme wie das EXIST-Gründerstipendium, Förderungen von diversen Landesbanken oder sowas wie eine Gründerwerkstatt. Dazu kommt natürlich das Geld der klassischen 3F (Friends, Family and Fools). Der wesentliche Nachteil ist, dass diese Förderprogramme wenig know-how beim Aufbau von Internetunternehmen haben. Man bekommt rechtliche Beratung bei der Gründung, aber wird man auch von ehemaligen Gründern beraten?

In der Seed-Phase wird es bereits schwieriger. Wie ich erwähnte, sind die meisten Inkubatoren gar nicht so offen wie man denkt. Und Ansätze wie HackFwd finde ich sehr vorbildlich, damit kann aber kein ganzes Ökosystem finanziert werden. Ansonsten tummeln sich hier sehr viele erfolgreiche Angels in Deutschland, aber kaum einer von diesen kann 50 bis 100 Geschäftsideen im Jahr fördern. Alle sind dezentral organisiert und können nur eine bestimmte Anzahl an Deals gleichzeitig betreuten.

Der Übergang zur Series-A ist fließend. Hier gibt es einige aktive Venture Capital Funds, welche in der Lage wären je gut 10+ Unternehmen im Jahr zu finanzieren. Bekannte sind Point Nine Capital, Earlybird, Holtzbrinck und eVentures. Und mit dem Übergang in die Series-B wird es noch breiter. Doch Problem hier ist, dass diese VCs oft keinen 100% Fokus auf Internet mehr haben: HPV, Partech, Wellington, Target.

Worauf will ich hinaus? Meine These ist, dass es einen Mangel an institutionellen Investoren für Seed/Early-Series-A gibt. Anfangs fördert der Staat bereits ausreichend und ab Series-B gibt es einige große VCs und die internationalen Investoren (gerade aus Russland und USA haben sehr viel Geld). Besonders wenn StartUps so groß geworden sind, dass diese eine Series-B brauchen, gibt es auch oft genügend internationale Bekanntheit. Doch was ist mit denen, die zu klein sind um mehrere Millionen von russischen Investoren zu bekommen? Auf Techcrunch wurde das Problem gut erklärt. Ebenso auf BusinessInsider und anderen Blogs.

Ich halte den Übergang von einer Angel-Finanzierung zu erstem institutionellen Geld für sehr kritisch. Und gerade hier in Deutschland gibt es aus meiner Sicht eine LückePoint Nine CapitalEarlybird, und Holtzbrinck bemühen sich bereits, aber wie viele Unternehmen können so finanziert werden? Ich schätze max. 20 im Jahr welche auch ihren Sitz in Deutschland haben. 20? Da gibt es noch einige von Super-Angels oder sehr kleinen Fond wie kizzo, aber soviel mehr Auswahl für StartUps gibt es nicht.

Daher meine ich, dass wir in Deutschland eine Art Y-Combinator brauchen. Was ist das Konzept dahinter? Y-Combinator gibt jedem (ausgewählten) StartUp 15k-25k$ für die Gründung. Inzwischen gibt es weitere 150k$ von Yuri Milner obendrauf. Ist dies nicht eine erstklassige Ausgangslage? Und er Erfolg spricht für sich. Seit 2005 wurden einige bekannte Unternehmen durch Y-Combinator gefördert, wie z.B. AirBnB und Dropbox. Und wie viele Unternehmen wurden gefördert? Es sind hunderte.

Das Ziel sollte sein, dass jede gute Idee mit einem spitzen Team am Ende Geld bekommt. Je mehr Geld vorhanden ist, desto stärker können die Unternehmen wachsen und das Ökosystem unterstützen. Point Nine Capital ist bereits in der von mir erwähnten Lücke aktiv. Es werden Unternehmen gefördert, welche noch nicht unbedingt ein finales Produkt haben müssen (deswegen auch der Name .9, ableitet von Version 1.0). Doch ich meine, dass dies nicht ausreicht für Deutschland. Wir brauchen also eine Institution, die wie ein Inkubator StartUps aufbaut und gleichzeitig wie ein VC finanziert. Und diese muss offen sein für alle Teams mit allen Ideen – solange diese super sind.

Interessant?